Gewerkschaft fordert Erhalt des Acht-Stunden-Tages im Kreis Meißen
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Dresden-Chemnitz kritisiert die Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes. Nach Ansicht der Gewerkschaft würde eine Abschaffung des bisherigen Acht-Stunden-Tages die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich erschweren.
Wie die NGG unter Berufung auf amtliche Statistikangaben mitteilt, stehen im Landkreis Meißen derzeit rund 2.380 Kindern unter drei Jahren Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen zur Verfügung. Die Betreuungsquote liege bei knapp 57 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, erklärte NGG-Geschäftsführer Thomas Lißner.
Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft die Überlegungen, die tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer stärkeren Orientierung an der Wochenarbeitszeit zu flexibilisieren. Eltern seien bereits heute darauf angewiesen, Arbeits- und Betreuungszeiten genau aufeinander abzustimmen. Würden Arbeitstage künftig deutlich länger ausfallen, könne dies die Organisation des Familienalltags erheblich erschweren.
Nach Einschätzung der NGG betrifft dies nicht nur Eltern kleiner Kinder, sondern auch Menschen, die Angehörige pflegen. Gerade in der häuslichen Pflege seien feste Zeitfenster und eine verlässliche Planung notwendig.
Die Gewerkschaft verweist zudem auf Ergebnisse einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Demnach kümmern sich 51 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer regelmäßig um Angehörige. Bereits heute habe mehr als ein Fünftel der Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Beruf zeitlich miteinander zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen liege dieser Anteil sogar bei 42 Prozent.
Neben den Auswirkungen auf Familien sieht die NGG auch gesundheitliche Risiken. Mit zunehmender Arbeitsdauer steige das Unfallrisiko deutlich an. Darüber hinaus könnten lange Arbeitstage Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Belastungen begünstigen.
Thomas Lißner fordert stattdessen bessere Arbeitsbedingungen und einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Der Fachkräftemangel in Gastronomie, Lebensmittelhandwerk und Ernährungsindustrie lasse sich nicht durch längere Arbeitszeiten lösen, sondern durch attraktivere Arbeitsbedingungen und ausreichend Betreuungsangebote.