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Wie Lommatzsch seinen Einfluss auf die Windkraftplanung verlor

Wie Lommatzsch seinen Einfluss auf die Windkraftplanung verlor
Symbolbild Windkraft / pixabay distelAPPArath
Von: Meißen News
Eine Chronologie zeigt, wie die Stadt zentrale Chancen ungenutzt ließ. Jetzt drohen noch mehr Windkraft-Flächen – bei weniger Einfluss.

Von Bügerjournalistin Antje Wetzl

Wie die Stadt Lommatzsch ihren Einfluss auf die regionale Windkraftplanung nach und nach verlor, zeigt eine Chronologie basierend auf Informationen aus der Sächsischen Zeitung vom 3. Juni sowie der Stadtratssitzung in Lommatzsch am 11. Juni. Demnach verpasste der Stadtrat mehrfach Möglichkeiten zur Mitgestaltung – mit spürbaren Folgen für Flächen, Einnahmen und kommunale Kontrolle.

Bereits vor 2024 war ein Repowering am Tummelberg vorgesehen. Ältere Windkraftanlagen sollten auf bestehenden 69 und 20 Hektar großen Flächen durch effizientere Neuanlagen ersetzt werden. Da die EEG‑Vergütung nach 20 Jahren ausläuft, hätte ein Repowering einen neuen Vergütungszeitraum ausgelöst und der Stadt langfristige Einnahmen gesichert. Bürgermeisterin Anita Maaß warb früh dafür, aktiv mitzuwirken, um Standorte, Abstände und Verträge mitzugestalten.

Im März 2024 entschied der Stadtrat jedoch nicht über die mögliche Flächenausweisungen und lehnte damit eine Mitgestaltung faktisch ab. Auch ein Modell zur finanziellen Bürgerbeteiligung wurde nicht beraten. Ein Bürgerbegehren gegen Windkraftentscheidungen wurde als unzulässig eingestuft. In der Folge zog sich die Bürgermeisterin aus weiteren Vermittlungsversuchen zurück.

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Zwischen 2025 und Frühjahr 2026 reagierte der Planungsverband: Da Lommatzsch selbst bestehende Standorte wie Tummelberg und Wölkisch nicht als Vorrangflächen anmelden wollte, mussten Ersatzflächen gefunden werden. Neu hinzu kamen Gebiete in Plotitz, am Kuhberg und in Kobeln. Die Gesamtfläche steigt damit auf 95 Hektar – verteilt um das Stadtgebiet statt konzentriert an bekannten Standorten.

Am 25. Juni will der Stadtrat eine Stellungnahme abgeben, um neue Vorrangflächen mit Verweis auf Natur- und Umweltbelange zu verhindern. Ob der Planungsverband darauf eingeht, ist offen. Parallel verhandeln Unternehmen bereits mit Eigentümern über mögliche Standorte. Von den neuen Gebieten wird Lommatzsch nach Einschätzung von Fachleuten finanziell kaum profitieren.

Was Lommatzsch konkret verliert

  • Windkraftfläche — Von 89 auf 95 Hektar: mehr Fläche, weniger Kontrolle.
  • Einnahmen — Die EEG‑Gemeindebeteiligung wird dauerhaft sinken.
  • Mitgestaltung — Standorte, Abstände und Verträge sind kaum noch beeinflussbar.

Windkraftanlagen im Außenbereich sind gesetzlich privilegiert. Gemeinden können sie nicht ohne tragfähige Gründe verhindern – sonst ersetzt das Landratsamt Entscheidungen. Wer früh verhandelt, kann Abstände, Standorte und Einnahmen sichern. Wer blockiert, verliert diesen Spielraum und riskiert eine größere Anzahl an Anlagen verteilt über mehr Standorte.

Werden bestehende Flächen als Beschleunigungsgebiete nach EU‑Richtlinie RED III anerkannt, entfallen Umweltverträglichkeits- und Natura‑2000‑Prüfungen weitgehend. Einwände aus Natur- und Artenschutz greifen dann kaum noch – genau das droht nun in den neuen Gebieten. Die Stellungnahme des Stadtrats gilt als letzter Versuch, Einfluss zu nehmen. Ob sie berücksichtigt wird, ist unklar. Die Bürgermeisterin sitzt nicht mehr am Tisch. Die Chance zur Mitgestaltung, die 2024 noch bestand, ist wohl weitgehend verstrichen.

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