Erektionsstörungen betreffen in Deutschland schätzungsweise vier bis sechs Millionen Männer zwischen 40 und 70 Jahren. Ab 50 steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich: Etwa jeder zweite Mann über 60 erlebt zumindest gelegentlich Erektionsprobleme. Trotzdem bleibt das Thema in vielen Arztpraxen unausgesprochen, selbst dann, wenn bereits chronische Erkrankungen behandelt werden, die als Hauptursache der erektilen Dysfunktion infrage kommen. Die Ursachen sind in den meisten Fällen gut erforscht, und wirksame Medikamente stehen längst zur Verfügung. Warum also leben so viele Männer in der zweiten Lebenshälfte jahrelang mit einer behandelbaren Einschränkung?
Sinkende Testosteronwerte spielen ebenfalls eine Rolle. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei Männern um durchschnittlich ein bis zwei Prozent pro Jahr. Dieser natürliche Prozess führt nicht bei jedem Mann zu Erektionsproblemen, kann aber in Kombination mit Übergewicht, Bewegungsmangel oder Stress die Erektionsfähigkeit spürbar beeinträchtigen.
Medikamentöse Nebenwirkungen werden oft unterschätzt. Bestimmte Blutdrucksenker (Betablocker), Antidepressiva, Entwässerungsmittel und Antiandrogene können die Erektionsfähigkeit erheblich beeinflussen. Gerade Männer ab 50, die häufig mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, stehen vor der Schwierigkeit, zwischen Krankheitsfolge und Nebenwirkung zu unterscheiden. Genau hier wäre ein offenes Gespräch mit dem behandelnden Arzt wichtig.
Welche Medikamente helfen
Die erektile Dysfunktion ist heute gut behandelbar, auch und gerade bei Männern über 50. Die Standardtherapie bilden PDE-5-Hemmer, eine Wirkstoffgruppe, die die Durchblutung im Schwellkörper verbessert und eine natürliche Erektion bei sexueller Stimulation ermöglicht.
Sildenafil ist der am längsten erprobte Wirkstoff und seit der Patentfreigabe als kostengünstiges Generikum verfügbar. Die Wirkung setzt nach etwa 30 bis 60 Minuten ein und hält vier bis fünf Stunden an. Sildenafil eignet sich für Männer, die ein schnell wirksames Medikament mit planbarem Zeitfenster bevorzugen.
Tadalafil hat ein deutlich längeres Wirkfenster von bis zu 36 Stunden, was mehr Spontanität in der Partnerschaft erlaubt. In niedriger Dosierung kann Tadalafil auch täglich eingenommen werden, was bei häufigem Bedarf eine gleichmäßige Wirkung ermöglicht und von vielen Paaren als natürlicher empfunden wird.
Vardenafil und Avanafil sind weitere zugelassene PDE-5-Hemmer mit jeweils eigenen Wirkprofilen. Avanafil gilt als besonders schnell wirksam mit einem vergleichsweise günstigen Nebenwirkungsprofil.
Alle genannten Medikamente sind verschreibungspflichtig. Eine ärztliche Beurteilung ist zwingend erforderlich, bevor eines dieser Mittel eingenommen werden darf. Gerade bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme von Nitraten ist die ärztliche Prüfung medizinisch notwendig, nicht nur eine Formalität.