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Auf die Eimer fertig los?

mehrere Umgebindehäuser (Fachwerkhäuser) an einer kleinen Straße
Foto: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
In Oderwitz sammeln Menschen regelmäßig Müll am Straßenrand. Sonja Ladusch ist eine von ihnen und erklärt, warum sie das freiwillig macht.

Ein persönlicher Bericht von Sonja Ladusch

An einem Sonntagmorgen gehen ein paar Menschen die Dorfstraße in Oderwitz entlang. Sie haben etwas in ihren Händen, etwas Langes. Eimer haben sie auch dabei. Jetzt kommen sie näher und man erkennt, dass das Lange eine Greifzange ist. Damit heben sie Müll auf, der am Wegesrand liegt und packen ihn in ihre Eimer. Sie suchen förmlich nach Müll und laufen anschließend gemächlich weiter zum nächsten Stück.

Warum machen Menschen so etwas? Machen sie das freiwillig?

Ich kann es Ihnen sagen, denn ich bin selbst so ein Mensch, den sie in der oben beschriebenen Szene beobachten könnten. Warum wird Müll gesammelt? Weil er anfällt. Eine simple Antwort. Aber nicht nur das. Müll fällt an und wird nicht entsorgt, er wird sogar aktiv fallen gelassen. Und bleibt dann liegen, in unseren Straßen. Er wird umher geweht durch den nächsten Wind, der durch die Gassen braust. Wird aufgeweicht, durch den nächsten Regen, der fällt oder er wird durch riesige Pflugmaschinen in unsere Böden eingearbeitet, wenn er davor einen Platz auf einem Feld gefunden hat. Er wird in der Kompostieranlage gehäckselt, wenn Plastikmüllbeutel im Biomüll waren. Wir haben kleinste Plastikteile, die in unseren Erden landen – und diese werden im Boden zersetzt und zu Mikroplastik. Dieser ist nicht mehr mit bloßem Auge erkennbar und wir Menschen – und auch alle Lebewesen auf der Erde – nehmen diese Kleinstteile in unseren Organismus auf.

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Vögel sterben, weil sie den Bauch voll haben, aber nicht satt werden. Verschluckte Teile von Feuerzeugen, Plastebeuteln oder Legoteilchen landen in ihren Mägen – sie verhungern an unserem Müll. Hunde fressen beim Gassigehen liegengebliebene Wurstpellen aus Plastik und bekommen Koliken oder sterben daran. Und so weiter und so fort.

Dieser Kreislauf ist riesengroß – warum sollte unser Handeln denn dann eine Auswirkung haben?

Wenn Menschen ihre Umwelt vermüllen, ist ein Phänomen zu beobachten: dort, wo schon ein Teil Abfall im Graben liegt, fällt es Menschen viel leichter, den eigenen Abfall dazu fallen zu lassen. Die Hürde ist weniger hoch, das Nest ist schon beschmutzt. Würde der Abschnitt müllfrei sein, wäre der Gedanke nicht naheliegend. Der eigene Müll würde stärker ins Gewicht fallen. Fällt jedoch immer mehr Abfall in einer Gegend an, wird von Littering gesprochen. Litter ist ein englisches Wort und bedeutet so etwas wie Müll oder Straßenkehricht. Die Gegend vermüllt also.

Da der Effekt bekannt ist – dass Menschen mehr auf ihre Umwelt achten, wenn diese sauber und einladend ist – versuche ich in meiner Nachbarschaft genau so eine Atmosphäre zu schaffen. Mehr hinschauen, mehr Engagement, gegen Wegsehen. Es ist eine einfache Art des Aktivismus, jede und jeder kann auch ohne Hilfsmittel eine Dose aufheben und sie in den nächsten Mülleimer werfen. Es ist unkompliziert und bei fast jedem Wetter möglich. Im Prinzip kann man auch überall tätig werden, denn leider ist unsere Umwelt – fast egal, wo wir Menschen uns aufhalten – voller Müll. Schlussendlich kommen sogar noch zwei Pluspunkte dazu: 1. man ist draußen und aktiv und 2. tut es der Seele gut, wenn Dinge wieder eine Ordnung bekommen. Ein winziger Schritt wurde getan, damit wir in einer Umwelt leben, die wir als lebens‑, schützens- und erhaltenswert erfahren. Das ist ein schöner Gedanke, genau dafür möchte ich mich einsetzen und genau deswegen sammle ich freiwillig den Müll anderer Menschen auf.

In diesem Sinne: ab an die Eimer!


Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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