Einst verfluchte er die Rüttelpiste: Warum ein Ex-Dresdner jetzt Millionen bringt
Dresden. Als Thomas Kralinski (SPD) Anfang der 2000er-Jahre in der Dresdner Neustadt wohnte, ärgerte er sich über die Königsbrücker Straße. „Da wird man ja de facto vom Fahrrad runtergeholt, wenn man übers Kopfsteinpflaster fährt", erinnert sich der 53-Jährige. Zwanzig Jahre später kam er zurück und dachte, die Straße sei längst hergerichtet - war sie nicht. An diesem Dienstag aber übergab Kralinski, heute Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium, in Dresden gleich mehrere Förderbescheide. Auch für ebenjene Königsbrücker Straße.
Mehr sichere Radplätze an zwei Bahnhöfen
Am Haltepunkt Dobritz übergab Kralinski der Zweiten Bürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) die Bescheide für zwei sichere Radabstellanlagen. Am S-Bahnhof Dobritz wird das bestehende Angebot um 24 abschließbare Stellplätze als Doppelstockparker in einer Schließanlage sowie zwölf weitere überdachte Plätze erweitert; am Bahnhof Cossebaude kommen zu den vorhandenen Anlagen 24 abschließbare Fahrradstellplätze hinzu.
Beide Projekte laufen im Rahmen der Bike+Ride-Offensive der Deutschen Bahn, gefördert über die Kommunalrichtlinie. Den Löwenanteil trägt der Bund: 70 Prozent stammen aus der Nationalen Klimaschutzinitiative, die restlichen 30 Prozent teilen sich Stadt und Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) zu je 15 Prozent.
Der Förderbescheid liegt laut Kralinski für Dobritz bei 88.000 Euro, für Cossebaude bei 72.000 Euro. Für ihn ist das mehr als Technik: „Klimaschutz hat nicht nur mit CO₂-Einsparen zu tun, sondern auch damit, dass man im Kleinen Projekte umsetzt, die am Ende das Leben der Menschen besser machen." Dresden sei dabei „schon sehr, sehr vorbildlich, auch weit über den Bundesdurchschnitt hinaus".
2,1 Millionen für die Radwege an der Königsbrücker Straße
Für ein deutlich größeres Vorhaben stellt der Bund 2,1 Millionen Euro zur Verfügung: für die Radverkehrsanlagen der Königsbrücker Straße zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee. Dort sollen endlich durchgehende, beidseitige Radspuren von zwei Metern Breite entstehen. Für den übrigen Umbau der Magistrale - Gleise, Straßenbahn, Fahrbahn - hoffen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) auf weitere Fördermittel für ihren Anteil.
Dass der Radweg separat gefördert wird, hat einen Grund: Bei jeder Planung prüfe die Stadt die Wirtschaftlichkeit und weise Radanlagen dort eigens aus, wo Verkehrssicherheit und Radverkehrsmenge es rechtfertigten, hieß es beim Termin. An der Königsbrücker sei das der Fall. Eine frühere, vierspurige Planung ohne Radanlagen war vor Jahren im Planfeststellungsverfahren gescheitert; die heutige Lösung geht auf einen breit getragenen Grundsatzbeschluss des Stadtrats von 2016 zurück. Der Baubeginn ist für September vorgesehen, abschnittsweise.
Jähnigen, in Dresden für Umwelt und Kommunalwirtschaft zuständig, hat das Projekt lange begleitet: „Ich habe darum gekämpft, dass der Radverkehr auf die Straße kommt - das werden wir jetzt mit dem Baubeginn realisieren." Den Nutzen sieht sie nicht nur im Klima: „Ich weiß gar nicht, ob es immer der Klimaschutzgedanke ist - es ist einfach diese gute Art von Mobilität." Kralinski betonte, wichtig sei ein zusammenhängendes Netz: „Nicht mal hier 50 Meter Radweg und da 50 Meter, sondern entlang der Hauptachsen möglichst durchgehende Verbindungen."
Über 50 Projekte in 18 Jahren
Die Kommunalrichtlinie gibt es seit 2008; Dresden hat in dieser Zeit mehr als 50 Projekte umgesetzt - von Bike+Ride-Anlagen bis zur Solarthermie-Anlage in Räcknitz, die Sonnenwärme in die Fernwärme einspeist. Gerade in Zeiten knapper Kassen werde die Förderung wichtiger, so Kralinski; künftig sollten finanzschwache Kommunen einen höheren Fördersatz erhalten.
Die neue Radspur wird er selbst wohl nicht mehr nutzen - er wohnt längst nicht mehr in Dresden. „Aber ich finde es total toll, dass es jetzt endlich auf den Weg kommt", sagte Kralinski. „Ein kleiner Meilenstein."