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Tanz auf dem Vulkan der Kunst: Holger Johns Walpurgisnacht im Oktogon

Kunstabend
Holger John eröffnet die Vernissage im Oktogon (Bild: Thomas Wolf)
Von: Thomas Wolf
Holger John eröffnet seine Retrospektive mit Party, Vollmond und Führungen bis 31. Mai. Der Eintritt ist frei.

Dresden, 1. Mai 2026 – Vollmond über Dresden, Hexen in der Luft – und mitten drin Holger John, der auf einem Lautsprecher tanzt und die Menschen zum Toben bringt. Die Vernissage zur Ausstellung „ALLES SO SCHÖN BUNT HIER!" im Oktogon der HfBK Dresden war kein gewöhnlicher Kunstabend. Sie war ein Fest, ein Statement, ein Lebenszeichen – ganz so wie der Mann, der sie feierte.

Es hätte ein stiller Abend mit Weingläsern und gedämpften Stimmen vor Leinwänden werden können. Es wurde das Gegenteil davon.

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Walpurgisnacht als Kulisse – und als Programm

Das Oktogon füllte sich am Donnerstagabend bis auf den letzten Platz und viele mussten noch stehen. Rund 300 bis 350 Gäste drängten sich in den eleganten Kuppelbau der Hochschule für Bildende Künste – Freunde, Wegbegleiter, Kunstliebhaber, Dresdner Stadtgesellschaft. Draußen schien der Vollmond, drinnen war es ohnehin hell genug: Holger Johns Bilder leuchten einem entgegen, farbintensiv, unerschrocken, mit dieser besonderen Energie, die sein Werk seit Jahrzehnten prägt.

Drei Rednerinnen und Redner sprachen zur Eröffnung – und jede Rede war auf ihre Art ein Porträt des Mannes, dem der Abend galt.

Drei Stimmen für einen Künstler

HfBK-Rektor Prof. Oliver Kossack brachte es auf den Punkt: „Eine Retrospektive mit Holger John ist weniger Bilanz als Auftakt." Und das stimmt. Wer die Ausstellung betritt, spürt sofort: Hier wird nicht abgerechnet, hier wird aufgemacht. Kossack lobte zudem die bemerkenswert kurze Entstehungszeit der Schau – dass sie überhaupt so geworden ist, wie sie ist, sei der Energie zu verdanken, die John in alles hineinsteckt, was er anfasst.

Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch erzählte, dass eine Mitarbeiterin ihr noch kurz vor der Eröffnung zugezwinkert habe: „Holger John ist wirklich etwas ganz Besonderes. Er kann mit allem kochen." Klepsch, die eine Zeit lang selbst auf der Hauptstraße im Barockviertel gewohnt hatte, kannte Johns Galerie als das, was sie für Dresden ist: ein Alleinstellungsmerkmal, ein Politikum, ein Ort, an dem man hängen bleibt. Sie beschrieb seinen künstlerischen Dreiklang aus Geist, Idee und Können und würdigte vor allem seine Rolle als Ermöglicher: einen Mann, der nicht nur in seinen eigenen Räumen bleibt, sondern die ganze Stadt als Bühne begreift.

Kunsthistoriker und Kurator Prof. Dr. Raimund Stecker lieferte die vielleicht philosophischste Rede des Abends. John, so Stecker, sei kein Avantgardist im strategischen Sinne. Er plane nicht, wohin er kommt – er wisse aber intuitiv, was er gerade machen müsse. „Was kann einem 66-Jährigen Besseres widerfahren, als geblieben zu sein?", fragte Stecker – und meinte damit jene Echtheit, die John durch alle Jahrzehnte getragen hat. Der Kurator verwies auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Kunst sogar vor die Wissenschaft stelle – eine weltweit einzigartige Verfassungsposition, die er als Rahmen für Johns ungebändigtes, intuitives Schaffen deutete.

Dann trat Holger John ans Mikrofon. Kurz. Laut. Unmissverständlich. Und eröffnete damit offiziell die Party.

Der Mann, die Musik, der Moment

Was dann folgte, war Holger John pur. Die Newcomer-Band LUYS & Band aus Leipzig sorgten mit ihrem Dream-Rock für den musikalischen Auftakt – träumerisch, aber mit Druck dahinter, genau wie Johns Bilder. Als dann DJ Otis „Oski" Hagen Chevalier – Schauspieler, Klangkünstler und Sohn der Punk-Ikone Nina Hagen – die Turntables übernahm, verwandelte sich der Innenhof der HfBK in ein Wohnzimmer der Dresdner Kunstszene, in dem alle willkommen waren, die Farbe lieben.

Nina Hagen selbst fehlte an diesem Abend – sie hatte einen gemeinsamen Auftritt mit der 91-jährigen Nana Mouskouri. Doch ihre Abwesenheit wurde auf eine Art kompensiert, die kaum passender hätte sein können: „Ich glotz TV" lief gleich zweimal – und beim zweiten Mal stand Holger John höchstpersönlich auf dem Lautsprecher und heizte dem Publikum ein.

Der 66-Jährige ist eben nicht nur Maler und Grafiker. Er ist Entertainer. Er ist Impresario. 

Innenhof HfBK Dresden

"Bunt ist das neue Schwarz-Weiß"

„Das Neue schwarz weiß ist das Bunt" – dieser Satz von Holger John klingt nach einem künstlerischen Manifest, und vielleicht ist er genau das. In einer Zeit, in der viele Debatten in harten Gegensätzen geführt werden, setzt John auf das Spektrum. Auf die Vielfalt der Farbe als Haltung, als Lebensphilosophie.

Die Retrospektive „ALLES SO SCHÖN BUNT HIER!" versammelt Malerei und Zeichnung aus 66 Jahren – von der DDR bis in die Gegenwart. John zeigt eigene figürliche und abstrakte Bildserien, turbulente Kinderzeichnungen, Keramiken, die er gemeinsam mit Hedwig Bollhagen schuf, und Fotografien aus den frühen 1950er Jahren. Darunter auch historisch reizvolles Material: Fasching an der HfBK mit Lissy John und Manfred Böttcher, ein legendäres Fechtduell von Claus Weidensdorfer mit Gerhard Richter im Akademie-Innenhof. Dazu Arbeiten von Lehrern, Kommilitonen und Schülern, die Johns künstlerisches Netzwerk sichtbar machen.

Denn, wie Kossack es formulierte: Johns Werk ist nicht im Alleingang entstanden – es ist Teil eines Netzes künstlerischer Beziehungen, das sich über Jahrzehnte und politische Systeme hinweg entwickelt hat.

Was Holger John ausmacht

Die Walpurgisnacht im Oktogon war mehr als ein Eröffnungsabend. Sie war ein Beweis dafür, was Holger John seit Jahrzehnten tut: Menschen zusammenbringen. Nicht durch Exklusivität, sondern durch Offenheit. Nicht durch stille Erhabenheit, sondern durch Lust am Kontakt, am Tanz, am gemeinsamen Erleben.

„Walpurgisnacht im Vollmond – fulminante Vernissage und Tanz auf Vulkan der Kunst", beschrieb John den Abend selbst. Treffender hätte man es kaum formulieren können.

Jetzt selbst erleben – mit Holger John persönlich

Wer den Maler nicht nur durch seine Werke kennenlernen möchte, hat noch bis zum 31. Mai täglich die Gelegenheit dazu: Holger John bietet täglich um 13 Uhr eine persönliche Führung durch die Ausstellung an. Das Oktogon der HfBK Dresden, Georg-Treu-Platz 1, ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet – Eintritt frei.

„Ich habe noch gar nicht angefangen! – Ich bin mein eigenes Vorprogramm." Wer diesen Satz von Holger John hört und ihm dabei in die Augen schaut, glaubt es sofort.

Die Ausstellung „ALLES SO SCHÖN BUNT HIER!" läuft noch bis zum 31. Mai 2026 im Oktogon der HfBK Dresden, Georg-Treu-Platz 1. Persönliche Führungen mit Holger John täglich um 13 Uhr.

Hinweis der Redaktion: Die Redetexte lagen als automatisches Transkript vor und waren an Stellen stark verzerrt. Es wurden nur jene Passagen eingearbeitet, die sich sinngemäß sicher erschließen ließen.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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