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Lückenschluss beim Kanalbau an der Hamburger Straße

Zwei Bauarbeiter mit Helmen und Warnwesten stehen links und rechts neben einem großen, hochkant aufgestellten Beton-Eiprofil für den Kanalbau auf einer Erdbaustelle. Im Hintergrund steht ein orangefarbener Kettenbagger.
Projektleiter André Leistner (l.) und Polier Harald Richter vor dem letzten Kanalteil vor dem Lückenschluss im neuen Kanalabschnitt an der Hamburger Straße. Kurz danach wurde dieses Teil unweit des Haltepunkts Cotta in die knapp einen Meter breite Lücke gehoben. Foto: Peter Hilbert
From: Dresden News
Der knapp ein Kilometer lange Abschnitt wird komplett ausgebaut. Wie die Stadtentwässerung Dresden die Chance nutzt, um das dortige Abwassersystem für die nächsten Jahrzehnte zu wappnen.

Von Peter HIlbert

Dresden. Die Hamburger Straße am Haltepunkt Cotta ist seit Jahresanfang eine Großbaustelle unter Federführung der Deutschen Bahn. Mit dabei ist auch die Stadtentwässerung Dresden. Der rund 120 Jahre alte Gebietshauptkanal direkt unter der Hamburger Straße muss weichen und wird auf rund 500 Metern neu verlegt. So kann bis März nächsten Jahres der Mittelpfeiler für die neue, längere Bahnbrücke errichtet werden.

Die Arbeiten am neuen Kanal sind zügig vorangekommen. Deshalb stehen Projektleiter André Leistner von der Stadtentwässerung und Polier Harald Richter von der Dessauer Niederlassung der Firma Echterhoff neben einem eiförmigen Kanalstück an der langen Baugrube auf der stadtwärtigen Seite des Haltepunkts.

Der Lückenschluss: Anschlüsse werden gut abgedichtet

„Hier haben wir einen rund 150 Meter langen neuen Kanal ein Stück in Richtung Elbe umverlegt“, erklärt Projektleiter Leistner. So fügt er sich in den künftigen Verlauf der Hamburger Straße ein. Noch an diesem Tag bekommt der Bagger Arbeit, da er das Kanalteil in die letzte, 95 Zentimeter breite Lücke einheben wird.

Drohnenaufnahme einer langgestreckten Straßenbaustelle mit Baggern, Baugruben und verengter Fahrbahn. Rechts verläuft die Elbe, im Hintergrund sind Stadtteile und eine Eisenbahnbrücke zu sehen.
So sieht die Großbaustelle am Haltepunkt Cotta derzeit aus. Unten rechts ist die Baugrube zu sehen, in der der neue Kanal verlegt wurde. Foto: Peter Hilbert

Vorm Lückenschluss ist Kanalbauer Klaus Beichel in der tiefen Baugrube indes bei den Vorbereitungen. Er verteilt mit seinem Pinsel Bitumen auf die Kanalanschlüsse beiderseits der Lücke. Schließlich soll der Kanal auch dicht sein. Ist das letzte Teil beim Lückenschluss eingehoben, wird die gummiartige Dichtung zwischen den Kanalteilen außen noch mit Beton verschlossen, erläutert Polier Richter.

Ein Bauarbeiter mit gelbem Schutzhelm und Schutzbrille trägt mit einem Pinsel eine schwarze Dichtungsmasse auf den Rand eines großen Beton-Kanalrohrs auf. Er steht in einer tiefen Baugrube.
Kanalbauer Klaus Beichel bereitet den Lückenschluss mit dem letzten Kanalteil vor. Er streicht Bitumen auf die Anschlüsse beiderseits der Lücke. Schließlich soll der neue Kanal gut abgedichtet werden. Foto: Peter Hilbert

Jetzt muss nur noch der Anschluss an den vorhandenen Kanal vor der Weißeritzbrücke hergestellt werden, der bereits vor rund 20 Jahren erneuert wurde. Das leicht geknickte Anschlussteil des Kanals liegt schon neben der Hamburger Straße bereit.

Seit Ende Februar ist hier Polier Richter mit zwölf Kanalbauern im Einsatz. „Die Baustelle ist sehr anspruchsvoll, da viele Firmen auf engstem Raum arbeiten“, sagt der 37-jährige Fachmann. Doch mit dem bisher Geschafften ist Projektleiter Leistner sehr zufrieden. „Auf die Leute der Firma Echterhoff mit ihrer hohen Fachkompetenz kann ich mich immer verlassen“, resümiert er.

Das Gesamtprojekt: B6 und Haltepunkt werden ausgebaut 

Geplant ist, am Haltepunkt Dresden-Cotta einen neuen zentralen Umsteigepunkt für den Öffentlichen Personennahverkehr zu schaffen. Dafür baut die DB die Station mit ihren Zugängen barrierefrei aus und erneuert in dem Zuge die Eisenbahnbrücke. Zudem entsteht am Haltepunkt im Auftrag der Landeshauptstadt eine neue barrierefreie Straßenbahn- und Bushaltestelle.

Blick in eine schmale Baugrube, in der mehrere massive Betonrohre in Reihe aneinandergefügt verlegt sind. Die Erdwand der Baugrube ist seitlich abgestützt.
Das ist der neue Kanal in Richtung Klärwerk Kaditz hinter dem Haltepunkt Cotta. Mit einer Höhe von 1,35 Metern ist er nicht so groß wie die Kanalanschlüsse auf der Cottaer Seite des Haltepunkts. Das ist auch nicht nötig, da bei extremem Starkregen das überschüssige verdünnte Abwasser zuvor in die Elbe überläuft. Foto: Peter Hilbert

Die B6 soll in einem 900 Meter langen Abschnitt zwischen der Weißeritzbrücke auf der Hamburger und der Einmündung der Alten Meißner in die Meißner Landstraße komplett ausgebaut werden. Sie wird um 80 Zentimeter abgesenkt und begradigt. So wird auch die Durchfahrtshöhe größer. Damit wird ein Nadelöhr am Autobahnzubringer im Dresdner Westen beseitigt. Die Gesamtkosten belaufen sich nach DB-Angaben auf rund 67 Millionen Euro.

Die Vorarbeit: Rohrtunnel durch Bahntrasse gepresst

Bis Mai vergangenen Jahres war ein 54 Meter langer Abwasser-Rohrtunnel durch die Bahntrasse gebaut worden. Neben dem Cottaer Edeka war die sogenannte Startgrube, in der die Vortriebsmaschine gearbeitet hat, auf der Stadtseite die Zielgrube, in der der Abwasser-Rohrtunnel angekommen ist. Diese Stahlbetonröhre, die auf der Elbseite etwa 30 Meter entfernt parallel zur alten Trasse verläuft, ist das Herzstück des neuen Hauptkanals, erklärt Projektleiter Leistner.​

Das Bauwerk: Regenüberlauf mit besserem Schutz für Elbe

Zudem ist auf der Stadtseite des Haltepunkts bis Ende vergangenen Jahres ein 15 Meter langes und knapp sieben Meter tiefes Regenüberlaufbauwerk errichtet worden, das das alte unter der Hamburger Straße ersetzt. Fließt bei extremem Starkregen viel stark verdünntes Abwasser durch den Kanal, läuft ein Teil über einen Überlauf in die Elbe. So wird das Kanalnetz nicht zu stark belastet. „Da die Wehrschwelle höher ist als beim alten Bauwerk, fließt das stark verdünnte Abwasser erst später in die Elbe, sodass sie weniger belastet wird“, verweist Leistner auf einen Vorteil.

Ein Bauarbeiter in orangefarbener Warnweste und Helm stützt sich lächelnd auf ein großes ovales Eiprofil-Betonelement. Im Hintergrund stehen Bauschutt-Container und Absperrungen.
Polier Harald Richter an dem leicht gekrümmten Kanalteil, mit dem der neue Kanal unweit der Weißeritzbrücke an den vorhandenen alten Kanal angeschlossen wird. Foto: Peter Hilbert

Ein Rechen filtert zuvor Schmutzstoffe heraus. Über zwei mehr als fünf Meter lange Stahlschnecken werden sie nach dem Regen letztlich wieder ins Abwasser befördert, das zum Kaditzer Klärwerk fließt. So einen Rechen hat der alte Regenüberlauf nicht. Um den Kanal bei extremen Hochwassern zu schützen, schließt ein Hochwasser-Schieber ab einem Pegel von ca. 4,50 Metern den Überlauf zur Elbe in der Gegenrichtung. So kann der Kanal nicht geflutet werden. „Das Regenüberlauf-Bauwerk ist gut zugänglich und hat eine separater Zufahrt für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten“, nennt Leistner einen weiteren Vorteil.

Die Cottaer Anschlüsse: Betonröhre während Sperrphasen verlegt

Auf der Cottaer Seite gibt es zwei neue Anschlüsse zu großen Hauptkanälen. Die Verbindung in Richtung Briesnitz vor dem Edeka-Markt ist bereits fertig, erklärt der Projektleiter. Derzeit wird noch an der Verbindung zum alten Kanal auf der Bahnstraße neben dem Abrollberg vom Güterbahnhof Friedrichstadt gearbeitet. Die zwei Meter hohe runde Stahlbetonröhre unter der Hamburger Straße konnte abschnittsweise während der Sperrphasen dorthin verlegt werden.

Am Ende des neuen Kanals wird derzeit eine große Baugrube auf der Bahnstraße ausgehoben. Noch im September soll mit einem Mobilkran ein Stahlbetonbauwerk eingehoben werden, das die Verbindung zwischen neuem und altem Kanal herstellt. Bis Jahresende sollen dort alle Arbeiten abgeschlossen werden.

Ein unterirdischer, quaderförmiger Betonraum mit großen Rohreingängen in den Wänden. In der Mitte verläuft eine mechanische Förderschnecke aus Metall zur Reinigung von Abwasser.
Das ist das neue Regenüberlaufbauwerk, über dessen Trennwand bei Starkregen verdünntes Abwasser in die Elbe überläuft. Gut sichtbar sind auch die Schnecken, die grobe Schmutzstoffe nach dem Regen vom Rechen wieder ins Abwasser befördern. Foto: Peter Hilbert

Während der Bauzeit befördert ein Pumpwerk das Abwasser durch eine provisorische Leitung weiter zu den vorhandenen Kanälen. Im Juli wurde das Pumpwerk aufgebaut. „In der ersten Nacht wurden gleich die Kupferkabel gestohlen, die dann ersetzt werden mussten“, erzählt Leistner. „Das war äußerst ärgerlich.“ Ein großer Vorteil auf dieser Baustelle sei jedoch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, so mit der Deutschen Bahn und der Stadt. „Da klappt alles hervorragend“, sagt Projektleiter Leistner.