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Bußgeldkatalog in Sachsen-Anhalt: Welche Sanktionen drohen Verkehrsteilnehmern?

Frau hält ein Smartphone in der Hand, während sie am Steuer eines Autos sitzt und auf das Display schaut.
Handy am Steuer – selbst ein kurzer Blick kann teuer werden. / freepic.diller auf magnific.com
Von: Konrad Vers

Wer im Straßenverkehr unachtsam ist oder vorsätzlich gegen die Regeln verstößt, muss mit spürbaren Konsequenzen rechnen. Ob eine kurze Unaufmerksamkeit bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, das schnelle Überprüfen einer Nachricht auf dem Smartphone oder das Überfahren einer roten Ampel – der Gesetzgeber versteht hierbei keinen Spaß. Wenn Sie auf den Straßen zwischen Magdeburg, Halle und dem Harz unterwegs sind, regelt der Bußgeldkatalog in Sachsen-Anhalt genau, wie teuer ein solches Fehlverhalten wird. Doch welche Besonderheiten gelten in diesem Bundesland, wie setzen sich die Strafen zusammen und womit müssen Autofahrer, Radfahrer sowie Lkw-Fahrer im Detail rechnen?

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Einheitliche Regelungen im deutschen Verkehrsrecht

Immer wieder kommt unter Autofahrern die Frage auf, ob jedes Bundesland im Straßenverkehr seine eigenen Süppchen kocht. Die Antwort darauf ist eindeutig: Im Verkehrsrecht ist Deutschland streng zentralisiert. Das bedeutet, dass der Bußgeldkatalog in Sachsen-Anhalt exakt dieselben Tarife, Punktevergaben und Fahrverbote vorschreibt wie in jedem anderen deutschen Bundesland auch. Das zugrundeliegende Gesetz ist die bundesweit gültige Straßenverkehrsordnung (StVO) in Verbindung mit dem bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog.

Egal ob Sie in der Landeshauptstadt Magdeburg geblitzt werden oder auf einer Autobahn in Bayern – das finanzielle und rechtliche Nachspiel ist bei identischem Verstoß absolut deckungsgleich. Unterschiede zwischen den Ländern gibt es primär in anderen Rechtsbereichen, wie zum Beispiel dem Umwelt-, Natur- oder Denkmalschutz. Wer also illegal Müll in den Wäldern des Harzes entsorgt, wird nach dem spezifischen Landesumweltrecht von Sachsen-Anhalt sanktioniert. Auf dem Asphalt der Straßen gilt jedoch die absolute Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer im gesamten Bundesgebiet.

Geschwindigkeitsüberschreitungen als häufigste Ordnungswidrigkeit

Das Überschreiten des Tempolimits gehört zu den am häufigsten registrierten Delikten auf Sachsen-Anhalts Straßen. Die gesetzlichen Vorgaben sind ohne entsprechende Beschilderung klar definiert: Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt eine maximale Geschwindigkeit von 50 km/h, während außerorts für Pkw bis zu 100 km/h gestattet sind. Auf den Autobahnen des Landes gilt die sogenannte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, sofern keine Schilder das Tempo drosseln.

Die Sanktionen für das sogenannte „Rasen“ wurden in den vergangenen Jahren spürbar verschärft, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und die Zahl schwerer Unfälle zu senken. Dabei wird grundsätzlich zwischen Verstößen innerhalb geschlossener Ortschaften und Delikten außerhalb von Ortschaften unterschieden. Da das Gefahrenpotenzial für Fußgänger und Radfahrer im innerstädtischen Bereich deutlich höher ist, fallen die Bußgelder hier systematisch strenger aus.

Zusätzlich zu den reinen Geldstrafen drohen ab bestimmten Schwellenwerten auch Eintragungen im Fahreignungsregister in Flensburg – umgangssprachlich als „Punkte“ bezeichnet – sowie temporäre Fahrverbote von bis zu drei Monaten. Besonders vorsichtig müssen auch Wiederholungstäter sein. Wer innerhalb eines Jahres zweimal mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h oder mehr erwischt wird, muss in der Regel mit einem Fahrverbot rechnen, selbst wenn der Einzelverstoß dies eigentlich noch nicht vorsehen würde.

Gefährliche Ablenkung: Das Handy am Steuer

Die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt hat sich zu einer der größten Gefahrenquellen der modernen Mobilität entwickelt. Das Verbot umfasst dabei keineswegs nur das klassische Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung. Jegliche Nutzung eines Smartphones, Tablets oder Navigationsgerätes, bei der das Gerät aufgenommen oder gehalten werden muss, stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Selbst das kurze Ablesen einer Kurznachricht an einer roten Ampel ist bei laufendem Motor untersagt.

Der Bußgeldkatalog greift hier konsequent durch. Ein einfacher Verstoß führt neben einem dreistelligen Bußgeld bereits zu einem Punkt in Flensburg. Kommt es durch die Ablenkung zu einer konkreten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder gar zu einer Sachbeschädigung (beispielsweise einem Auffahrunfall), erhöht sich die Strafe drastisch und geht mit einem einmonatigen Fahrverbot einher. Auch Fahrradfahrer sind von dieser Regelung übrigens nicht ausgenommen. Wer auf dem Rad mit dem Handy in der Hand erwischt wird, muss ebenfalls ein empfindliches Verwarngeld zahlen, erhält dafür jedoch im Regelfall keine Punkte.

Rotlichtverstöße: Sekunden entscheiden über das Strafmaß

Das Überfahren einer roten Ampel stellt ein immenses Sicherheitsrisiko dar, weshalb die Behörden in Sachsen-Anhalt solche Verstöße mittels moderner Überwachungsanlagen konsequent ahnden. Rechtlich wird hierbei sehr präzise zwischen zwei verschiedenen Szenarien unterschieden: dem einfachen Rotlichtverstoß und dem qualifizierten Rotlichtverstoß.

  • Einfacher Rotlichtverstoß: Dieser liegt vor, wenn die Ampelanlage beim Überfahren der Haltelinie seit weniger als einer Sekunde Rot anzeigte.
  • Qualifizierter Rotlichtverstoß: Zeigte die Ampel bereits länger als eine Sekunde Rot, wird die Tat als weitaus gefährlicher eingestuft.

Während der einfache Verstoß im Mindestmaß mit einem Bußgeld und einem Punkt geahndet wird, zieht der qualifizierte Verstoß automatisch ein Fahrverbot von einem Monat sowie zwei Punkte im Fahreignungsregister nach sich. Sollte durch das Ignorieren der roten Ampel eine Gefährdung oder Sachbeschädigung entstehen, steigen die Bußgelder im dreistelligen Bereich weiter an.

Alkohol und Drogen im Straßenverkehr

Beim Führen eines Kraftfahrzeugs unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln versteht der Gesetzgeber keinerlei Spaß. Für Fahranfänger in der Probezeit sowie für alle Personen unter 21 Jahren gilt eine strikte Null-Promille-Grenze. Für erfahrene Autofahrer liegt die Grenze für eine reine Ordnungswidrigkeit bei 0,5 Promille.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass bereits ab einer Grenze von 0,3 Promille eine Straftat vorliegen kann, wenn der Fahrer eine auffällige Fahrweise zeigt oder einen Unfall verursacht. Wer mit 0,5 Promille oder mehr am Steuer ertappt wird, ohne auffällig zu fahren, begeht beim ersten Mal eine Ordnungswidrigkeit, die mindestens 500 Euro kostet, zwei Punkte einbringt und ein einmonatiges Fahrverbot nach sich zieht. Im Wiederholungsfall steigen die Geldbußen sowie die Dauer des Fahrverbots drastisch an.

Übersicht der wichtigsten Bußgelder und Sanktionen

Um Ihnen einen transparenten Überblick zu verschaffen, sind in der nachfolgenden Tabelle die Regelsätze für ausgewählte, häufig auftretende Verstöße nach dem aktuellen Bußgeldkatalog zusammengefasst.

Tatbestand / Verstoß Bußgeld (Regelsatz) Punkte in Flensburg Fahrverbot
Geschwindigkeit innerorts (Pkw)
... bis 10 km/h zu schnell 30,00 € keine nein
... 11 bis 15 km/h zu schnell 50,00 € keine nein
... 21 bis 25 km/h zu schnell 115,00 € 1 Punkt nein
... 31 bis 40 km/h zu schnell 260,00 € 2 Punkte 1 Monat
Geschwindigkeit außerorts (Pkw)
... bis 10 km/h zu schnell 20,00 € keine nein
... 11 bis 15 km/h zu schnell 40,00 € keine nein
... 21 bis 25 km/h zu schnell 100,00 € 1 Punkt nein
... 41 bis 50 km/h zu schnell 320,00 € 2 Punkte 1 Monat
Handy am Steuer
Als Kraftfahrer das Handy genutzt 100,00 € 1 Punkt nein
... mit Gefährdung 150,00 € 2 Punkte 1 Monat
... mit Sachbeschädigung 200,00 € 2 Punkte 1 Monat
Beim Radfahren das Handy genutzt 55,00 € keine nein
Rotlichtverstöße
Einfacher Rotlichtverstoß (unter 1 Sek.) 90,00 € 1 Punkt nein
... mit Gefährdung 200,00 € 2 Punkte 1 Monat
Qualifizierter Rotlichtverstoß (über 1 Sek.) 200,00 € 2 Punkte 1 Monat
Alkohol am Steuer
0,5-Promille-Grenze missachtet (1. Verstoß) 500,00 € 2 Punkte 1 Monat
0,5-Promille-Grenze missachtet (2. Verstoß) 1.000,00 € 2 Punkte 3 Monate

Hinweis zur Tabelle: Zu den genannten Bußgeldern kommen im Falle eines offiziellen Bußgeldbescheides in der Regel noch Gebühren und Auslagen der behördlichen Verwaltung (meist rund 28,50 Euro) hinzu. Die angegebenen Werte sind Regelsätze, die bei Vorsatz oder Voreintragungen erhöht werden können.

Das Wichtigste auf einen Blick

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Schutz aller Verkehrsteilnehmer oberste Priorität genießt. Da das Verkehrsrecht in der Bundesrepublik zentralisiert ist, verzeiht der Gesetzgeber auch im östlichen Bundesland keine Fehler: Der Bußgeldkatalog in Sachsen-Anhalt verlangt von Verkehrssündern exakt dieselbe finanzielle und rechtliche Disziplin wie im restlichen Bundesgebiet.

Wer Bußgelder, unliebsame Punkte in Flensburg oder gar den temporären Entzug der Fahrerlaubnis konsequent vermeiden möchte, sollte sich stets an die vorgeschriebenen Tempolimits halten, das Mobiltelefon während der Fahrt beiseitelegen und defensiv agieren. Ein vorausschauender und rücksichtsvoller Fahrstil schont somit nicht nur den eigenen Geldbeutel vor den strengen Tarifen der Behörden, sondern sorgt vor allem dafür, dass alle Verkehrsteilnehmer sicher an ihr Ziel gelangen.

Konrad Vers
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Konrad Vers

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