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Rödertal: Junge Abwassermeisterin setzt Familientradition fort

Rödertal: Junge Abwassermeisterin setzt Familientradition fort
Kurz nach ihrem Meisterabschluss ist Laura Kämpffe auch in der Kläranlage Ottendorf-Okrilla eingesetzt, die ihr Vater Pedro Kämpffe leitet. Hier ist sie bei einer Kontrolltour an den Belebungsbecken unterwegs. Fotos: Peter Hilbert
Von: Meißen News
Gleich nach der Lehre hat die 23-Jährige aus Ottendorf-Okrilla ihre Meisterausbildung absolviert, die jetzt geschafft ist. Was die besonderen Hürden waren und warum sie ihren Job so spannend findet.

Laura Kämpffe dreht an diesem Frühlingstag ihre Runde im Klärwerk von Ottendorf-Okrilla, in dem die Abwässer von bis zu 26.400 Einwohnern gereinigt werden können. Das gehört zu den Aufgaben der jungen Fachfrau von der Stadtentwässerung Dresden, die ihren Job von der Pike auf gelernt und nach gut zweijähriger Ausbildung gerade ihren Meisterabschluss geschafft hat. Die 23-Jährige überprüft die Überwachungsanlagen an den Belebungsbecken, den Probenahmeautomaten am Kläranlagenzulauf und analysiert dann gleich noch die Abwasserproben im Labor. Zu ihrem Job gehört aber noch viel mehr.  

Eine verantwortungsvolle Aufgabe. Schließlich werden hier nicht nur die Abwässer der Gemeinden des Abwasserverbandes (AV) Rödertal gereinigt. Angeschlossen ist auch der neue Industrie- und Gewerbepark Ottendorf-Okrilla. In der Kläranlage werden rund 1,2 Millionen Kubikmeter Abwasser jährlich gereinigt.

Laura Kämpffe setzt mit ihrem Job eine Familientradition fort. Ihr Vater Pedro Kämpffe ist als Abwassermeister bei der Stadtentwässerung für die Kläranlagen im Umland Dresdens, so in Ottendorf-Okrilla, Eschdorf und im Wilsdruffer Stadtgebiet, zuständig. Der 56-Jährige hat viel Erfahrung. Schließlich arbeitet er bereits seit 40 Jahren in der Abwasserbranche.

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Die junge Abwasserfachfrau hat auf der Kläranlage Ottendorf-Okrilla auch Praktikanten ausgebildet. Denn sie ist Ausbildungsstätte des Landesverbandes Sachsen/Thüringen der Deutschen Vereinigung für Wasser, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) Hier ist sie mit den Praktikanten Michael Emmrich (l.) und Max Flach im Bereich der Schlammbehandlung der Anlage Ottendorf-Okrilla. Dabei erläutert sie die Funktion der Dosierpumpen, mit denen dem Abwasser in den Belebungsbecken Eisenchlorid zugesetzt wird.

Tochter Laura wollte ursprünglich Tierarzthelferin werden. Doch wegen einer Allergie ist das nicht möglich. Als sie in der neunten Klasse ist, habe ihr Vater beim Abendbrot aus Spaß gesagt, ob sie nicht Abwassertechnikerin werden will. „Dabei hatte er noch gelacht“, erzählt sie. Über ihren Berufswunsch habe sie sich auch mit Freundinnen unterhalten. „Da wird man aber schon etwas komisch angeguckt, wenn man als Mädchen Fachkraft für Abwassertechnik werden will“, erinnert sich Laura. „Doch ich hatte mir gedacht: warum denn nicht?“

Sie bewirbt sich bei der Stadtentwässerung und beginnt 2019 ihre Lehre, die sie 2022 abschließt. Seitdem arbeitet Laura Kämpffe im Kanalnetzbereich Südost zwischen der Altstadt und der Stadtgrenze. Dort kümmert sich die Abwassertechnikerin mit ihren Kollegen um die Inspektion und Wartung der Kanäle und Abwasseranlagen. Ihr Meister Frank Lieber, der Ende November vergangenen Jahres in Rente gegangen ist, habe sie immer gefördert und ihr viel beigebracht.

„Zu ihm konnte ich immer kommen, egal ob es arbeitsmäßig oder mit einem privaten Problem war“, sagt sie. So, wenn sie aus familiären Gründen schnell einen Tag Urlaub brauchte. Viel gelernt habe sie auch von ihrem einstigen Lehrmeister Reinhard Reißmann. Bereits in der Lehre habe sie sehr viel in den verschiedensten Bereichen gelernt, von der Arbeit im Labor bis hin zur Kanalinspektion. „Das hat mir bis auf die Elektrotechnik, die nicht so mein Steckenpferd ist, viel Spaß gemacht“, resümiert sie. An ihrem Beruf schätze sie besonders, dass er so abwechslungsreich ist.

Bereits in der Ausbildung sei ihr klar gewesen, dass sie Abwassermeisterin werden will. Im Oktober 2023 beginnt ihre Meisterausbildung. Bereits zuvor hat sie den Ausbilderschein erworben. Im ersten Teil, geht es um die Ausbildung zum Industriemeister, den Fachleute aus allen Bereichen absolvieren und fünf Prüfungen ablegen müssen. „So mussten wir im Fach ,Naturwissenschaftliche und technische Gesetzmäßigkeiten‘ den Bremsweg eines Autos berechnen, was ich wahrscheinlich nie wieder brauchen werde“, erklärt sie. Allerdings habe es die Prüfung in sich gehabt. Daran sind einige ihrer Kollegen gescheitert. „Ich war froh, dass ich sie bereits beim ersten Mal geschafft habe“, sagt Laura Kämpffe. Nicht ganz so gut sei es im Fach „Betriebswirtschaftliches Handeln“.

„Ich hatte mich an einer Aufgabe zur Kalkulation so festgebissen, dass ich es am Ende zeitlich nicht geschafft habe.“ Also musste sie nach einigen Monaten wieder zur Nachprüfung antreten. „Im Gegensatz zu meinem Mann Nico bin ich bei Prüfungen ohnehin immer etwas hippelig“, sagt sie. Er arbeitet auch in ihrem Kanalnetzbereich der Stadtentwässerung und sei bei Prüfungen immer völlig gelassen. Genauso hatte er auch seinen Abschluss zum Meister im Tiefbau absolviert. Also musste Laura Kämpffe nach einigen Monaten noch einmal zu dieser Prüfung antreten. „Ich war dann extrem erleichtert, als ich den Brief von der IHK erhalten habe, dass ich bestanden habe.“

Den zweiten Teil ihrer Meisterausbildung im Spezialgebiet Abwassertechnik mit zwei schriftlichen und der mündlichen Prüfung war hingegen kein Problem. „Am 9. Januar dieses Jahres habe ich die mündliche Prüfung abgelegt und damit den Meisterabschluss geschafft“, berichtet sie. Einen Monat später bekommt die junge Frau ihren Meisterbrief.

„Als ich 1985 meine Ausbildung zu Instandhaltungsmechaniker für Wasserwirtschaft in der Kläranlage Magdeburg-Gerwisch absolviert habe, arbeiteten dort nur Frauen im Zwei-Schicht-System“, erinnert sich ihr Vater Pedro Kämpffe. In Dresden war das in diesem Bereich hingegen nicht üblich. Doch die Zeiten ändern sich. „Ich finde es gut, dass sie bei der Stadtentwässerung Erfahrungen in allen Bereichen gesammelt und jetzt ihren Meisterabschluss geschafft hat“, sagt der Abwassermeister. „Ich hoffe, dass Laura jetzt eine Arbeitsaufgabe erhält, die ihr gefällt und die sie Erfahrung für eine spätere Meisterstelle im Kläranlagenbetrieb sammeln lässt.“

„Ich würde jetzt gern auf der Kläranlage Erfahrungen sammeln“, erklärt die junge Fachfrau. Das möchte sie jetzt in Ottendorf-Okrilla. Dort war Laura Kämpffe schon mehrfach eingesetzt. Da ein Kollege in Elternzeit geht, wird sie jetzt bis Ende Juni dort arbeiten. Was sie besonders freut. „Schließlich ist es mein Heimatort. Anfang dieses Jahres hat sie das Haus ihrer Großtante geerbt, die sich eine kleinere Wohnung gesucht hat. „Dort bin ich mit meinem Mann und unseren beiden Hunden eingezogen“, erzählt Laura Kämpffe. Zuvor hatten sie im erzgebirgischen Frauenstein gewohnt. „Wir bauen unser Haus derzeit so aus, dass es uns als jungen Leuten gefällt.“ Ihr jetziger Einsatzort bietet noch einen großen Vorteil. Sie kann zumindest bis Ende Juni mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren.

Text: Peter Hilbert

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