Alte Sprungtürme, Roboter und Algenfrust: Wie steht es um Dresdens Bäder?
Dresden. Viele Fahrräder, sechs Bäder und ein ganzer Vormittag: In dieser Woche lud die Dresdner Bäder GmbH zu einer etwas anderen Pressetour. Gemeinsam mit Sportbürgermeister Jan Donhauser sowie Mitgliedern des Sportausschusses und des Aufsichtsrats radelte die Gruppe von Weixdorf aus quer durch die Dresdner Heide bis zum Schwimmsportkomplex am Freiberger Platz.
Auf dem Papier standen sechs Etappen und 24,1 Kilometer. Am Ende wurden es fünf Bäder - das Georg-Arnhold-Bad, eigentlich als 100-jähriges „Geburtstagskind" der Tour gedacht, ließ man aus, weil es dort Ende Mai schon einen eigenen Jubiläumstermin gegeben hatte. Durch den Tag führten Geschäftsführerin Annette Scheibe-Zokov und Betriebsleiter Marco Weiher. Und wer ihnen zuhörte, erfuhr nebenbei einiges darüber, wo es in Dresdens Bädern hakt.
Weixdorf: Idylle mit einem Haken
Los ging es an der Badestelle Weixdorf, und schon hier zeigte sich, wie weit die Spannweite in Dresdens Bäderwelt reicht. Das Areal ist rund 120 Jahre alt, war früher als Prinz-Hermann-Bad eine Kureinrichtung und steht in Teilen unter Denkmalschutz. Die große Wasserfläche, an der man heute badet, war ursprünglich Teil eines Stausees; der Damm schützt den Ort bis heute vor Hochwasser. Bewacht wird hier nichts, Eintritt kostet es auch nicht - das einstige Waldbad Weixdorf ist eine von zwei offenen Badestellen in Dresden, die die Bäder GmbH lediglich pflegt.
Der Haken liegt unter der Wasseroberfläche. Bis zum vergangenen Jahr sorgte ein Fischbesatz dafür, dass die Algen im Zaum gehalten werden konnten. Damit ist es aber vorbei: Das Umweltamt hat neuen Besatz untersagt - aus Tierschutzgründen. Dahinter steckt PFAS. Die Chemikalien reichern sich in den Fischen an, die man früher einmal im Jahr abfischte und über den Anglerverband verkaufte - und genau das soll nicht mehr passieren. Baden dagegen ist weiter erlaubt; ein Verbot hält niemand für nötig, weil beim Schwimmen kaum jemand literweise Wasser schluckt. Ohne die Fische aber wuchert das Kraut, und zum Abkeschern steht pro Tag nur ein Mitarbeiter bereit. Immerhin: Verglichen mit dem Ziegeleiteich jenseits des Flughafens sei die Weixdorfer Badestelle weniger belastet, sagt Weiher.
Bei aller Sorge ums Wasser - der Ort lebt. Rund 350 „Siedler" haben hier ihre Bungalows, das kleine Glockenhäuschen wurde frisch saniert und jüngst mit einer Glockenweihe wieder in Betrieb genommen. Nun kündigt die Glocke täglich mit 15 Minuten Vorlauf das Ende des Badebetriebs an. Am kommenden Wochenende (8. August) steigt zudem das traditionsreiche Badewannenrennen, das längst über Dresden hinaus bekannt ist und zu dem eiges der MDR anrückt.
Langebrück: vom Planschbecken zum Wasserspielplatz
Weiter ging es nach Langebrück, wo man vor einigen Jahren umdenken musste. Die alten Planschbecken durften nicht bleiben - das Gesundheitsamt zog die Genehmigung zurück. Statt aufzugeben, baute man vor gut acht Jahren einen Wasserspielplatz, über den anfangs mancher die Nase rümpfte und der heute bestens angenommen wird.
Sein Wasser bezieht das Bad aus dem Forellenbach, der im Hochsommer allerdings trockenfällt; dann hilft ein Grundwasserbrunnen aus. Solche Brunnen sind mehr als Beiwerk: Gleich drei davon sind bei der Stadt als Notwasserbrunnen registriert und könnten, wenn es hart auf hart kommt, die Bevölkerung mitversorgen.
Ins Waldbad Langebrück kamen im vergangenen Jahr rund 19.000 Gäste; eröffnet wurde das Bad schon 1912.
Klotzsche: das Bad, das der Wald zurückholt
Die dritte Station gibt es streng genommen gar nicht mehr. Das frühere königliche Augustbad in Klotzsche hatte einst prominente Badegäste - der junge Erich Kästner verbrachte hier Kindheitstage. Gespeist wurde es vom kalten Priesnitzwasser, und klar war das Becken nie: Wer die Hand hineinhielt, sah sie kaum noch. Weiher erinnert sich an ein Fahrrad, das lange unbemerkt am Grund der Sprunggrube lag. Nicht zuletzt weil eine ordentliche Wasseraufbereitung fehlte, wurde 2006 die endgültige Aufgabe des Bades beschlossen. Von 2007 bis 2023 zog ein Kletterwald auf das Gelände, seither holt sich die Natur zurück, was ihr gehört.
Klotzsche steht damit für eine ganze Reihe verschwundener Dresdner Freibäder - auch das einst beliebte Bad in Bühlau an der Grundstraße existiert längst nicht mehr. Ganz so schlecht, hieß es auf der Tour, stehe Dresden im Städtevergleich trotzdem nicht da; zudem gebe es weiterhin die Hoffnung auf eine neue Schwimmhalle für Klotzsche.
Nordbad: das älteste Hallenbad - und der Charme des fehlenden Parkplatzes
Das Nordbad, 1895 eröffnet und damals schlicht für die Körperhygiene gedacht, gilt als ältestes Hallenbad der Stadt. Heute ist es ein Stadtteilbad mit Hubboden, dessen absenkbarer Beckenboden vom Kinderschwimmen bis zur Reha vieles möglich macht. 51.000 Besucher zählte man 2025, und der größere Teil kommt nicht zum Bahnenziehen, sondern wegen der Physiotherapie; dazu viele Senioren und Kinderschwimmgruppen.
Kurios wird es beim Parken - oder besser: beim Nicht-Parken. Das Nordbad hat keinen einzigen Stellplatz, und anders als man erwarten würde, beschwert sich darüber offenbar niemand. Woran das liegt, brachte ein Teilnehmer der Tour auf den Punkt: Vielleicht fehle der Parkplatz gerade deshalb so geräuschlos, weil es hier nie einen gegeben habe. Für ein Hallenbad mitten in der Stadt ist das eine bemerkenswerte Gelassenheit.
Interessant ist auch, wie das Haus über das Jahr atmet. In der Sommerpause halten es gerade einmal zwei Mitarbeiter im Schichtbetrieb am Laufen; im normalen Betrieb sind elf im Einsatz. Die übrigen neun sitzen im Sommer keineswegs untätig herum, sondern arbeiten dort, wo bei Hitze der Andrang herrscht - in den Freibädern. Und noch eine Eigenheit hält das Nordbad bereit: Ein reines Saunaticket bekommt man nicht. Wer schwitzen möchte, löst ein Kombiticket mit Badnutzung - aus steuerlichen Gründen.
Ziel Freiberger Platz: Hightech, ein Roboter und lauter kaputte Sprungbretter
Vom Nordbad rollte die Gruppe ohne weiteren Halt zum Ziel. Am Schwimmsportkomplex Freiberger Platz, dem meistbesuchten und zugleich teuersten Bad der Stadt, ging es hinunter in den Keller - und dort wird der Abstand zur Weixdorfer Idylle mit einem Schlag greifbar. Alles misst und regelt sich hier automatisch, das Wasser läuft durch Mehrschichtfilter, und weil der hauseigene Brunnen zu schwach ist, wird sogar das Rückspülwasser aufbereitet und wiederverwendet. Auf den Dächern liegen PV-Anlagen, durch die Hallen rollt versuchsweise ein Reinigungsroboter namens „Marvin" - und trotzdem kostet allein die Firma, die die Verkehrsflächen sauber hält, 25.000 Euro im Monat.
Das eigentliche Thema hier ist aber der Sport, und es hat auch mit dem Wasserspringen zu tun. Ein einzelnes Sprungbrett kostet zwischen 7.000 und 8.000 Euro, und normalerweise gibt im Schnitt eines pro Jahr den Geist auf - doch in diesem Jahr waren es allein sieben. Schwerer wiegt eine andere Frage: Der Bundesstützpunkt Wasserspringen steht auf dem Prüfstand. Bundesweit werden die Stützpunkte gerade überprüft, in Sachsen und dessen unmittelbarer Nachbarschaft gibt es derzeit drei - Dresden, Leipzig, Halle -, und einer davon gilt als zu viel.
Bis zum Jahresende soll dazu eine Entscheidung fallen. Die Halle ist ohnehin nur noch bedingt wettkampftauglich, der Sprungturm muss statisch geprüft und saniert werden, und im Hintergrund geht es längst um die Idee einer zweiten oder rundum modernisierten Halle - und einen deutlich höheren Turm, um in Zukunft auch für das populärer werdende High Diving gewappnet zu sein.