Fast zweieinhalb Meter ragt die Sandsteinsäule neben der Brücke über den Niedersedlitzer Flutgraben in der Frühlingssonne empor. Noch ist sie gut zu sehen, da das frische Grün an Büschen und Bäumen noch recht spärlich ist – in wenigen Wochen wird sie dahinter verborgen sein. Radfahrer und Spaziergänger kommen auf diesem Weg durch das grüne Areal zwischen der Steirischen Straße in Laubegast und dem Tolkewitzer Toeplerpark an der Säule vorbei. Um die soll es an diesem Vormittag beim Vor-Ort-Termin mit dem Archäologen Thomas Westphalen gehen. Der frühere Abteilungsleiter im Landesamt für Archäologie, der Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ist, will der SZ ihre Bedeutung erläutern.
Doch kaum ist er eingetroffen, schwenkt eine Seniorin vom Weg ab und spricht ihn direkt an. „Ich laufe hier oft vorbei. Dabei ist mir diese Säule aufgefallen. Wissen Sie etwas dazu?“, fragt die Leubenerin. Bei dem Archäologen ist sie zufällig genau an den Richtigen geraten. „Dabei handelt es sich um eine Jagdsäule, die 1779 aufgestellt wurde“, erläutert der Fachmann. Davon zeugt auch die Jahreszahl im Sandstein. „Solche Jagdsäulen markierten die Ausdehnung des jeweiligen kurfürstlichen Jagdreviers.“ Aber sie begrenzten es nicht nur, sondern waren auch Treffpunkte für die mitunter recht großen Jagdgesellschaften. Die kamen vom Pillnitzer Schloss hierher, nachdem sie mit Booten die Elbe überquert hatten, oder direkt aus der kurfürstlichen Residenz.