Schocken-Kaufhaus Meißen: Digitale Ausstellung zur Arisierung
Eines der elf sächsischen Warenhäuser des deutsch-jüdischen Konzerns Schocken stand in Meißen. Das Haus ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden – im Gegensatz zu sieben erhaltenen Bauten an anderen Standorten. Genau diese regionale Spur macht die neue digitale Ausstellung des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac) auch für den Landkreis relevant: Seit heute ist „Die Schocken-Kaufhäuser in Sachsen: ‚Wegen Arisierung geschlossen‘ – Eine jüdische Erfolgsgeschichte wird ausradiert“ unter https://schocken-in-sachsen.de/ online.
Die Plattform beruht auf monatelanger Aktenarbeit, vor allem im Staatsarchiv Chemnitz. Sie ergänzt die analogen Ausstellungen zur Geschichte des smac-Gebäudes selbst – dem ehemaligen Kaufhaus Schocken in Chemnitz – und ist ein Beitrag zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 (TACHELES).
Direktorin Dr. Sabine Wolfram betont die Verantwortung, die mit dem Museumseinzug ins ehemalige Warenhaus einhergeht: Das Haus sei Teil der Identität des smac. Die digitale Schau erzähle die NS-Zeit nicht über ein einzelnes Lebensschicksal oder über Schlachten, sondern begleite ein Unternehmen durch den Terror.
Zwei Stränge strukturieren das Angebot. Der erste führt durch die Konzernzentrale in Zwickau und die elf sächsischen Häuser: Aue, Auerbach, Chemnitz, Crimmitschau, Frankenberg, Freiberg, Lugau, Meißen, Oelsnitz, Zwickau und Zwickau-Planitz. Werbung, Personal, Preise und Warenpräsentation steuerte die Zentrale zentral. Auerbach, Freiberg und Frankenberg wurden 1999, 2007 und 2015 abgerissen.
Der zweite Strang folgt dem Konzern in den Akten: zweimalige Enteignung, Weiterbetrieb ab 1939 unter den Namen Merkur und Hanse, nach 1945 oft als Konsum oder HO. Ergänzt werden Familiengeschichte der Brüder Simon und Salman Schocken sowie Hinweise zur Quellenlage.
Im Staatsarchiv Chemnitz liegen 16 laufende Meter Akten von 1841 bis 1951 – nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Konzernarchivs; der größere Bestand ist in der Schocken Library in Jerusalem. Objekte aus Depot und Dauerausstellung des smac runden das Bild ab.
Die Seite richtet sich an Regionalinteressierte, Schulen, Lehrkräfte und Forschende. Texte in Leichter Sprache, Gebärdensprache und ein Kontrastschalter machen Teile barriereärmer. „Wegen Arisierung geschlossen“ ist die sechste Ausgabe des Formats smac+.
Das Kaufhaus in Meißen
- Geschäftsnummer: 5
- Eröffnung: 02.04.1912
- Adresse damals: Elbstraße 19, 01662 Meißen
- Status: nicht erhalten, am Ende des 2. Weltkriegs zerstört
- Gebäude: erbaut zwischen 1876 und 1890, zwangsversteigert 1911
- Festangestellte, um 1930: 47