Was ihr gelungen ist, hat seit 36 Jahren keine deutsche Eiskunstläuferin mehr geschafft. Die gebürtige Dresdnerin Evelyn Großmann, heute Klaudt, errang 1990 den Titel im Damen-Einzel bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Leningrad - für die untergehende DDR. Bis heute der letzte Titel bei einer internationalen Meisterschaft für eine deutsche Läuferin. Ein Jahr später legte sie noch mal EM-Silber nach. 35 Jahre später blickt sie auf ihre Karriere zurück, auf die außergewöhnliche Zusammenarbeit mit Jutta Müller, der erfolgreichsten Eiskunstlauf-Trainerin der Welt. Und erzählt über ihre Freundschaft zum Weltstar Katarina Witt.
Das war in der DDR bis 1989 doch genauso.
Ja, aber nicht so schlimm. Ich weiß, dass man immer wieder gucken musste, es gab nicht alles an Obst, Gemüse oder Fleisch. Aber nicht so, dass gar nichts da war. Das ging mir schon bei anderen Wettbewerben in Tschechien oder Polen so, wo ich immer festgestellt habe: Bin ich froh, dass ich in der DDR lebe. Bis ich dann das erste Mal in Wien war (lacht).
1991 konnten Sie Ihren Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen, landeten hinter der Französin Surya Bonaly auf Rang zwei. Warum hat es knapp nicht gereicht?
Surya war eine außergewöhnliche Springerin, aber es hat an mir gelegen, an meinem Mindset. Ich war zwei, drei Jahre vorher schon zwei Mal zu Wettbewerben in Sofia - und bin jeweils Zweite geworden. Vor der EM saß ich in Berlin im Flugzeug, Fensterplatz, rechte Seite. Meine Gedanken kreisten - dann geht mir durch den Kopf: In Sofia wirst du immer Zweite. Leider war ich mental noch nicht so fit wie heute und habe das für mich so stehen lassen, anstatt den Schritt weiterzugehen und zu sagen: Okay, diesmal holst du dir Gold.
