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Kommentar: Eine Stadt trauert

Trümmerfeld
Symbolbild pixabay niekverlaan
Von: Uwe Tschirner
Görlitz ist eine andere Stadt als noch vor einer Woche.

Ein Haus ist eingestürzt. Mitten in der Stadt. Mitten im Leben. Drei Menschen sind tot. Die Einsatzkräfte arbeiten unter schwierigsten Bedingungen, Stein um Stein, Schicht um Schicht. Und die Angehörigen warten – auf Nachrichten, auf Gewissheit, auf Antworten, die vielleicht niemand geben kann.

Es gibt in diesen Tagen nichts Wichtigeres als das.

Die James-von-Moltke-Straße ist abgesperrt. Was dahinter liegt, ist eine Unglücksstelle, ein Trümmerfeld – und ein stiller Ort der Erinnerung, den man nur aus der Ferne ahnen kann. Görlitz hält den Atem an.

Selbst der Wahlkampf, der die Stadt noch vor wenigen Tagen beherrscht hat, ist plötzlich ganz klein geworden. Die Lautsprecher schweigen. Das ist richtig so. Das ist anständig. Die Plakate hängen zwar noch, aber niemand schaut sie an. 

Und dann ist da noch die mediale Aufmerksamkeit. Kameras, Mikrofone, Reporter – sie sind da, seit die ersten Einsatzwagen kamen. Sie fragen, sie filmen, sie senden. Das kann sich seltsam anfühlen, in einer Stadt, die gerade um Fassung ringt. Aber auch sie machen nur ihren Job. Sie erzählen die Geschichte für alle, die nicht hier sind. 

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Was bleibt, ist die Trauer. Um die drei Menschen, die nicht in Görlitz zu Hause waren. Touristen, die vielleicht die alte Stadt bewundern wollten. Einen Mann, der aus beruflichen Gründen hier war – nur für eine Weile, aber mitten im Leben. Deren Familien jetzt fernab dieser Stadt erfahren müssen, dass sie nicht mehr zurückkommen.

Die Einsatzkräfte arbeiten weiter. Die Ermittlungen laufen. Die Ursachenfrage wird bleiben – über Wochen, vielleicht Monate. Aber heute, in diesen Stunden, geht es nicht um Schuld. Es geht um Anteilnahme, um Zusammenhalt, um das leise Mitfühlen mit denen, deren Welt zusammengebrochen ist – buchstäblich.

Der 31. Mai kommt. Die Wahl wird stattfinden. Das ist richtig in einer Demokratie. Aber heute zählt nur eines: Görlitz trauert. Um drei Menschen, die hier nicht zu Hause waren – und die doch zu Görlitz gehören.

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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