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Dresdner Whisky Manufaktur eröffnet in der Neustadt - und senkt die Preise

Frank Leichsenring (links) und Karsten Lehmann sitzen vor dem neuen Laden auf einem Fenstersims neben der Roboterfigur Marvin. Die weiße Roboterfigur dient als inoffizielles Maskottchen für den Whisky „Hellinger 42“.
Neustart in der Neustadt: Whisky-Experte Frank Leichsenring (l.) und Kaffeeröster Karsten Lehmann vor dem neuen Laden der Dresdner Whisky Manufaktur neben Pfunds Molkerei. Mit der Roboterfigur Marvin wollen sie Kundschaft an die Bautzner Straße locken. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Ein leerstehender Laden, ein Anruf, 24 Stunden später der unterschriebene Vertrag: So kam die Dresdner Whisky Manufaktur an ihren neuen Standort in der Neustadt. Zur Eröffnung fällt der Preis für die Standardsorten von 42 auf unter 30 Euro.

Dresden. Es begann mit einem leeren Schaufenster an der Bautzner Straße, an dem der Chef der Dresdner Whisky Manufaktur abends öfter vorbeifuhr. Irgendwann hielt er an, schaute hinüber und notierte die Telefonnummer an der Scheibe. Ein Anruf beim Eigentümer, 24 Stunden später war der Vertrag unterschrieben. So kam die Manufaktur, nach eigenen Angaben Deutschlands größte Whisky-Brennerei, an ihren neuen Verkaufsraum in der Neustadt. Er liegt direkt neben Pfunds Molkerei, dort, wo bis vor Kurzem ein Ostprodukte-Laden war. Bisher sitzt der Betrieb im Alberthafen, wo die Laufkundschaft fehlt. Firmengründer Frank Leichsenring will das ändern.

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Warum der Standort in der Neustadt?

Hinter dem Umzug steckt eine klare Rechnung. An der Bautzner Straße rollen täglich die Busse der Stadtrundfahrt vorbei. „Wenn die Stadtrundfahrt nicht zu mir in den Hafen kommt, dann komme ich halt zur Stadtrundfahrt", sagt Leichsenring. Im Laden soll ein großer Monitor rund um die Uhr die Whisky-Herstellung zeigen; Kundinnen und Kunden können sich erklären lassen, was die Manufaktur macht. Ab und zu will Leichsenring auch selbst hinter dem Verkaufstresen stehen - aus Spaß am Gespräch mit den Besuchern.

Ein Laden für mehr als Whisky

Der neue Standort soll nicht nur Whisky verkaufen. Leichsenring will perspektivisch weitere sächsische Genussprodukte ins Sortiment holen. Mit an Bord ist Karsten Lehmann von der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei. Beide Betriebe arbeiten schon länger zusammen und haben gemeinsam einen Whisky-Kaffee entwickelt: gerösteten Kaffee, der im leeren Sherry-Whisky-Fass das Aroma aus dem Holz zieht. Im Laden ist außerdem ein kleiner Siebträger geplant, damit Besucher der Stadtrundfahrt in den wenigen Minuten vor Ort auch etwas probieren können. Konkrete weitere Partner nennt die Manufaktur noch nicht, nennt aber "hohe Qualität" als Bedingung. "Das könnten zum Beispiel Herrnhuter Sterne sein", sagt Leichsenring.

Der Preis fällt deutlich

Der eigentliche Paukenschlag ist der Preis. Bisher kostete eine Flasche der Standardsorten 42 Euro und mehr. Künftig sollen die vier Standardprodukte - Sherry, Port, Rauch und der Standard-Whisky - zwischen rund 25 und 29,90 Euro im Handel liegen. Der Grund: Jahrelang verkaufte die Manufaktur einen in Schottland in Auftrag gegebenen Whisky, hergestellt nach Dresdner Geschmacksvorgaben bei der Brennerei GlenAllachie. Dieser teuer eingekaufte Vorrat ist aufgebraucht.

Gut gefüllte graue Holzregale im neuen Verkaufsraum der Dresdner Whisky Manufaktur. Zu sehen sind Flaschen des Whiskys Hellinger 42, Geschenksets, Gläser sowie ein schwarzer Schirm mit dem Markenlogo oben links.
Günstigerer Whisky aus Dresden: Im neuen Verkaufsraum an der Bautzner Straße bietet die Manufaktur ihre Standard-Whiskys künftig günstiger an. Der Grund: Der komplette Whisky wird nun kostengünstiger in Dresden gebrannt. Foto: CdH

Jetzt geht der komplett in Dresden gebrannte Whisky in den Verkauf, und weil die eigenen Produktionskosten niedriger liegen, kann der Preis sinken. Leichsenring weiß, dass er gegen die gesamte schottische Single-Malt-Riege antritt: „Warum soll ich einen unbekannten deutschen Whisky für 42 Euro kaufen, wenn ich den schottischen zum Teil schon für 32 Euro kriege?" Genau diese Frage habe ihn zum Umdenken gebracht. „Wir haben zu wenig verkauft, nicht weil wir schlecht sind, sondern weil wir zu teuer waren."

Dresdner Whisky in drei statt zehn Jahren

Geschmacklich, sagen die Macher, sei der Übergang für die Kundschaft kaum spürbar, weil schon der schottische Auftragsbrand nach Dresdner Vorgaben produziert worden sei. Ein Grund, warum der eigene Whisky schneller reift: das Dresdner Klima. Während schottische Lagerhäuser gleichmäßig kühl sind, schwankt die Temperatur in Dresden stärker, das Holz der Fässer arbeitet mehr und gibt Aroma und Farbe rascher ab. So erreiche der Dresdner Whisky in etwa drei Jahren, wofür schottischer acht bis zehn brauche. Rund 3.200 Fässer lagern nach Angaben der Manufaktur derzeit ein, in etwa 30 verschiedenen Fasstypen vom Weißwein- bis zum Rumfass.

Marvin, 42 und die Antwort auf alles

Der Markenname der Manufaktur trägt die Anspielung schon im Titel: Ihr Whisky heißt „Hellinger 42". Die 42 ist eine Verbeugung vor Douglas Adams' Roman „Per Anhalter durch die Galaxis", in dem ein Supercomputer die Zahl als „Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" ausspuckt. Passend dazu steht vor dem neuen Laden bereits eine Figur von Marvin, dem trübsinnigen Roboter aus derselben Geschichte. Besucher sollen von ihm angelockt werden, sie sollen sich auch mit ihm fotografieren lassen können.

Erst Soft Opening, dann der scharfe Start

Losgehen soll es auf der Bautzner Straße nun schrittweise. In der kommenden Woche plant die Manufaktur ein Soft Opening, um den Betrieb einzuspielen: Kasse, Abläufe, Andrang. „Wenn ich am Montag aufmache und hier ist die Hütte voll, dürfen wir nicht eingefroren sein", sagt Leichsenring. Der offizielle, scharfe Start folgt dann am 31. August. Bei den Öffnungszeiten will sich die Manufaktur zunächst an ihrem prominenten Nachbarn orientieren: Pfunds Molkerei hat Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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