Dresden. Es begann mit einem leeren Schaufenster an der Bautzner Straße, an dem der Chef der Dresdner Whisky Manufaktur abends öfter vorbeifuhr. Irgendwann hielt er an, schaute hinüber und notierte die Telefonnummer an der Scheibe. Ein Anruf beim Eigentümer, 24 Stunden später war der Vertrag unterschrieben. So kam die Manufaktur, nach eigenen Angaben Deutschlands größte Whisky-Brennerei, an ihren neuen Verkaufsraum in der Neustadt. Er liegt direkt neben Pfunds Molkerei, dort, wo bis vor Kurzem ein Ostprodukte-Laden war. Bisher sitzt der Betrieb im Alberthafen, wo die Laufkundschaft fehlt. Firmengründer Frank Leichsenring will das ändern.
Ein Laden für mehr als Whisky
Der neue Standort soll nicht nur Whisky verkaufen. Leichsenring will perspektivisch weitere sächsische Genussprodukte ins Sortiment holen. Mit an Bord ist Karsten Lehmann von der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei. Beide Betriebe arbeiten schon länger zusammen und haben gemeinsam einen Whisky-Kaffee entwickelt: gerösteten Kaffee, der im leeren Sherry-Whisky-Fass das Aroma aus dem Holz zieht. Im Laden ist außerdem ein kleiner Siebträger geplant, damit Besucher der Stadtrundfahrt in den wenigen Minuten vor Ort auch etwas probieren können. Konkrete weitere Partner nennt die Manufaktur noch nicht, nennt aber "hohe Qualität" als Bedingung. "Das könnten zum Beispiel Herrnhuter Sterne sein", sagt Leichsenring.
Der Preis fällt deutlich
Der eigentliche Paukenschlag ist der Preis. Bisher kostete eine Flasche der Standardsorten 42 Euro und mehr. Künftig sollen die vier Standardprodukte - Sherry, Port, Rauch und der Standard-Whisky - zwischen rund 25 und 29,90 Euro im Handel liegen. Der Grund: Jahrelang verkaufte die Manufaktur einen in Schottland in Auftrag gegebenen Whisky, hergestellt nach Dresdner Geschmacksvorgaben bei der Brennerei GlenAllachie. Dieser teuer eingekaufte Vorrat ist aufgebraucht.
Jetzt geht der komplett in Dresden gebrannte Whisky in den Verkauf, und weil die eigenen Produktionskosten niedriger liegen, kann der Preis sinken. Leichsenring weiß, dass er gegen die gesamte schottische Single-Malt-Riege antritt: „Warum soll ich einen unbekannten deutschen Whisky für 42 Euro kaufen, wenn ich den schottischen zum Teil schon für 32 Euro kriege?" Genau diese Frage habe ihn zum Umdenken gebracht. „Wir haben zu wenig verkauft, nicht weil wir schlecht sind, sondern weil wir zu teuer waren."