Radebeul: Musik für die Seele wie am Lagerfeuer
Es ist zum Wohlfühlen. Die Runde nicht zu groß, das Licht dezent, es gibt Rotwein und einer singt Lieder. Der Mann singt angenehm dezent, nicht laut und aufdringlich. Dazu spielt er Gitarre. Und er kennt alle Strophen. Die Lieder allerdings sind für viele der Zuhörer neu. Er nennt sie Seelenlieder. Man kommt sich vor wie am Lagerfeuer.
Die Premiere von Steffen Wollmerstädts Abend unter dem Titel "Seelenlieder" am Freitag an den Landesbühnen Sachsen ist gelungen. Etwa 50 Gäste versammeln sich in der Nebenbühne Goldne Weintraube. Viele kennen ihn persönlich, es sind Russen und Ukrainer darunter. Steffen Wollmerstädt ist ein Marketingmensch. Er arbeitet an den Landesbühnen. Und Intendant Manual Schöbel ist ebenfalls erschienen, um zu schauen, was seine rechte Hand in Marketingfragen künstlerisch so drauf hat. Er wird vielleicht gestaunt haben. Eine ganze Menge nämlich.
Allein die Vielzahl der Instrumente, die er auf der Bühne aufgereiht hat, beeindrucken. Zehn Stück sind es. Zwei Gitarren, acht Blasinstrumente, ein Saxophon darunter. Den musikalischen Backgrund produziert er mit Computerhilfe. Das klappt ganz gut, auch wenn er ständig auf Knöpfe drücken muss. Sicherheitshalber hat er sich eine lange Datei mit allen Liedtexten und Textübergängen angefertigt.
Wollmerstädt singt Deutsch, Russisch und Ukrainisch. Die meisten Lieder haben ihren Ursprung in den Weiten Russlands. Er hat in Donezk in der Ukraine Geologie studiert, zu einer anderen Zeit. Fünf Jahre hat er in der Ukraine gelebt und verliebte sich in Sprache, Musik und Literatur. Slawische Lieder hat er in sich aufgesogen. Die Lieder, die er Seelenlieder nennt, übersetzte er nicht nur ins Deutsche, sondern passte sie an und interpretierte sie neu. Oft hat er seine Werke sogar mit den ursprünglichen Interpreten abgesprochen.

Der Künstler mit Saxophon.
Er startet mit der legendären russischen Band Maschina Vremenie (Zeitmaschine) mit dem Frontman Andrej Makarevish. Er hat sich von Russland losgesagt und lebt in Israel. Er sagte: "Ich habe nicht meine Heimat verlassen, sondern meine Heimat hat mich verlassen." Wollmerstädt strahlt die Ruhe aus, die nötig ist, um sich bei seiner Musik zu finden. Er spielt Sopranflöte, Klarinette und sogar Saxophon. Das Feuer lodert stabil.
Russische und ukrainische Zuhörer singen leise mit. Sie kennen die Songs und fühlen sich hier geborgen. So geht es fast zwei Stunden lang. "Doch jedes Feuer erlischt mit seiner Glut. Die Asche verweht ohne jede Spur." Eine Zugabe gab es nicht, aber vielleicht bald mal eine Wiederholung?
Text: Ulf Mallek
Hier das Konzert noch mal zum Nachhören.