Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Meißen News

Der Heiligen-Arm ist ab: Meißner Experte will ihn erneuern

Der Heiligen-Arm ist ab: Meißner Experte will ihn erneuern
SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger (l.) und der Meißner Restaurator Andreas Hain an der beschädigten Skulptur von Franz von Aissisi auf dem Dach der Hofkirche. Ihr Arm war abgebrochen und hinabgestürzt. Die 3,5 Meter hohe Figur ist jetzt eingerüstet und mit Stahlnetzen und Halteseilen gesichert. Zur Instandsetzung wird sie im März vom Dach gehoben. Fotos: Peter Hilbert
Von: Meißen News
Was der Baubetrieb des Freistaats Sachsen unternimmt, nachdem der linke Arm von Franz von Assisi vor der Dresdner Hofkirche aufs Pflaster gekracht ist. Direkt neben zwei Touristen.

Kai-Uwe Beger und Andreas Hain hocken hoch über dem Theaterplatz auf dem Dach des Vorschiffs der Hofkirche – Seite an Seite mit Franz von Assisi, der vis-a-vis der Semperoper steht. Der Sachgebietsleiter des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) und der Meißner Restaurator und Steinmetzmeister begutachten die Sandsteinskulptur des berühmten Heiligen. Sie ist eine von 78, die die Kathedrale des katholischen Bistums Dresden-Meißen zieren. Allerdings hat Franz von Assisi derzeit ein erhebliches Manko. Denn er hat eine gewaltige Bruchstelle, da der linke Arm am 18. Januar abgebrochen ist.

Mehr aus dieser Kategorie

120 Kilo schwerer Arm kracht aufs Pflaster

„Durch den ständigen Frost-Tau-Wechsel gab es in diesem Winter Probleme“, erklärt Beger. Der drastischste Fall ereignete sich am 18. Januar. Der linke Arm von Franz von Assisi, der 120 Kilo wiegt, bricht ab, stürzt hinab und zerplatzt in viele Einzelteile. Das geschieht vor der Sakristei, wo das Ehepaar Beate und Rainer Specker aus Oberschwaben im Kurzurlaub nach der Besichtigung der Hofkirche gerade den Blick auf Zwinger und Semperoper genießen. „Wir standen direkt unter der Figur, als der Arm nur eine Armlänge vor uns auf die Straße knallte“, berichtet Rainer Specker kurz danach. „Der Schreck steckt immer noch in uns.“

Der SIB wird 17.20 Uhr alarmiert – und handelt sofort. Der Bereich rings um die Hofkirche wird mit Zäunen abgesperrt, die 3,5 Meter hohe Skulptur ist bereits zwei Tage später eingerüstet, um sie genau untersuchen zu können. Zudem wird die Skulptur mit Stahlnetzen und Halteseilen gesichert. Sie ist eines der 28 Originale der 40 Skulpturen, die das Seitenschiff zieren. 18 Figuren stehen auf dem 30 Meter hohen Hochschiff und der Rest am Turm und in anderen Bereichen. „Wir hatten schon vorher alles Mögliche unternommen, um Gefahren auszuschließen“, sagt Beger. „Jetzt leiten wir weitere Maßnahmen ein, um die Risiken noch weiter zu minimieren.“


Insgesamt 78 Skulpturen zieren die Hofkirche. Sie stehen auf dem Vorschiff, dem Hochschiff, am Turm und in anderen Bereichen der Fassade. 

Nach Absturz 1910 und 1913 muss Zwingerbauhütte ran

Die Kathedrale ist mit ihrer Grundfläche von 4.800 Quadratmetern die größte Kirche Sachsens und der jüngste Barockbau Dresdens. Er wurde zwischen 1739 und 1754 vom italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri im spätbarocken Stil gebaut. Bereits weit vor Fertigstellung der Hofkirche wurden die überlebensgroßen Figuren unter Leitung des italienischen Bildhauers Lorenzo Matiellig zwischen 1738 und 1742 gefertigt, erzählt SIB-Projektleiter Norbert Seidel. Sie wiegen zwischen fünf und sieben Tonnen. Das Gotteshaus gehört dem Freistaat. Das katholische Bistum hat die Nutzungsrechte. Deshalb kümmert sich der SIB als Baubetrieb des Freistaats um die Hofkirche.

Die Instandsetzung und Restaurierung sei über die Jahrhunderte hinweg eine permanente Aufgabe gewesen. Das geht auch aus einem 1955 erschienenen Buch über die Hofkirche hervor. Darin wird berichtet, dass 1910 ein zwei Meter langes Stück vom unteren Hauptgesims herabgestürzt ist und 1913 der Arm der Skulptur von Johannes dem Täufer. 1932/33 hatten Spezialisten der Zwingerbauhütte Arme und andere Glieder ergänzt oder ersetzt und dabei auch ausgebrochene Stellen mit sogenannten Vierungen ersetzt. „In dem Zuge war damals schon einmal der jetzt abgebrochene linke Arm von Franz von Assisi ersetzt worden“, erklärt Seidel.

Bei der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 wurden acht Skulpturen vollkommen zerstört und 20 schwer beschädigt. Beschädigte Figuren wurden später restauriert, die zerstörten durch Kopien ersetzt.

Einsatz von Baualpinisten und Drohnen

„Alle drei Jahre prüfen wir die Skulpturen auf Standsicherheit“, sagt Sachgebietsleiter Beger. Am Seitenschiff geschieht das vom Hubsteiger aus. Am Turm werden dazu Baualpinisten eingesetzt und auf dem Hochschiff Drohnen. 2022 waren an vier Figuren auf dem Hochschiff Schäden festgestellt worden, so an der Schlossseite an den Skulpturen von Ordensschwester Theresia von Avila, die als Schutzpatronin Spaniens gilt, und des benachbarten polnischen Jesuitenpaters Stanislaus Kostka. Lose Steine wurden damals befestigt und ausgebrochene Stellen ersetzt. „Die Skulpturen an den Seitenschiffen hatten wir erst im Mai 2025 inspiziert und auch die am Turm“, verweist Beger auf die jüngste Überprüfung.

Stahlnetze und Seile für Originalskulpturen

Mit verantwortlich ist auch Andreas Großer, Fachbereichsleiter Zentrales Flächenmanagement (ZFM) des Freistaats. „Jetzt geht es um die Herstellung der Verkehrssicherheit“, erläutert er. Der beauftragte Gutachter Andreas Hain hat ermittelt, was unternommen werden muss. Wenn alles untersucht und gesichert sei, können auch die Zäune rings um die Hofkirche wieder weg. Wenn das Wetter mitspielt und es keine Unterbrechungen gibt, soll das Ende März sein.

In den nächsten beiden Wochen sollen die Originalskulpturen auf dem Vorschiff mit Stahlnetzen und Halteseilen gesichert werden. „Ein Statiker hat ihre genaue Tragfähigkeit berechnet“, erklärt Projektleiter Seidel.

Vier Heilige werden vom Dach gehoben

Insgesamt gibt es dort 28 Originale. Bei Franz von Assisi und drei weiteren Skulpturen reicht die Sicherung jedoch nicht aus. Sie werden im März mit einem 100-Tonnen-Kran vom Dach gehoben. Dabei handelt es sich noch um den heiligen Basilius, der neben Franz steht, Jakobus den Älteren rechts am Turm und die auf der Schlossseite stehende Figur von Katharina. Untersucht werden muss, ob sie restauriert oder durch Kopien ersetzt werden.

Franz von Assisi soll einen neuen Arm bekommen. „Wir haben festgestellt, dass der damals übliche Steinzapfen, mit dem sein linker Arm verankert war, abgebrochen ist“, erklärt Gutachter Hain. Heute werden dafür Edelstahlanker eingesetzt. Außerdem ist der Sockel, auf dem die Skulptur steht, gerissen. Um die Arbeiten ordentlich ausführen zu können, wird Franz heruntergehoben. Mithilfe von Fotos wird ein Gipsmodell des neuen Arms hergestellt. Dann werden die Maße mit einem Punktiergerät auf den Sandsteinblock übertragen, aus dem der noch vom SIB zu beauftragende Steinmetz den neuen Arm herstellen wird.

Der 44-jährige Andreas Hain arbeitet schon seit Jahren an der Hofkirche. Damit setzt der Meißner das Werk seines heute 75 Jahre alten Vaters Hans-Peter Hain fort, der bereits in den 1990er-Jahren 40 Skulpturen auf der Hofkirche restauriert hatte. „Ich habe seine Akten übernommen und führe seine Arbeit weiter“, erklärt Andreas Hain. So war er einer der Fachleute, der 2022 die beschädigten Skulpturen auf dem Hochschiff wieder instandgesetzt hat.

Nach seiner Lehre bei den Sächsischen Sandsteinwerken hatte er 2005 seinen Meisterbrief bekommen und 2018 an der Fachschule im oberfränkischen Wunsiedel noch seinen Abschluss als Restaurator im Handwerk erhalten. Zu 90 Prozent arbeite seine vierköpfige Firma an Denkmalen. Als Beispiele führt Hain das 600 Jahre alte Kornhaus auf der Meißner Burg oder die Pillnitzer Schlosstreppe an. „Die Arbeiten an der Hofkirche sind für mich immer etwas Besonderes“, sagt der Fachmann.

Text: Peter Hilbert

Themen :

Meißen News
Artikel von

Meißen News

Meißen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media