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Schuh-Hickhack mit IOC ist vergessen - warum das für Josephine Schlörb ein Glücksfall war

Schuh-Hickhack mit IOC ist vergessen - warum das für Josephine Schlörb ein Glücksfall war
Gäste auf der Dresdner Sportlergala: Josephine Schlörb und ihr Freund Fridtjof Petzold. Foto: Alexander Hiller
Von: Alexander Hiller
Das IOC hatte mehrere Design-Vorschläge der Dresdner Eisschnellläuferin für ihre Schlittschuhe vor den Olympischen Winterspielen in Mailand abgelehnt - aufgrund politischer Statements. Nun will die Olympia-Fünfte ihre Neuanfertigungen gar nicht mehr missen.

Den größten Olympia-Hype um ihre Person hat Josephine Schlörb gar nicht mitbekommen. Wenige Tage vor den Olympischen Winterspielen von Mailand hatte die Eisschnellläuferin vom Eislauf-Verein Dresden deutschlandweit für mächtig Wirbel gesorgt, weil sie die Geschichte über das Schuh-Hickhack mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) öffentlich gemacht hatte.

In Kurzform - ihre alten Schlittschuh hatten einen Design mit vielen aufgedruckten Statements, einige davon mit unpolitischem Hintergrund wie "Hass ist keine Meinung" oder "Frauenrechte sind Menschenrechte". Aber eben auch ein paar politisch konnotierte Aussagen. Dieses Design wollte sie auch für ihre neu angefertigten Wettkampf-Schuhe übernehmen, ließ deshalb über den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beim IOC anfragen, ob das erlaubt sei.

Ein halbes Jahr später lehnte das IOC das Design mit Verweis auf Regel 50 der Olympischen Charta ab. In der heißt es sinngemäß, dass politische Äußerungen - egal, in welcher Form - an der Wettkampfstätte, dem "Field of Play", untersagt sind. Bei Europa- und Weltmeisterschaften sind solche Statements erlaubt, mit ihren alten Schlittschuhen wurde die Dresdnerin 2024 EM-Zweite im Team-Pursuit.

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Schlörb entwickelte daraufhin neue Entwürfe, erst der dritte fand die Einwilligung vom IOC. Auf einer projizierten Weltkarte hatte die Dresdnerin das Wort "Respekt" in vielen Sprachen aufdrucken lassen. Ein Hickhack mit Folgen: So viel mediale Aufmerksamkeit konnte die deutsche Meisterin im Massenstart durch ihre sportlichen Erfolge bislang nicht generieren.

"Ich habe mich komplett ausgeloggt - auch von Instagram, um mich voll auf die Spiele zu konzentrieren, habe viele Dinge auch an andere Leute weiterleiten, ich habe nichts davon mitbekommen", sagte Schlörb nun auch Nachfrage im Rahmen der Dresdner Sportlergala.

Die neuen Schuhe sind besser

Letztlich war das monatelange Prozedere sogar ein Glücksfall. „Ich muss sagen, ich habe nach Olympia meine alten Schuhe noch einmal angezogen und finde sie jetzt ganz furchtbar von der Passform“, erzählte sie auf der Dresdner Sportlergala.

Das heißt: Die umstrittenen Wettkampfschuhe haben ausgedient. „Mit dem alten Schuh hatte ich eine Schleimbeutelentzündung an beiden Knöcheln, mit den neuen ist die Schwellung einfach wieder zurückgegangen. Ich will meinen neuen Schuh nicht mehr missen“, erklärte die Wahlberlinerin, die seit drei Jahren in Berlin lebt und trainiert.


Die Schuhe des Anstoßes sind im unteren Bild zu sehen. Das letztlich vom IOC genehmigte Design steht oben. Fotos: Privat

„Ich glaube rückblickend, dass ich diese Spiele gebraucht habe, um potenziell bei den nächsten Spielen erfolgreich sein zu können, um das Ganze zu erleben", sagte Josephine Schlörb, der in Mailand ein Fauxpas unterlief. Im Vorlauf der Team-Verfolgung stolperte die Dresdnerin beim Start als Mittelläuferin des deutschen Trios, das sich selbst als "Sachsen-Express" getauft hat. Mehr als der fünfte Platz bei Olympia wäre für das deutsche Trio, zu dem Josie Hofmann (Crimmitschauer PSV) und Lea-Sophie Scholz (TSV Mylau) gehören, offenbar auch unter optimalen Umständen nicht drin gewesen.

"Das ist ein Fehler, der jedem passieren kann und der auch schon vielen Leuten passiert ist. Es war superschade, dass er in dem Moment passiert ist, aber ich kann mir nichts vorwerfen", betont die 1,76 Meter große Athletin heute. Direkt nach dem Rennen wäre sie allerdings am liebsten im Boden versunken. Doch ihr Team fing sie auf.

Jetzt steht der Freund in der Kritik

"Sie haben mir gesagt: Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen, du nimmst nicht die Schuld für irgendetwas auf dich. Am nächsten Tag haben wir gemeinsam gefrühstückt, haben uns die Haare flechten lassen", erzählt Schlörb. "Die haben mich den ganzen Tag so beschäftigt gehalten, dass es mir danach wieder gutging, dass ich das Gefühl hatte: Ich habe Rückhalt von meinem Team. Dafür bin ich unglaublich dankbar", lobt sie ihre Mitstreiterinnen.

Die Ruhe nach Olympia hat sie in ihrer Heimstadt Dresden genutzt, derzeit ist WM-Vierte des Vorjahres mit ihrem Freund Fridtjof Petzold noch ein paar Tage in Barcelona. Petzold, der für den Crimmitschauer PSV antritt, hatte sich während Olympia öffentlich und kritisch über seinen Verband geäußert.

Die DESG hatte den 28-Jährigen daraufhin für internationale Wettkämpfe wie die Mehrkampf-Weltmeisterschaft nicht mehr nominiert und seinen Kaderstatus bis zum 30. April außer Kraft gesetzt. An nationalen Wettbewerben könnte der gebürtige Werdauer aber auch jetzt teilnehmen. Petzold wollte sich auf Nachfrage vorerst nicht öffentlich zu seiner derzeitigen Situation äußern.

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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