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Der Vinzenz Richter von Meißen: Gottfried Herrlich ist tot

Der Vinzenz Richter von Meißen: Gottfried Herrlich ist tot
Gottfried Herrlich in seinem Restaurant im Jahr 2017. Foto: privat
Der langjährige Wirt des „Vincenz Richter“ starb am Montag nach kurzem Krankenhausaufenthalt im Alter von 90 Jahren. Am Wochenende war das auch leises Gesprächsthema zum Weinfest in der Altstadt.

Gottfried Herrlich ist tot. Das war – leise – auch ein Gesprächsthema auf dem Meißner Weinfest an diesem Wochenende. Der langjährige Gastgeber des Traditionsrestaurants „Vincenz Richter“ an der Frauenkirche starb am Montag, 14. September, nach kurzem Krankenhausaufenthalt friedlich im Alter von 90 Jahren, heißt es aus dem Umfeld. Im August hatte er diesen Geburtstag begangen.

Herrlich führte das historische Haus gemeinsam mit seiner Frau Helga Herrlich, geborene Richter, in sechster Familiengeneration. Das Restaurant im mittelalterlichen Tuchmachergebäude – mit Weinhof, Waffen- und Porzellansammlung, altem Mobiliar – zählte zu den bekanntesten Gaststuben Sachsens. Seit den 1990er-Jahren bewirtete das Paar laut eigenen Angaben Hunderttausende Gäste, darunter Diplomaten und Staatsgäste. Ach Bundeskanzler Helmut Kohl zählte zu den prominenten Besuchern. 1992 wurde „Vincenz Richter“ als erstes Mitglied in den neuen Bundesländern in die Vereinigung der Romantik Hotels & Restaurants aufgenommen.

Noch vor der Wende, 1988, ließen Helga und Gottfried Herrlich das Anwesen aufwendig sanieren. Nach 1990 etablierten sie unter dem Motto „Sehen, Erleben, Genießen“ eine neuzeitliche Restaurantkultur und verknüpften sie mit dem Weingut Vincenz Richter. Gottfried Herrlich war als Erzähler und Gastgeber präsent – bei Weinproben, Führungen und Gesprächen über die Geschichte des Hauses. Herrlich erhob oft seine Stimme, auch bei politischen Themen. „Ich muss immer gesellschaftlich denken, auch wenn das manchmal anstrengt", sagte er 2017 in einem Zeitungsinterview.  Er plädierte für die Unterstützung alteingesessener Familienbetriebe und gegen Großprojekte. 

Die Kinder: Thomas Herrlich führt das Weingut weiter, Ulrike Herrlich gründete die Meißner Burgstuben. Enkel Julian Herrlich ist in der jüngeren Generation im Betrieb aktiv – viele in Meißen hoffen, dass er den Weg des Hauses fortsetzt. Ende April 2024 hatten Helga und Gottfried Herrlich das Restaurant aus Altersgründen geschlossen. In der Familie fand sich damals für den Gastbetrieb kein Nachfolger, jedenfalls nicht zu den damaligen Bedingungen. Ein neuer Betreiber wurde - vergeblich -  gesucht. Das Weingut blieb aber voll in Betrieb.

Mit Gottfried Herrlich verliert Meißen einen Wirt, der Wein, Gastlichkeit und Stadtgeschichte in einem Haus gebündelt hat. Ob und wann „Vincenz Richter“ an der Frauenkirche wieder öffnet, bleibt offen. Am Weinfestwochenende mischte sich in die Feier ein stilles Trauern um einen Mann, der sein Haus als Bühne für Sachsen und seine Gäste verstand.

Noch ein Hintergrund

Vincenz Anton Richter (*14. Juni 1845 in Aussig/Ústí nad Labem; †4. Oktober 1903 in Meißen) war Gastwirt, Fleischer und kaiserlicher Oberst. Seine Eltern führten in Aussig das Gasthaus „Zur Krone“. 1873 übernahm er in Meißen das frühere Tuchmacher-Zunfthaus an der Frauenkirche und baute dort eine altdeutsche Weinstube auf – mit Braurecht, eigener Kelterei und einer wachsenden Sammlung von Humpen, Waffen und kulturhistorischen Stücken. Er gilt als Mitbegründer des 1. Deutschen Hotel- und Gastwirtbundes. 

Nach ihm blieben Name und Haus in der Familie: Sohn und Enkel (ebenfalls Vincenz Richter) führten Gaststätte und ab den 1920er-Jahren den Weinbau weiter. Über Helga Herrlich, geb. Richter, und Gottfried Herrlich kam das Haus in die heutige Herrlich-Linie. „Vincenz Richter“ ist also der Gründungsname des Wirts von 1873. Das Haus selbst soll schon 1523 errichtet worden sein.