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Sein emotionalster Titel: Liebscher-Lucz widmet achtes WM-Gold seinem Umfeld

Sein emotionalster Titel: Liebscher-Lucz widmet achtes WM-Gold seinem Umfeld
Tom Liebscher-Lucz ist wieder da: Bei der Kanu-Weltmeisterschaft in Posen feiert der Dresdner sein achtes WM-Gold, ein Meilenstein Richtung Olympia 2028. Foto: senderundempfänger
Von: Alexander Hiller
Der 33-jährige Weltklasse-Kanute war im Vorjahr aufs Abstellgleis geraten und erstmals seit 2012 ohne internationale Medaille geblieben. Nun sitzt der Dreifach-Olympiasieger wieder im Erfolgsvierer und dankt allen, die ihn nicht aufgegeben haben.

Diese Szene ging unter die Haut. Wenn man die Geschichte dahinter kennt. Als Dresdens Top-Kanute Tom Liebscher-Lucz am Freitagnachmittag bei der Weltmeisterschaft im polnischen Posen mit dem deutschen Kajak-Vierer als Erster über die Ziellinie fährt, drischt der 33-Jährige energiegeladen zwei Mal mit der rechten Hand auf das Wasser. 

Dabei ist es bereits das achte WM-Gold in der persönlichen Vita des Aushängeschilds vom Kanuclub Dresden. Doch dieser Sieg mit dem Paradeboot des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) ist selbst für den Gold-Routinier Liebscher-Lucz ein außergewöhnlicher Moment. „Da hat sich zwei Jahre lang etwas angestaut. Wer mich kennt, der weiß, dass ich gern von solchen Höhepunkten eine Medaille mit nach Hause bringe und gern erfolgreich bin, wenn ich so viel investiere.“ 

Der Sportsoldat der Bundeswehr hatte seine drei Goldmedaillen bei Olympia jeweils mit dem Vierer gewonnen. 2016 in Rio, 2021 in Tokio und 2024 in Paris. Nach dem Auftritt in Frankreich hatte Liebscher-Lucz im Vorjahr seinen sicher geglaubten Stammplatz im Erfolgs-Quartett verloren - aufgrund unzureichender Leistungsdaten. Als WM-Fünfter im Einer war er 2025 erstmals seit 2012 ohne Medaille bei internationalen Meisterschaften verloren.  

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Die unmittelbare Folge: Der 33-Jährige verlor daraufhin seinen Optimal-Förderstatus und wurde vom "Olympiakader" auf "Perspektiv-Kader" herabgestuft. Kein wesentlicher, aber ein spürbarer finanzieller Einschnitt. 

Tochter Zoey sitzt im Fanblock

Einen Hauch Genugtuung dürfte der Routinier also verspürt haben, weil er aufgrund kleiner Umstellungen im individuellen Training wieder zu alter Leistungsfähigkeit zurückfand - und damit sein Comeback im Vierer feiern durfte. „Ich habe mir extrem viel angehört, versucht, neue Einflüsse umzusetzen und Gas zu geben im Winter“, beschreibt er seine Vorbereitung auf die so wichtige Saison. 

Den Lohn dafür hat er in Posen geerntet. „Das ist immer noch unbeschreiblich, dass es so, so gut funktioniert und zusammengespielt hat. Ich habe selten erlebt, dass ich ein 500-Meter-Rennen im Vierer so genießen konnte. Das hat enorm viel Spaß gemacht“, konstatierte der zweifache Familienvater, dessen ältere Tochter Zoey im Familien-Fanblock den Papa mit nach vorn geschrien hatte. 


Tom Liebscher-Lucz (l.) mit zwei seiner drei Erfolgskollegen: Jakob Schopf und Max Lemke (r.). Foto: privat

Dank dieses Erfolgs ließ sich der siebente Rang im Einer über die gleiche Distanz leichter verschmerzen. „Da bin ich natürlich nicht zufrieden, hatte ich mir mehr erhofft, gewünscht und vorgenommen. Aber dieser Weltmeistertitel bleibt.“ Und es dürfte einer der wertvollsten für den Top-Athleten des Kanuclubs Dresden sein. 

Denn: „Das bedeutet auch automatisch, dass ich zurück in den Olympia-Kader aufsteige“, sagte Liebscher-Lucz. „Das bedeutet mir sehr viel, gibt mehr Planungssicherheit und ist sicher auch ein finanzieller Vorteil”, sagt Liebscher-Lucz und verweist auf die monatlichen Zuschüsse von der Deutschen Sporthilfe, die er zusätzlich zu seinem Gehalt als Sportsoldat erhält. Damit genießt der Dresdner ab der kommenden Saison wieder die Optimalförderung im deutschen Sportsystem. 

Der Traum: "Familienurlaub in L.A."

Für Liebscher-Lucz, der sich trotz seiner zwei jungen Töchter Zoey (3,5) und Kira (1,5) und Ehefrau Dora Freiräume schaffen muss, um seinen Job erfolgreich zu erledigen, sicher zumindest eine zusätzliche Sicherheit, um diese ganz privaten Entbehrungen aufzuwiegen. „Ja, dieser Zwiespalt zwischen Familie und Sport wird größer“, gibt der 1,88 Meter große Modellathlet freimütig zu.

Das Karriere-Ende rückt näher - und könnte nach Olympia 2028 in Los Angeles realistisch erscheinen. Es wären die vierten Spiele als Aktiver für Liebscher-Lucz. 2012 in London war der Dresdner als Ersatzmann und damit letztlich als Olympia-Tourist am Rande schon mit dabei. 

„Die Reise ist noch nicht zu Ende. Los Angeles hat sich in Paris als Olympia-Gastgeber 2028 vorgestellt. Das war damals schon atemberaubend. Das große Ziel ist ein Familienurlaub in L.A.", betont der 33-Jährige und meint damit natürlich: Nach einem erfolgreichen Olympia-Auftritt.

Bis dahin ist der Weg noch weit und Posen erst der Anfang. Und nicht zuletzt deshalb nutzt Liebscher-Lucz seinen achten Weltmeister-Titel für ein emotionales Statement: "Sehr, sehr viele Menschen haben an mich geglaubt und mich, trotz des Misserfolgs im vergangenen Jahr, auf dem Weg dieses Jahr unterstützt. Kanu ist per se ein Einzelsport“, sagt er, „aber es gehören ganz, ganz viele zu diesem Erfolg. Auch für die ist dieses Gold.“ 

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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