Kai-Uwe Beger und Andreas Hain hocken hoch über dem Theaterplatz auf dem Dach des Vorschiffs der Hofkirche – Seite an Seite mit Franz von Assisi, der vis-a-vis der Semperoper steht. Der Sachgebietsleiter des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) und der Meißner Restaurator und Steinmetzmeister begutachten die Sandsteinskulptur des berühmten Heiligen. Sie ist eine von 78, die die Kathedrale des katholischen Bistums Dresden-Meißen zieren. Allerdings hat Franz von Assisi derzeit ein erhebliches Manko. Denn er hat eine gewaltige Bruchstelle, da der linke Arm am 18. Januar abgebrochen ist.
Insgesamt 78 Skulpturen zieren die Hofkirche. Sie stehen auf dem Vorschiff, dem Hochschiff, am Turm und in anderen Bereichen der Fassade.
Nach Absturz 1910 und 1913 muss Zwingerbauhütte ran
Die Kathedrale ist mit ihrer Grundfläche von 4.800 Quadratmetern die größte Kirche Sachsens und der jüngste Barockbau Dresdens. Er wurde zwischen 1739 und 1754 vom italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri im spätbarocken Stil gebaut. Bereits weit vor Fertigstellung der Hofkirche wurden die überlebensgroßen Figuren unter Leitung des italienischen Bildhauers Lorenzo Matiellig zwischen 1738 und 1742 gefertigt, erzählt SIB-Projektleiter Norbert Seidel. Sie wiegen zwischen fünf und sieben Tonnen. Das Gotteshaus gehört dem Freistaat. Das katholische Bistum hat die Nutzungsrechte. Deshalb kümmert sich der SIB als Baubetrieb des Freistaats um die Hofkirche.
Die Instandsetzung und Restaurierung sei über die Jahrhunderte hinweg eine permanente Aufgabe gewesen. Das geht auch aus einem 1955 erschienenen Buch über die Hofkirche hervor. Darin wird berichtet, dass 1910 ein zwei Meter langes Stück vom unteren Hauptgesims herabgestürzt ist und 1913 der Arm der Skulptur von Johannes dem Täufer. 1932/33 hatten Spezialisten der Zwingerbauhütte Arme und andere Glieder ergänzt oder ersetzt und dabei auch ausgebrochene Stellen mit sogenannten Vierungen ersetzt. „In dem Zuge war damals schon einmal der jetzt abgebrochene linke Arm von Franz von Assisi ersetzt worden“, erklärt Seidel.
Bei der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 wurden acht Skulpturen vollkommen zerstört und 20 schwer beschädigt. Beschädigte Figuren wurden später restauriert, die zerstörten durch Kopien ersetzt.