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Werbewand vor der Panzerkette: Wie ein Lauf-Aufbau in Dresden zum Politikum wird

Eine Frau und ein Mann im Anzug stehen auf einer Wiese neben einem Denkmal aus einer Panzerkette. Links steht eine große, rosa Fotowand mit REWE-Logos vor einem modernen Gebäude im Hintergrund.
Gedenken im Schatten des Kommerzes: Heike Ahnert (CDU) und Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU) am 17. Juni 2026 vor der REWE-Fotowand, die direkt hinter dem Panzerketten-Mahnmal aufgebaut wurde. Foto: CDU Dresden
Von: Cornelius de Haas
Eine rosa Fotowand der REWE Team Challenge, dahinter das Mahnmal an den Volksaufstand von 1953: Am Gedenktag prallen am Postplatz Sport, Werbung und Erinnerungskultur aufeinander. Die CDU spricht von Ignoranz - und richtet ihren Vorwurf an die Stadt..

Dresden. Es ist ein Bild mit Symbolkraft: Auf dem Rasenstück am Postplatz steht die CDU-Fraktionsvorsitzende Heike Ahnert neben Sachsens Landtagspräsident Alexander Dierks, zu ihren Füßen die aufgebäumte Panzerkette - und direkt dahinter eine mannshohe, rosafarbene Fotowand der REWE Team Challenge. Ausgerechnet am 17. Juni, dem 73. Jahrestag des Volksaufstands von 1953, an den das Denkmal erinnert, trifft kommerzieller Laufsport - der auch für einige Verkehrseinschränkungen sorgt - auf einen der sensibelsten Gedenkorte der Stadt. Für die CDU-Fraktion ist das ein Skandal - allein, ihr Vorwurf dürfte an einer entscheidenden Stelle vorbeizielen.

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Was die Panzerkette am Postplatz bedeutet

Am 17. Juni 1953 kamen auf dem Postplatz rund zehntausend Dresdner zusammen, um gegen die SED-Herrschaft zu protestieren. Der Aufstand wurde von sowjetischen Truppen und der Volkspolizei niedergeschlagen; viele Menschen verloren ihre Freiheit oder ihr Leben. An sie erinnert seit 2008 ein Mahnmal der Künstlerin Heidemarie Dreßel: eine 5,70 Meter lange Kette eines sowjetischen T-34-Panzers, die sich aus einem Sandbett im Gehweg auf 1,70 Meter Höhe aufbäumt.

Es war die Stadt selbst, die den Gedenkort schuf: 2008 lobte sie einen Kunstwettbewerb aus, der Kulturausschuss entschied sich für Dreßels Entwurf, das Militärhistorische Museum stellte die Panzerkette bereit. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Vorwurf, der Verwaltung sei das Gedenken grundsätzlich gleichgültig, nur schwer halten.

CDU spricht von Ignoranz - und zeigt eine Alternative

In ihrer Mitteilung wirft die Fraktion der Stadt vor, dem Gedenken „die Krone aufgesetzt" zu haben. Kulturpolitischer Sprecher Mario Schmidt, selbst Mitglied im Beirat für Erinnerungskulturen, nennt es „unsensibel und ignorant", dass die Panzerkette an einem 17. Juni von einer Fotowand umbaut werden könne. Er sieht die mutigen Menschen von 1953 „mit Füßen getreten" und mutmaßt, der Gedenktag passe „nicht ins politische Bild" der zuständigen Beigeordneten.

Konstruktiv ist dabei, dass die Fraktion nicht bei der Kritik stehen bleibt: Per Foto dokumentiert sie eine freie Fläche auf der gegenüberliegenden Seite des Postplatzes, auf der die Fotowand aus ihrer Sicht ebenso gut - und ohne Konflikt mit dem Denkmal - hätte stehen können. Die Sorge, dass ein Mahnmal an seinem Gedenktag visuell verstellt wird, ist nicht abwegig.

Den Standort wählt der Veranstalter - nicht das Rathaus

Der Kern des Vorwurfs trifft jedoch die falsche Adresse. Die Stadt erteilt über das Straßen- und Tiefbauamt zwar die Sondernutzung für die genutzte Fläche - wo aber innerhalb dieses Areals eine Fotowand konkret aufgestellt wird, entscheidet üblicherweise nicht die Behörde, sondern der Veranstalter. Dass das Rathaus die Werbewand ausgerechnet vor dem Denkmal angeordnet hätte, ist wenig plausibel.

Blick auf einen gepflasterten Platz mit Verkehrsschildern im Vordergrund. Im Hintergrund befindet sich ein großes Wohn- und Geschäftshaus mit Außenplätzen des Restaurants „Sfizio“. Eine Passantin läuft von links durch das Bild.
Die vorgeschlagene Alternative: Diese freie Fläche auf der gegenüberliegenden Seite des Postplatzes hätte laut CDU als konfliktfreier Standort für die Werbewand dienen können. Foto: CDU Dresden

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage weg von der Verwaltung und hin zur Organisation der REWE Team Challenge: Wer hat die Wand an diese Stelle gesetzt - und hätte sie sich, nachdem die Kritik aufkam, kurzfristig versetzen lassen, etwa auf die von der CDU gezeigte Freifläche? Offen bleibt zudem, ob bei der Genehmigung überhaupt ein Mindestabstand zu Gedenkorten vorgesehen ist.

Ein wiederkehrendes Konfliktfeld - Antworten stehen aus

Der Streit reiht sich in ein Muster ein. Schon Anfang 2025 hatte Schmidt der Verwaltung ein fehlendes Konzept für den Gedenkort Altmarkt zum 80. Jahrestag der Zerstörung Dresdens vorgeworfen. Erinnerungskultur ist zwischen der CDU und der von Grünen und Linken geprägten Verwaltungsspitze ein wiederkehrendes Reibungsthema.

Um die offenen Fragen zu klären, haben wir sowohl die Stadt als auch den Veranstalter Laufszene Events um Stellungnahme gebeten. Sobald die Antworten vorliegen, ergänzen wir den Beitrag.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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