Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Foyers des Schauspielhauses bekommen jetzt frischen Schliff

Foyers des Schauspielhauses bekommen jetzt frischen Schliff
Sie haben sichtbar Spaß an der Arbeit im Schauspielhaus: Projektleiterin Beatrix Nau vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement stimmt sich hier mit Conrad Mauermann (l.) und Sylvio Finsterbusch von der Dresdner Stuckateurfirma Weiße Kunst über die nächsten Schritte ab. Fotos (2): Peter Hilbert
Von: Meißen News
Seit Juli werden die früheren Wandelgänge nach historischem Vorbild restauriert. Wie alte Gewölbe mit Stuckelementen verziert und Brandschutzanlagen auf den neuesten Stand gebracht werden sollen.

Ein Bericht von Peter Hilbert

Weiße Kunst ist das Metier des Dresdner Stuckateurmeisters Toni Herrmann. Im Schauspielhaus haben seine Leute jetzt ein weites Betätigungsfeld. Seit Anfang Juli werden die Foyers auf vier Ebenen saniert und nach historischem Vorbild restauriert. „Das ist ein besonderes Bauwerk, an dem wir arbeiten“, sagt Vorarbeiter Sylvio Finsterbusch von der Firma Weiße Kunst. „Im vergangenen Sommer haben wir auch die Decke im Großen Ballsaal des Residenzschlosses gemacht“, verweist der 47-jährige Stuckateur auf einen weiteren außergewöhnlichen Auftrag. Nun steht der Dresdner Fachmann mit zwei Leuten auf dem Gerüst im Foyer des ersten Rangs und bereitet die Decke mit ihrem Tonnengewölbe zur Sanierung vor.  

Hergestellt werden kleinere und größere Löcher, die in der Fachsprache Fädelöffnungen heißen, da dadurch Elektroleitungen eingefädelt werden. Die Löcher müssen in der verputzten historischen Rabitzdecke aus Stahlgeflecht und Gips hergestellt werden. „Zuerst haben wird Erkundungsbohrungen in der alten Rabitzdecke des Foyers durchgeführt“, erklärt der Stuckateur. Denn so konnte festgestellt werden, ob darunter Stahlträger oder andere Bauteile liegen. Jetzt sind an der Decke schon zahlreiche Fädelöffnungen hergestellt, Mina Adam bereitet gerade eine weitere vor.

Mehr aus dieser Kategorie

Die 19-jährige Dresdnerin absolviert derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege. Sie hat dabei schon in Görlitz gearbeitet und in einem Haus am Weißen Hirsch. Jetzt ist die junge Frau für einige Tage im Schauspielhaus eingesetzt, um die Stuckateure zu unterstützen. „Ich helfe hier aus, wo Hilfe gebraucht wird“, sagt sie schmunzelnd und greift wieder nach Bleistift und Plan, um die nächste Fädelöffnung an der Decke zu markieren. Die wird Vorarbeiter Finsterbusch dann mit der motorbetriebenen Säbelsäge herausschneiden.

Gearbeitet wird jedoch nicht nur im Foyer des ersten Rangs. Denn dieses und die anderen sind auf allen vier Ebenen des Schauspielhauses mittlerweile in die Jahre gekommen, erklärt Projektleiterin Beatrix Nau vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Es war als eines der ersten Stahlbetongebäude in Dresden erbaut und am 13. September 1913 eröffnet worden. 1945 zum Teil zerstört, bot das wiederaufgebaute Gebäude bereits 1948 als Großes Haus des Staatstheaters Dresden Schauspiel, Ballett, Staatskapelle und Oper eine Bühne. Seine heutige Gestalt erhielt das Schauspielhaus allerdings erst nach einer Komplettsanierung 1995. 

Mina Adam markiert mit ihrem Bleistift die Stellen, an denen die sogenannten Fädelöffnungen in der Gewölbedecke ausgesägt werden. Die 19-jährige Dresdnerin ist hier einige Tage im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahrs eingesetzt.

Nachdem der SIB dort den Salon aufwendig restauriert hat, kommen jetzt die Foyers an die Reihe, die früher als Wandelgänge bezeichnet wurden. Dabei erhalten die Wände frische Farbe. Darauf befinden sich derzeit bis zu sechs Lagen von alten Anstrichen aus den vergangenen Jahrzehnten, die jetzt abgeschliffen werden.

Bei den Arbeiten wird auch die Veranstaltungstechnik erneuert. Dazu zählen Lautsprecher, die Sicherheitsbeleuchtung und auch Sprachalarmierungssysteme für den Brandfall. In den Foyers werden auch Brandschutzmängel beseitigt und modernen Erfordernissen angepasst.

„Die Sanierung war sehr gut vorbereitet“, sagt SIB-Sachgebietsleiter Knut Börner. „So konnten wir im Sommer pünktlich mit den Arbeiten starten.“ Mit diesem Bauabschnitt wird die Sanierung im Schauspielhaus weitgehend abgeschlossen. Geplant ist, die Arbeiten mit dem Spielzeitbeginn Anfang September nächsten Jahres abzuschließen. Dafür will der Freistaat rund zwei Millionen Euro investieren. „Wir versuchen immer, lokale Firmen zu binden“, sagt Projektleiterin Nau. Noch dieses Jahr werden die letzten Aufträge vergeben.

In der Parkettebene ist bereits der rote Teppich entfernt worden. „Dort wird jetzt die Oberfläche abgeschliffen“, sagt die Projektleiterin. Versiegelt wird es mit besonders strapazierfähigem Lack. „Den wollte ich haben, da es der gleiche Lack wie im Zuschauerraum ist, den wir vor zehn Jahren saniert haben“, erläutert sie. Somit bekommt das Parkett eine einheitliche Oberfläche.

„Das besondere Foyer am ersten Rang erhält dabei seine historische Fassung wieder“, erläutert Sachgebietsleiter Börner. Dabei werden Stuckelemente nach dem historischen Vorbild wiederhergestellt. „Als Vorlagen dafür nutzen wir historische Fotos“, sagt er.  

In Größe und Gestaltung werden diese Stuckelemente derzeit von Fachleuten entwickelt, die darauf spezialisiert sind. Dazu zählen unter anderem der Dresdner Diplom-Restaurator Hans-Christoph Walther und der Stuckateurmeister André Glauche aus Niederfrohna bei Chemnitz. Der Auftrag für die Herstellung müsse noch öffentlich ausgeschrieben werden.

Ausgebaut werden die Garderoben auf den Ebenen und in der Eingangsebene konzentriert, erklärt Projektleiterin Nau ein weiteres Vorhaben. Ausnahme ist der zweite Rang, wo eine kleine Garderobe bleibt und der Gastronomie-Tresen erneuert wird. Diese Ebene bekommt auch einen neuen Teppich. Decken und Wände werden nach historischem Vorbild restauriert. Freigelegt wurde dort ein Stück Terrazzo-Fußboden aus der Bauzeit bis 1913. „Den möchten wir gern erhalten“, sagt sie. Mit dem Dresdner Architekturbüro Alexander Pötzsch wird derzeit untersucht, ob das möglich ist.

Trotz der umfangreichen Arbeiten wird der Spielbetrieb im vollen Umfang aufrechterhalten, hatte Schauspielhaus-Sprecherin Franziska Blech bereits angekündigt. Für das Publikum gebe es sogar einen Vorteil: Die Zuschauerinnen und Zuschauer können die Sanierungsarbeiten in den Foyers mit verfolgen und sich ein Bild davon machen, was einheimische Handwerker und Restauratoren dort leisten. 

Meißen News
Artikel von

Meißen News

Meißen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media