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Verleger Holger Friedrich in Dresden: Der Verteidiger des Ostens

Verleger Holger Friedrich in Dresden: Der Verteidiger des Ostens
Holger Friedrich (m.) im Gespräch mit den Presseclub-Vorständen Erik Töpfer (l.) und Andreas Weller. Foto: Ulf Mallek
Von: Meißen News
Vor dem Presseclub Dresden skizziert der Berliner Verleger Holger Friedrich die Strategie seiner neuen Zeitung für den Osten.

Früher, als sich Holger Friedrich noch um Software gekümmert hatte und um IT-Lösungen für Banken, um Millionen zu  verdienen, war ihm der Osten egal. Er fühlte sich eher als Weltbürger, als Globalist. Die Familie war ihm wichtig und ein guter Verkaufserlös seiner Software-Firma an den Konzern SAP, was ihm auch gelang, sagte der Verleger am Montagabend im Presseclub Dresden. Seine Haltung änderte sich mit einem Schlag, als er den Berliner Verlag gekauft hatte. Das war 2019. 

Welchen Preis Silke und Holger damals dafür gezahlt haben, ist nie offiziell bekannt geworden. Holger Friedrich selbst sprach von einem „komfortablen zweistelligen Millionenbetrag“, den sich das Paar ein Budget gesetzt habe. Beobachter gehen von viel niedrigeren Preisen aus, weil Du Mont den Verlag, für den die Firma zehn Jahre zuvor einen sogar dreistelligen Millionenbetrag hinlegen musste, unbedingt loswerden wollte. Die damaligen Zahlen sahen alle unschön rot aus. Richtig hohe zweistellige Millionenbeträge im fetten Minus.

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Die Friedichs als Neulinge im schwierigen Verlagsgeschäft kriegten die Kurve. Friedrich nannte für das erste Jahr einen Verlust von neun Millionen Euro. Für 2024 bezifferte er das Ergebnis des Berliner Verlages schon mit plus 1,4 Millionen Euro, für 2025 mit rund 2 Millionen Euro und für 2026 stellte er sogar 3 Millionen Euro in Aussicht. Er wollte die Berliner Zeitung vor dem Untergang retten, damit ein Stück Ost-Identität. Ihr sollte nicht das gleiche Schicksal zuteilwerden wie dem Palast der Republik. Heute verdient die Berliner Zeitung wieder Geld, zwei Drittel mit dem Printprodukt, ein Drittel digital. Und sie ist inhaltlich etwas anders als die anderen. Nicht so ganz im Mainstream. Weniger Haltungsjournalismus, mehr Fakten, so würde es Friedrich sagen. Vielleicht ist es aber auch viel Haltungsjournalismus, nur mit einer abweichenden Haltung?


Die erste Ausgabe der OAZ.

Nach der Wende gab es einen Elitentausch im Osten, sagt Friedrich. Doch die Menschen fremdeln mit den Wessianführern. Und sie vermissten ihre Perspektive in den Medien. Das erkannte Friedrich und will es ändern. Jetzt sogar in Dresden. Sein neuestes Produkt die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung hat ihren Sitz in Dresden. Sie erschien schon viermal gedruckt, immer freitags, zunächst mit einer Auflage von 40.000, jetzt sind es schon 52.000. Gedruckt wird sie in Dresden bei Madsack und dann zu zwei Dritteln im Osten und zu einem Drittel im Westen Deutschlands über Händler verkauft. Den Rest der Woche gibt es sie als E-Paper und als News Website, allerdings ohne Lokalteile. 

Friedrich erläuterte dem Presseclub die Marschroute seiner Expansion: Von Sachsen gehe die OAZ nach Sachsen-Anhalt, dann Brandenburg, Thüringen und zum Schluss Melcklenburg-Vorpommern. Wirtschaftlich sei das Projekt schon jetzt, schreibe schwarze Zahlen mit 20 Mitarbeitern und bei einer Investitionssumme von nur 600.000 Euro. Russengeld sei keins dabei, sagte er. Das hätten auch umfangreiche Finanzprüfungen ergeben.

Ist doch alles anders? Liegt die Zukunft des Journalismus wieder in der gedruckten Zeitung? Einige haben das wohl gedacht, doch Friedrich sieht die Basis stets digital. Die Zeitung habe aber einen Kulturwert, deshalb wählte er auch teureres Papier.

Warum Sachsen, wurde er gefragt. Na, er habe eine E-Mail kurz vor Urlaubsbeginn aus Dresden erhalten. Ein Mann habe ihn gefragt, ob seine Kraft noch ausreiche für ein ähnliches Projekt wie die Berliner Zeitung für Dresden. Kraft reicht, habe Friedrich geantwortet und sich ans Werk gemacht. Irgendwie war Sachsen auch immer gut zu ihm, viel fairer als andere, auch der Ministerpräsident, dem er gern helfen würde, wie er mehrfach erwähnte.

Dass sein junger westdeutscher Chefredakteur jetzt hingeworfen hat, findet Friedrich nicht schlimm. Er habe großen Druck aushalten müssen. Jetzt suche man einen neuen, vielleicht einen aus dem Osten. Redaktionell setzt Friedrich auf ein offenes Modell. Gatekeeper könnten auch Bürgerjournalisten sein, Themenvorschläge sollten als „Open door“ ins Blatt gelangen. Die OAZ soll ein ostdeutsches Leitmedium werden, eine „ostdeutsche FAZ“.

Zu seiner Stasi-Vergangenheit sagte Friedrich, während der Armeezeit habe es die Drohung Militärgefängnis Schwedt oder Kooperation gegeben – er habe kooperiert. Es sei um drei Fälle gegangen. Man habe abgesprochen, was er sage. „Die Kunst“ in der DDR habe darin bestanden, „anständig zu sein.“ Zur AfD erklärte er, bei ihm könne „jeder eine Stimme bekommen“, wenn er auf Gewalt verzichte. Eine Brandmauer gebe es nicht. Auf die Frage nach  „Demokratiegefährdern“ entgegnete er: Was ist das? Dem Verfassungsschutz misstraue er.


Na, so richtig Fraktur ist das wohl nicht.

Die Frakturschrift der OAZ begründete Friedrich mit einem Bezug zur Aufklärung und dem Hinweis, dass der Stil gerade modern sei. Er verwies auf eine ähnliche Ästhetik beim Schriftzug der Olympiade 2028 in Los Angeles. Auf eine Insider-Frage, weshalb er als Ossi am Wannsee wohne und nicht am Müggelsee, antwortete Friedrich, Ossis hätten immer vom Wannsee geträumt. Seine Frau Silke sei übrigens aus dem Verlagsthema heraus. Die deutschen Beteiligungen der Familie  seien in einer Holding gebündelt, die nur ihm gehöre. Wirtschaftlich nannte er als Ziel der OAZ in zwei bis drei Jahre eine Umsatzrendite von 15 Prozent zu erzielen.

Text: Ulf Mallek

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