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Jaroslav Rudiš erhält den Internationalen Brückepreis 2026

Jaroslav Rudiš erhält den Internationalen Brückepreis 2026
Foto: Vojtěch Veškrna
Von: Uwe Tschirner
Der Internationale Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec geht 2026 an den tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš. Die Auszeichnung würdigt sein literarisches Werk und seinen Beitrag zur Verständigung in Europa.

Jaroslav Rudiš wird mit dem Internationalen Brückepreis ausgezeichnet

Der Internationale Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2026 geht an den Schriftsteller Jaroslav Rudiš. Damit würdigt die Brückepreisgesellschaft einen Autor, der sich in seinen Büchern und Projekten immer wieder mit den großen Umbrüchen des 20. und 21. Jahrhunderts auseinandersetzt. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 25. November, um 19 Uhr im Kulturforum Görlitzer Synagoge statt.

Der Internationale Brückepreis wird seit 1993 an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderer Weise um die demokratische Entwicklung und Verständigung in Europa verdient gemacht haben. Mit Jaroslav Rudiš ehrt Görlitz/Zgorzelec nun einen Künstler, der Grenzen nicht nur geografisch, sondern auch sprachlich und kulturell überwindet.

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Ein Autor zwischen Tschechien und Deutschland

Jaroslav Rudiš ist tschechischer Schriftsteller, Dramatiker, Comic- und Drehbuchautor. Er lebt in Lomnice nad Popelkou und Berlin und schreibt sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch. In seinem Werk überschreitet er Grenzen von Sprache, Nation, Geschichte und Geografie und rückt dabei stets den Menschen in den Mittelpunkt.

Die Brückepreisgesellschaft betont in ihrer Begründung, dass Rudiš in seinen literarischen Arbeiten und Crossover-Projekten immer wieder die gemeinsamen, dramatischen und oft schmerzhaften Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte aufgreift. Dabei entstehe ein Raum für die Reflexion der Vergangenheit, in dem politische Konflikte, Kriege, Verfolgung und Vertreibung zwar präsent seien, aber als historische Kulisse im Hintergrund blieben.

Reisen, Bahnhöfe und Erinnerung als Motive

Seine vielfach ausgezeichneten und in zahlreiche Sprachen übersetzten Bücher arbeiten oft mit Motiven des Unterwegsseins. Reisen werden bei Rudiš zu Bildern für Erinnerung, Veränderung und Versöhnung mit der Vergangenheit. Auch Bahnhöfe spielen eine wichtige Rolle: Sie werden zu Orten der Orientierung und zu symbolischen Schnittstellen zwischen Ankunft und Abschied, Vergangenheit und Zukunft.

Die Figuren in seinen Romanen bewegen sich häufig in einem Zustand der Unsicherheit. Die Brückepreisgesellschaft beschreibt sie als „Passagiere in der Schwebe“ – zwischen Ost und West, zwischen Erinnern und Vergessen, zwischen gestern und morgen. Gerade in dieser Perspektive werde sichtbar, dass die Geschichte in Mitteleuropa unter der Oberfläche des Alltags weiterlebt.

Humor, Humanismus und europäischer Dialog

Rudiš’ Werke sind geprägt von sanfter Ironie, tiefem Humanismus und feinem Humor. In seiner Laudatio auf den ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch schrieb er selbst, dass nicht nur Liebe und Wahrheit, sondern auch Humor den Tod und die Lüge besiegen könne. Humor stehe für Anarchie und vor allem für Freiheit – und werde deshalb von Diktatoren gehasst.

Diese Haltung prägt auch sein öffentliches Auftreten. Jaroslav Rudiš vertritt Werte wie Völkerverständigung, Internationalität, Demokratie und Freiheit. Nach Ansicht der Brückepreisgesellschaft gehört er zu den wirkmächtigsten Stimmen der Aussöhnung zwischen Tschechen, Polen und Deutschen und ist einer der wichtigsten transnationalen Brückenbauer aus dem tschechisch-deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Preis mit besonderem Bezug zu Görlitz

In der Begründung wird zudem auf Rudiš’ Roman Winterbergs letzte Reise verwiesen, in dem mindestens vier Kulturen und Mentalitäten miteinander in Dialog treten: die tschechische, die deutsche, die österreichische und die polnische. Eine besondere Rolle spielt darin der Architekt Rudolf Bitzan, der unter anderem die Görlitzer Kreuzkirche und das Krematorium entworfen hat. Damit schlägt Rudiš auch literarisch eine Brücke nach Görlitz.

Mit der Vergabe des Brückepreises setzt die Europastadt Görlitz/Zgorzelec ein Zeichen für europäische Verständigung und für Literatur als Ort des Dialogs. Die Auszeichnung für Jaroslav Rudiš steht damit nicht nur für ein beeindruckendes Werk, sondern auch für eine Haltung, die Grenzen überwindet und Verbindungen schafft.

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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