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Starkes Interesse an ältestem Laubegaster Denkmal

Starkes Interesse an ältestem Laubegaster Denkmal
Interessiert verfolgt der Laubegaster Wolfgang Stoll (l.), was ihm der Archäologe Thomas Westphalen von der Jagdsäule am Niedersedlitzer Flutgraben erzählt, vor der sie stehen. Dabei handelt es sich um das älteste in der Liste erfasste Denkmal von Laubegast. Fotos: Peter Hilbert
Von: Meißen News
Wozu die unter Sachsens letztem Kurfürsten Friedrich August III aufgestellte Jagdsäule diente und welche Pläne es dafür gibt.

Fast zweieinhalb Meter ragt die Sandsteinsäule neben der Brücke über den Niedersedlitzer Flutgraben in der Frühlingssonne empor. Noch ist sie gut zu sehen, da das frische Grün an Büschen und Bäumen noch recht spärlich ist – in wenigen Wochen wird sie dahinter verborgen sein. Radfahrer und Spaziergänger kommen auf diesem Weg durch das grüne Areal zwischen der Steirischen Straße in Laubegast und dem Tolkewitzer Toeplerpark an der Säule vorbei. Um die soll es an diesem Vormittag beim Vor-Ort-Termin mit dem Archäologen Thomas Westphalen gehen. Der frühere Abteilungsleiter im Landesamt für Archäologie, der Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ist, will der SZ ihre Bedeutung erläutern.  

Doch kaum ist er eingetroffen, schwenkt eine Seniorin vom Weg ab und spricht ihn direkt an. „Ich laufe hier oft vorbei. Dabei ist mir diese Säule aufgefallen. Wissen Sie etwas dazu?“, fragt die Leubenerin. Bei dem Archäologen ist sie zufällig genau an den Richtigen geraten. „Dabei handelt es sich um eine Jagdsäule, die 1779 aufgestellt wurde“, erläutert der Fachmann. Davon zeugt auch die Jahreszahl im Sandstein. „Solche Jagdsäulen markierten die Ausdehnung des jeweiligen kurfürstlichen Jagdreviers.“ Aber sie begrenzten es nicht nur, sondern waren auch Treffpunkte für die mitunter recht großen Jagdgesellschaften. Die kamen vom Pillnitzer Schloss hierher, nachdem sie mit Booten die Elbe überquert hatten, oder direkt aus der kurfürstlichen Residenz.

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Der Niedersedlitzer Flutgraben erstreckt sich bis zur Elbe. Geplant ist, den kulturhistorischen Rundwanderweg Archaeo-Pfad am Geberbach von Prohlis bis zur Elbe zu verlängern. Dann könnte eine Station an der Laubegaster Jagdsäule sein.

„Im näheren Umkreis gab es früher zehn solcher Jagdsäulen, unter anderem in Zschachwitz, Laubegast, Seidnitz und Prohlis“, erläutert der Archäologe. „Das ist die einzige Jagdsäule, die hier erhalten geblieben ist. Sie ist laut Denkmalliste das älteste Denkmal von Laubegast“, erklärt er der Leubenerin, die gleich weitermuss. „Es ist sehr schön, dass ich jetzt die Bedeutung dieser Säule kenne“, sagt sie und verabschiedet sich.

In dem Moment kommt Wolfgang Stoll auf seinem Fahrrad und stoppt. Der 72-jährige Laubegaster Anwohner weiß bereits, dass es sich um eine Jagdsäule handelt. „Sie ist mir durch Zufall im Winter aufgefallen, als sie neben den kahlen Bäumen gut zu sehen war“, berichtet er. Das Interesse des Maschinenbauingenieurs war geweckt. Im Internet stieß er auf die Sächsischen Meilenblätter, in denen die Jagdsäule verzeichnet ist. Wolfgang Stoll interessiere sich ohnehin für alte Karten. Der fitte Senior fachsimpelt noch kurz mit dem Archäologen, bevor er sich wieder aufs Rad schwingt und weiterfährt.

„Die Sächsischen Meilenblätter sind ein Kartenwerk von Sachsen, das 1780 begonnen und über 40 Jahre später vollendet wurde“, erklärt Westphalen. Zu dieser Zeit herrschte seit 1763 Kurfürst Friedrich August III, auch der Gerechte genannt. 1806 war er von Napoleon zum König von Sachsen gekrönt worden und herrschte bis zu seinem Tod 1827 als Friedrich August I.

„Die Meilenblätter waren sehr detailreich und zeigten den hohen Stand des sächsischen Vermessungswesens.“ Auf dem Kartenwerk im großen Maßstab sind Wege, Gewässer, Wälder und Wiesen zu sehen, aber auch einzelne Häuser, die damals noch völlig freistehenden Jagdsäulen und auch andere Besonderheiten in der Landschaft. Als weiteres Beispiel führt der Archäologe Jagdbrücken an, über die die höfische Jagdgesellschaft kleine Gräben und Bäche überqueren konnte. Auf dem Kartenausschnitt dieses Gebietes sind noch Wälder auf dem Gelände der heutigen Tolkewitzer Friedhöfe oder auf den Flächen heutiger Wohngebiete von Laubegast ausgewiesen.

Geplant ist, diese Jagdsäule künftig aufzuwerten. Während Dresden vor allem durch seine Barockbauten bekannt ist, liegen die Ursprünge der ersten Ansiedlungen jedoch am Stadtrand im Gebiet von Nickern, erklärt Westphalen. Der Nickerner Heimatforscher Steffen Bösnecker habe sich dafür engagiert, diese Forschungen zu Zeugnissen der Vergangenheit für einer breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Genau deshalb ist hier 2020 Sachsens erster Archäologiepfad eröffnet worden. Dieser kulturhistorische Rundwanderweg am Geberbach heißt offiziell Archaeo-Pfad Dresden.

„Zurzeit endet er noch am Prohliser Palitzsch-Hof mit seinem Museum“, sagt Westphalen. „Wir wollen den Archaeo-Pfad im Rahmen des Projekts Blaues Band Geberbach vom Geberbach, der in den Niedersedlitzer Flutgraben mündet, bis zur Elbe fortführen.“ Daran arbeitet eine Projektgruppe, in der unter anderem Vertreter des Prohliser Stadtbezirksamts, des Landesamts für Archäologie und des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz vertreten sind.

Eine Station des verlängerten Archaeo-Pfads soll an der Laubegaster Jagdsäule sein. Sie ist auch auf einem Ausschnitt des Berliner Exemplars der Sächsischen Meilenblätter für Dresden und Umgebung im Prohliser Palitzsch-Museum auf der Gamigstraße 24 zu sehen. Das ist für archäologisch Interessierte eine Fundgrube. „Wir machen hier Archäologie-Themen sichtbar, indem wir vieles zeigen“, sagt Museumsleiter Peter Neukirch.

Die Gegend um Prohlis wurde vor rund 7.000 Jahren besiedelt. In einer Ausstellung werden nicht nur Zeitzeugen aus dieser Zeit, sondern noch viel ältere gezeigt. So ist der über 50.000 Jahre alte Backenzahn eines Wollhaarmammuts zu sehen. Diese Giganten stammten aus Sibirien und wanderten während der Kältezeiten nach Europa ein. Gefunden wurde der Backenzahn, als das Prohliser Freibad 1934 auf dem Gelände einer früheren Lehmgrube gebaut wurde. „Das ist eine archäologische Schatzkammer“, sagt der Museumschef.

Text: Peter Hilbert

Das Palitzsch-Museum ist von Mittwoch bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr, geöffnet. Freitags ist der Eintritt frei.

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