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Neuer Super-Kanal bereit fürs Abwasser von Dresdner Chip-Werken

Neuer Super-Kanal bereit fürs Abwasser von Dresdner Chip-Werken
Das neue ESMC-Werk im Rähnitzer Gewerbegebiet wächst zusehends. Noch dieses Jahr soll der Rohbau stehen. Geplant ist, dass 2027 die ersten Mikrochips hergestellt werden. Dort sollen rund 2.000 Arbeitsplätze entstehen. Das Abwasser dieses Werks fließt künftig auch zum Nordkanal und dann weiter zum Klärwerk. Fotos: Peter Hilbert
Von: Meißen News
Die zehn Kilometer lange Röhre zum Klärwerk ist weitgehend fertiggestellt. Sie wurde sehr schnell gebaut, damit die Mikrochipwerke im Dresdner Norden ihr Abwasser direkt nach Kaditz leiten können.

Ein Bericht von Peter Hilbert

Für Investitionschef Torsten Seiler und die Projektleiter Heiko Nytsch und Rainer Aurin ist jetzt eine besondere Etappe beim Bau des Industriesammlers Nord geschafft. An diesem Tag stehen sie vor den Toren des neuen Infineon-Werks an der Königsbrücker Straße, das am 2. Juli offiziell übergeben werden soll. Denn hier ist noch der 15 Meter lange Kanal hergestellt worden, mit dem die neue Fabrik ihren direkten Anschluss an den zehn Kilometer langen Nordkanal bekommt. „Wir sind froh, dass wir schon hier sind“, sagt Investitionschef Seiler. Seit drei Jahren wird mit dem Nordkanal ein leistungsfähiger Abwasser-Direktanschluss für Dresdens wachsende Chipindustrie gebaut. „Wenn Infineon sein neues Werk übergibt, ist unser Industriesammler Nord weitgehend fertig.“

Die neue Fabrik von Infineon Technologies ist ein bedeutender Zuwachs für Dresdens Chipindustrie. Das fünf Milliarden Euro teure Werk ist die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Zudem ist der Dax-Konzern auch am Gemeinschaftsunternehmen ESMC mit Taiwans Chipgiganten TSMC beteiligt, das unweit davon im Rähnitzer Gewerbegebiet an der A4 ein Halbleiterwerk für zehn Milliarden Euro hochzieht. Auch ESMC wird an den neuen Industriesammler angeschlossen.

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Investitionschef Torsten Seiler sowie die Projektleiter Rainer Aurin und Heiko Nytsch (v.l.) vor dem neuen Infineon-Werk. Sie freuen sich, dass der Nordkanal pünktlich fertiggestellt, der von Infineon direkt zum Klärwerk Kaditz führt.


Sieben Kilometer Stahlbetonröhre durch Erde gepresst

Mit den neuen Chipwerken wäre das vorhandene Kanalnetz überlastet. Deshalb baut die Stadtentwässerung für rund 76 Millionen Euro den rund zehn Kilometer langen Hauptkanal vor allem für die Abwässer der Mikroelektronik-Betriebe. Der Nordkanal führt vom Klärwerk an der Elbe aus parallel zur Autobahn und durch den Heller bis zur Königsbrücker Straße (siehe Grafik). Unterwegs fließt dabei das Abwasser von den Gewerbegebieten in Rähnitz und Wilschdorf in den Kanal.

Etwa zehn Millionen Kubikmeter Industrieabwasser fließen aktuell zur Kläranlage. Allein die Werke von Globalfoundries, Infineon, Bosch und X-Fab leiten schon jetzt 93 Prozent der Dresdner Industrie-Abwässer ein. In den kommenden Jahren wird sich die Industrieabwassermenge nochmals stark erhöhen. Das vorhandene Kanalnetz wäre damit überlastet. Rund drei Kilometer des Kanals werden in offener und sieben Kilometer in geschlossener Bauweise hergestellt, erläutert Projektleiter Nytsch. Offen heißt, dass Gräben ausgebaggert und Rohre verlegt werden.

Beim geschlossenen Verfahren werden Stahlbetonröhren durch die Erde gepresst. In die werden dann noch 1,2 Meter hohe Kunststoffleitungen gezogen, da dort das Abwasser unter Druck fließt

Im Juli 2023 hatte der Bau an der Superröhre mit dem symbolischen Spatenstich am Klärwerk Kaditz begonnen. Das Elbehochwasser zum Jahreswechsel 2023/2024 flutete Baugruben, Altlasten am Heller bescherten Zusatzaufwand. Die Kanalbauer kamen dennoch gut voran und überwanden so manches weitere Hindernis im Untergrund. Der 10. Dezember 2025 war für Investitionschef Seiler, die Projektleiter und die Bauleute ein großer Tag bei dem ehrgeizigen Großprojekt. Da hatte die Tunnelbohrmaschine mit dem Durchstich beim Bau des Nordkanals ihr Ziel bei Infineon an der Königsbrücker Straße erreicht.

Komplett abgeschlossen sind die Arbeiten im ersten, rund 2,3 Kilometer langen Abschnitt vom Klärwerk bis zum Kaditzer Riegelplatz. „Die zuvor umverlegten Leitungen sind wieder zurückverlegt“, erklärt Projektleiter Nytsch. „Zuletzt haben wir noch die Oberflächen wieder hergestellt.“

Fertiggestellt ist auch der Kanalbau im anschließenden, 1,9 Kilometer langen Stück entlang der Autobahn vom Riegelplatz bis zum Sternweg. Dort sind die Leitungen für Wasser, Strom, Gas und Telekom in ihre alte Trasse zurückverlegt. „Derzeit werden dort noch die Oberflächen wiederhergestellt“, verweist Nytsch auf die letzten Arbeiten.

Die unterirdische Trasse führt am Sternweg unter der A 4 hindurch bis zum Beginn der 1,2 Kilometer langen Neuländer Straße, die die Stadt später sanieren will. „Dort befinden wir uns auf der Zielgeraden“, sagt der Investitionschef. Auf der Neuländer Straße hat die Stadtentwässerung den Nordkanal in offener Bauweise verlegt. „Das war aufgrund der niedrigen Lage nicht anders möglich“, erläutert Seiler. Deshalb musste die Straße aufgebaggert werden.

„Parallel dazu haben wir noch Defizite bei der Entwässerung der Neuländer Straße behoben und neue Kanäle fürs Wohngebiet verlegt“, sagt er. Dadurch könne das Abwasser aus dem Wohngebiet und von der Straße wesentlich besser abgeleitet werden, sodass sich die Situation stark verbessert. „Bis Jahresende sollen dort alle Arbeiten abgeschlossen sein“, verweist Projektleiter Nytsch auf den Zeitplan.

Vor allem die Mikrochipindustrie braucht viel mehr Wasser, das nach der Produktion als Abwasser wieder zum Klärwerk Kaditz geleitet wird. Abgeschlossen ist der Bau am neuen Infineon-Werk an der Königsbrücker Straße, das am 2. Juli eröffnet wird. Mit dem Neubau an der Südostecke sollen rund 1.000 zusätzliche Jobs entstehen.


Alle Arbeiten bis zum Autobahnzubringer geschafft

Hinter dem Wilden Mann geht es im vierten, 1,5 Kilometer langen Abschnitt in Richtung des Autobahnzubringers auf der Radeburger Straße weiter. „Der gesamte Abschnitt wurde im März fertiggestellt und abgenommen“, erklärt Projektleiter Nytsch.

Auf gut 2,6 Kilometern ist die unterirdische Rohrtrasse von der Radeburger Straße durch den Heller bis zur Königsbrücker Straße verlegt. Mit dem Durchstich am 10. Dezember vergangenen Jahres an der Königsbrücker hatte die Tunnelbohrmaschine ihre Arbeit geschafft, war die Röhre bis dorthin komplett durch den Untergrund gepresst.

Danach wurden noch drei Bauwerke fertiggestellt, so am Moritzburger Weg. Mit zwei weiteren Bauwerken an der Königsbrücker Straße wurden die vorhandenen Kanäle an den Industriesammler angeschlossen.

Pünktlich vor der Werkseröffnung konnte auch der Direktanschluss fürs neue Infineon-Werk Ende Juni fertiggestellt werden. „So ist unser Kanal bereit für den Probebetrieb“, sagt Investitionschef Seiler. „Allerdings sind an anderen Stellen noch einige Restarbeiten nötig. Sie sollen bis Jahresende abgeschlossen werden.

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