Viel mag sie gar nicht erzählen, das ist einfach nicht ihre Art. Dabei war ihr bisheriges Leben eine wahre Achterbahnfahrt - und Maya Tobehn düst in diesem Gefährt aus einer tiefen Talsohle wieder auf dem Weg nach oben. Die 24-Jährige schwimmt seit knapp anderthalb Jahren für den Dresdner SC. Und steht als einzige Dresdnerin im Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) für die Europameisterschaft Anfang August in Paris.
Über ihre Spezialstrecke 200 Meter Freistil darf sie im Einzel und in der Staffel starten. Und das ist ein kleines Wunder, eine Sensation. Denn die gebürtige Berlinerin hatte ihre Karriere eigentlich schon beendet. In Berlin wurde sie zunächst als das Top-Talent und mögliche Nachfolgerin von Olympiasiegerin Britta Steffen gefeiert. 26 Titel bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften und zehn Plaketten bei Jugend-Europameisterschaften häufte die heute 1,86 Meter große Athletin innerhalb von drei Jahren an.
Ein Olympiaticket für 2020 in Tokio galt für sie als sicher. Corona stoppte diesen Traum. Die Spiele in Japan wurden auf 2021 verschoben. Und Maya Tobehn, tief enttäuscht, machte einfach weiter. Im Nachhinein ein folgenschwerer Fehler. Die aufstrebende Schwimmerin arbeitete sich in einen mentalen Strudel, der sie immer weiter nach unten zog. Bis zum Burnout. Für sechs Wochen tauchte sie völlig ab. "Ich hatte null Zeitgefühl, habe nur noch für meinen Hund Donnie existiert. Ohne ihn hätte ich nie die Wohnung verlassen", sagt sie heute.