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Wohnpark Volkersdorf: Investor legt halbierten Plan vor

Wohnpark Volkersdorf: Investor legt halbierten Plan vor
Das ursprüngliche Baufeld für 800 Wohnungen ist blau markiert. Das neue, mehr als halbierte Baufeld liegt hinter der roten Linie, der Grenze des Landschaftsschutzgebietes. Foto: Investor
Від: Meißen News
Nach dem knappen Nein zur großen Variante will Investor Mirko Schüring für sein Wohnprojekt in Volkersdorf inen neuen, halbierten Plan einreichen. Ein CDU-Landtagsabgeordneter pocht auf Wohnraum für die Industrie im Dresdner Norden.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Der Streit um den Wohnpark Volkersdorf geht in die nächste Runde – mit einer neuen Zahl. Bauunternehmer Mirko Schüring aus Pirna will der Stadt Radeburg einen überarbeiteten Plan vorlegen: grob die Hälfte der ursprünglich genannten rund 800 Wohnungen. „Wir sind jetzt in einer Variante, die gerade noch so wirtschaftlich ist“, sagt er im Gespräch. Weitere Kürzungen, große Ausgleichsflächen oder das Aussparen von Bestandsgehölzen würden das Vorhaben seiner Einschätzung nach unter die Wirtschaftlichkeitsgrenze drücken.

Hintergrund ist die knappe Stadtratsentscheidung vom 27. August: Mit 9:8 Stimmen beschränkte das Gremium die weitere Planung auf eine kleinere Variante ohne Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet „Moritzburger Kleinkuppenlandschaft“. Zuvor hatte der Rat am 26. März bei einer Gegenstimme ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren eingeleitet – damals noch mit dem Ziel eines rund 9,5 Hektar großen Quartiers für maximal etwa 1.500 Einwohner auf dem Gelände der auslaufenden Milchvieh- und Biogasanlage. Baurecht besteht weiterhin nicht.

Von der großen zur knappen Kalkulation

Schüring beschreibt das Areal als eine Altlast aus DDR-Zeiten und eine Chance zugleich. Auf der versiegelten Fläche stehen  alte LPG-Silos und eine Biogasanlage. Der Eigentümer Frank Lorenz stellt den landwirtschaftlichen Betrieb zum Jahresende ein.  Investor Schüring will abreißen, erschließen und neu bauen. Allein für Abriss und Erschließung veranschlagt er rund 12 Millionen Euro – noch ohne Hochbau. Den rechnet er mit 2.500 bis 3.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Vermieten will er zu rund 14 Euro Kaltmiete je Quadratmeter – aus seiner Sicht in Radeburg schon realistisch und nötig, um die Kosten zu tragen. „Mir bezahlt niemand etwas fürs Treppenhaus“, sagt er zur Diskussion, wie eng und hoch gebaut werden soll: viele Wohnungen auf wenig Fläche versus aufgelockerte, dörflichere Bebauung. Nur vermietbare Quadratmeter trügen die Erschließung, so Schüring. 

Dass Teile des Plangebiets im Landschaftsschutzgebiet liegen, stimme nur theoretisch: Dort stünden die DDR-Silos auf versiegelter Fläche. Ein Abriss und Neubau mit niedrigerer GRZ senke den Versiegelungsgrad. GRZ heißt Grundflächenzahl. Sie sagt, wie viel Prozent eines Grundstücks mit Gebäuden überbaut bzw. versiegelt werden dürfen. Eine GRZ von 0,4 bedeutet: Auf maximal 40 Prozent der Grundstücksfläche dürfen bauliche Anlagen stehen. Stadt und Naturschutz sehen in Schürings Plan dennoch ein erhebliches Verfahrenshindernis – gut die Hälfte des früheren Plangebiets liegt laut Vorentwurf im LSG und im Außenbereich.

Bürgerprotest und knappe Mehrheit

250 Unterzeichner hatten Mitte August unter dem Motto „Entwicklung ja, aber mit Vernunft!“ eine maßvollere Planung gefordert und die Listen an Bürgermeisterin Michaela Ritter übergeben. Schüring nimmt das „Maßvolle“ als dehnbar wahr und fühlt sich von Rat und Rathaus hin- und hergeschoben: Der Aufstellungsbeschluss sei noch mit 14:1 durchgegangen, danach habe sich Sachlage verdunkelt. „Aktuell sehe ich keine Möglichkeit, eine wirtschaftliche Sache vorzulegen“, hatte er unmittelbar nach dem geheimen 9:8-Votum gesagt. Ritter forderte ihn damals auf, eine neue Beschlussvorlage einzureichen. Genau die will er jetzt nachlegen – aber sie funktioniere nur ohne weitere Auflagen.

Eine aktuelle Stellungnahme von Bürgermeisterin Michaela Ritter zum neuen, halbierten Plan lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Der Plan B heißt Coswig

Schüring verweist auf die Nähe zu ESMC und Globalfoundries und auf einen möglichen weiteren Industrieflächenausbau in  Rähnitz und vieleicht auch auf Volkersdorfer Flur. Dann würden noch mehr Wohnungen benötigt. Unterstützung kommt vom Landtagsabgeordneten Dr. Sven Eppinger (CDU): „Wer Industrie im Dresdner Norden ansiedeln möchte, muss den Menschen, die da arbeiten, auch Wohnraum und die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen.“ Eine funktionierende Wirtschaft sei Rückgrat der Gesellschaft. Das Geld für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur müsse erst erwirtschaftet werden. „Dafür müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, wozu auch Wohnungen für die in der Wirtschaft arbeitenden Menschen gehören.“

Die kommunale Radeburger Wohnungsgesellschaft meldet praktisch volle Belegung und sieht Neubau bei heutigen Kosten wirtschaftlich kaum darstellbar. Nachfrage komme vor allem aus dem Gewerbegebiet. Private Investoren und 14-Euro-Kaltmieten treffen damit auf einen Ort, das kein „Satellitenort“ will – so die Linie mehrerer Stadträte in der August-Debatte.

Sollte Volkersdorf scheitern, rückt bei Schüring ein anderes Projekt nach vorn: Auf einem eigenen Solarflächen-Gelände in Coswig denkt er über einen Wohnkomplex nach – dort, wo jetzt ältere Module stehen bzw. erneuert werden sollen. Der Netzbetreiber kann aber einer Leistungssteigerung der Anlage nicht zustimmen, weil die Kapazität seines Netzes noch zu gering ist. Wohnen am Standort wäre für Schüring dann ein Plan B, falls es mit den halbierten Wohnungen in Radeburg nichts wird.