Ein Mini-Porträt und Kommentar von Carola Wolf
Wenn die meisten Menschen am Wochenende morgens noch ihren ersten Kaffee trinken oder hastig den Weg zur Arbeit antreten, ist er manchmal schon unterwegs.
Mit wachem Blick geht er durch Zittaus Straßen und sammelt auf, was andere achtlos fallen gelassen haben: Zigarettenkippen, Kronkorken, kleine Reste des Alltags. Auch die Aufkleber, die an Laternen, Schildern oder Aufstellern kleben, entfernt er Stück für Stück. Nicht, weil er es machen müsste. Sondern „weil mir diese Stadt am Herzen liegt“, sagt er lächelnd.
Er macht das freiwillig. Still und ohne große Worte. Getreu dem Motto „Nicht meckern, sondern machen“.
Seine Familie unterstützt ihn dabei, indem sie den dafür nötigen Freiraum schafft.
Er ist kein gebürtiger Zittauer. Vielleicht sieht er deshalb besonders klar, was diese Stadt eigentlich ist: wunderschön. Mit ihren alten Häusern, den Bergen im Hintergrund, den wunderbaren Parkanlagen und den Menschen, die hier leben. Eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann, wenn man sie nicht nur konsumiert, sondern mitträgt.
„Ich möchte in einer sauberen, liebenswerten Stadt wohnen“, sagt er. Und statt darüber zu schimpfen, dass andere ihren Müll liegen lassen, macht er einfach selbst etwas dagegen.
Vielleicht ist genau das bemerkenswert. Denn oft reden wir darüber, was alles besser werden müsste. Über die Politik, über „die Anderen“, über fehlenden Respekt oder mangelndes Verantwortungsgefühl. Doch manchmal beginnt Veränderung viel kleiner.
Jeder kann mit seinem Verhalten einen Teil dazu beitragen, das diese Stadt mit ihren schönen und auch nicht ganz so schönen Ecken, lebenswert ist.
Zittau hat viele schöne Seiten. Wir müssen sie nur sehen wollen.