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Hipster Opa beim Meißner Literaturfestival: „Zum Jungsein bist du nie zu alt”

Hipster Opa beim Meißner Literaturfestival: „Zum Jungsein bist du nie zu alt”
Günther Anton Krabbenhöft beim Meißner Literaturfestival. Fotos (2): Ostara Jasmin Hennig
Von: Meißen News
Die berühmte Internet-Persönlichkeit Günther Anton Krabbenhöft las in der Meißner Jahnhalle. Etwa 140 Besucher erlebten in der Jahnhalle einen Abend über Glauben, Dankbarkeit und eine bestimmte Frage.

Ein Bericht von Bürgerjournalistin Ostara Jasmin Hennig

Der Veranstaltungsort passte gut zum Abend: Die Jahnhalle auf dem Jüdenberg, vis à vis zur Albrechtsburg, ist ein Jugendstilbau, der 1895 vom Turnverein „Frisch auf Meißen” errichtet wurde — gegründet von den Malern der Porzellan-Manufaktur.2005 wegen massiven Hausschwammbefalls gesperrt, drohte ihr lange der Abriss. Seit Mai 2025 steht die denkmalgeschützte Halle nach aufwendiger Sanierung durch die Bürgerstiftung Meißen wieder als lebendiger Treffpunkt für alle Generationen offen. 

Um 18:30 Uhr am Samstag begann die Veranstaltung des diesjährigen Meißner Literaturfestes. Doch schon 19 Minuten zuvor hatte Günther Anton Krabbenhöft eine erste kleine Sensation vermeldet: Alle mitgebrachten Exemplare seines Buches waren bereits ausverkauft, noch ehe er auch nur eine Zeile vorgelesen hatte.


Ausverkaufte Lesung in der Jahnhalle.

Krabbenhöft, Jahrgang 1945, wurde mit rund siebzig Jahren über Nacht berühmt, als ein Tourist ihn auf einem Berliner U-Bahnhof fotografierte. Das Bild wurde millionenfach geteilt. Der gelernte Koch, der rund 50 Jahre in diesem Beruf arbeitete, lebt seit den 1970er Jahren in Berlin. Mit Anfang siebzig entdeckte er seine Liebe zum Rave und wächst seither mit einer rasant wachsenden Fangemeinde. Doch an diesem Abend in Meißen war er weder als Internetphänomen noch als schrille Figur zu erleben, sondern als nachdenklicher, warmherziger Erzähler.

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Sein Buch „Sei einfach du! — Zum Jungsein bist du nie zu alt” (HarperCollins) ist kein Ratgeber im üblichen Sinne. Es ist eine Einladung zur Selbstbefragung. Krabbenhöft sprach über den Glauben — an etwas Größeres, und vor allem an sich selbst. Vieles in seinem Leben, so erzählte er, sei ihm nicht abgerungen worden, sondern einfach gekommen. Als hätte er gelernt, offen zu bleiben für das, was sich zeigt.

Achtsamkeit und Ergriffenheit zogen sich als Thema durch den Abend — und eine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Natur, die er als Quelle innerer Ruhe und Orientierung beschrieb. Als konkretes Werkzeug empfahl er das Tagebuchschreiben: das tägliche Innehalten, das Reflektieren, das Aufschreiben dessen, was bewegt.

Und dann stellte er die Frage, die im Raum hängenblieb: Gibt es eigentlich eine Altersgrenze für das Glücklichsein?

Für Heiterkeit im Saal sorgte eine Episode aus dem Berliner Alltag: Krabbenhöft berichtete von einer Grabpatenschaft auf einem Berliner Friedhof — und der daraus entstandenen, wie er es nannte, Urnen-WG. Er erzählte es mit sichtlicher Freude an der eigenen Geschichte, das Publikum dankte es ihm mit Lachen. Ein Moment, der zeigte, wie leicht er zwischen Tiefgang und Leichtigkeit wechseln kann, und dass beides zusammengehört. Krabbenhöft ist 81 Jahre alt und wird gern auch als Hipster-Opa bezeichnet.

Zum Schluss richtete Krabbenhöft einen persönlichen Appell an sein Meißner Publikum: Sie mögen ihre wunderbare Stadt auch als solche wahrnehmen. „Je älter ich werde, desto mehr traue ich mich, jung zu sein” dieser Satz fasst den Abend zusammen. Und vielleicht auch den Ort: Krabbenhöft und die Jahnhalle haben an diesem Abend bewiesen, dass ein Neuanfang keine Frage des Jahrgangs ist.

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