Gleis 17 – Abfahrt von Dresden in eine andere Welt
Ein Bericht von Bürgerjournalist Steffen Skeide
Der herrliche Spätsommer hält den harten Kern der Modellbahnfreunde um ihren Chef Matthias Hengst nicht davon ab, sich wöchentlich im ehemaligen Speisesaal des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) in Dresden zu treffen.
„Das sind die einzigen Gebäude, die noch stehen“, sagt Hengst. „Der Rest wurde mit Schließung des Werkes 1991/92 abgerissen.“ Man taucht förmlich an jeder Ecke in die DDR-Vergangenheit ein. Auf einer Fläche von über 200 Quadratmetern stehen fünf analoge und vier digitale Anlagen in den Nenngrößen N bis hin zur Gartenbahn. „Die Arbeitsverteilung unserer 27 Mitglieder umfasst alles, dennoch gibt es einige Spezialgebiete“, so Lutz Parron, zuständig für die Elektronik der Schienenverlegung.

Leiter Matthias Hengst greift schon mal in den Schrank mit den Triebwagen: „Ich denke, dass wir mit dem Thema Triebwagenverkehr zur Ausstellung im November etwas Besonderes anbieten.“ Foto: Steffen Skeide
„Gern würden wir mehr Jugendliche aufnehmen, aber das schaffen wir nicht“, sagt der zweite Vorstand, Michael Jenke.
Zwölf Jugendliche können ab einem Alter von 11 Jahren hier im Verein mitwirken. Die Nachfrage ist größer, deshalb gibt es eine Warteliste, auf der aktuell drei Namen stehen, die nachrücken, sobald ein Platz frei wird. „Zug fahren, Landschaft gestalten, basteln“, bringt es Jenke auf den Punkt, „gern würden wir sie auch in das Thema Elektronik weiter hineinführen. Leider klafft eine große Lücke zwischen dem vorhandenen schulischen Wissen und der praxisnahen Anwendung.“
„Ich habe hier alles gefunden, was ich gesucht habe“, berichtet der 17-jährige Marvin Zschöcke. „Eine interessante Freizeitgestaltung, die mir Spaß macht, ein cooler Verein, Gemeinschaft, wo es Leute gibt, die mir helfen.“ Nach sechs Jahren Zugehörigkeit, dem Durchlaufen aller Stationen, ist er bei den „Großen“ angekommen.
Stolz zeigt der Oberlandschaftsgestalter Gerd Hoffmann die Musteraufbauten einer Kleingartenanlage. Jeder Jugendliche hatte die Aufgabe, diese nach seiner eigenen Idee zu gestalten. Gegenüber tüftelt Schmalspurexperte Bernd Scheibe mit Hans-Joachim Berz, zuständig für digitale Elektrik, wie der weitere Aufbau der neuen TT-Anlage erfolgen soll. Seit zwei Jahren wird daran gearbeitet, mit einem neuen Stück Nossener Brücke und Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt, natürlich digital und mit allem, was es jetzt gerade so gibt. Trotz mehr als 200 Stunden pro Mitglied im Jahr wird es noch einige Zeit dauern, bis sie fertig ist.
„Zu Hause war kein Platz mehr für meine Anlage“, so Manfred Wieske, für Wagen- und Lokreparatur zuständig. „Mein Thema ist der Westen der USA, den ich mir auch schon vor Ort angesehen habe.“ – „Gehen wir in die obere Etage“, so Hengst. „Dort ist der Anfang jedes Modelleisenbahners zu sehen. Eine 2 x 1 Meter große Grundplatte aus DDR-Zeiten, komplett mit allem bestückt, als Klappvariante.“ Bekannte Silhouetten vom Radebeuler Elbtal, detailgetreue Darstellungen, handgefertigte Bäume und Sträucher, alles wirkt so natürlich.
Aktuell bereitet sich der Verein auf die diesjährige Modellbauausstellung ab 14. November mit dem Thema „Triebwagenverkehr“ vor. Dort wird auch der „Gras-Master“ bei der Arbeit gezeigt, und es werden Tipps und Anregungen gegeben. Zum Service an diesen Tagen gehört auch das Angebot, defekte Loks der Nenngröße H0 und historische Bahnen auf Vordermann zu bringen, soweit das möglich ist.
Infokasten
Nächste und letzte Ausstellung 2026:
Modelleisenbahnclub Elbflorenz Dresden e.V.
Emerich-Ambros-Ufer 52
01157 Dresden
www.mec-elbflorenz.de
Sa/So, 14. und 15. November
Mi, 18. November (Buß- und Bettag)
Sa/So, 21. und 22. November
Öffnungszeiten: 10 bis 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 5 Euro, Kinder 2 Euro