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105.000 Bäume, zehn Kontrolleure: Wie Dresden über seine Stadtbäume wacht

Nahaufnahme des Stamms einer mächtigen Platane im Sonnenlicht. In der Rinde des alten Baums zeigt sich eine große, dunkle Höhlung. Im Hintergrund verlaufen eine asphaltierte Straße und Grünanlagen.
Rettung statt Fällung: Die 150 Jahre alte Platane am Dresdner Rathaus hat eine große Stamm-Höhlung. Durch regelmäßige Kontrollen und Seilsicherungen bleibt der historische Baum für Passanten sicher und muss nicht gefällt werden. Foto: CdH
Von: Dresden News
Ein toter Ast, eine Höhle im Stamm, ein Schaden an der Wurzel: Was Passanten übersehen, entscheidet für Dresdens Baumkontrolleure über Leben und Fällung eines Baumes. Ein Blick auf eine Arbeit, bei der weniger Schnitt oft mehr ist.

Dresden. Ein abgestorbener Ast, eine Höhlung im Stamm oder Schäden an den Wurzeln: Was Passanten meist entgeht, ist für Dresdens Baumkontrolleure entscheidend. Sie prüfen regelmäßig, ob Bäume noch standsicher sind und ob Äste zur Gefahr werden. Dabei steht am Ende längst nicht immer die Fällung. Oft reichen gezielte Pflege oder Sicherungen, damit ein Baum lange erhalten bleibt.

„Die oberste Regel ist, an einem Baum so wenig wie möglich zu schneiden", erklärt Kristina Klabes, Baumkontrolleurin beim Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Denn jede Schnittstelle ist auch eine Eintrittspforte für Pilze. Bei jeder Kontrolle wird deshalb abgewogen, welcher Eingriff wirklich nötig ist.

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Zehn Kontrolleure für einen ganzen Stadtwald

Im Baumkataster der Stadt sind derzeit rund 105.000 Bäume erfasst - an Straßen, in Grünanlagen, auf Spielplätzen und Schulgrundstücken. Zehn Baumkontrolleure sind dafür zuständig. Wie oft ein Baum drankommt, hängt vom Standort ab: Bäume an Hauptverkehrsstraßen, auf Spielplätzen oder an stark genutzten Schulen haben Vorrang. Grundsätzlich wird jeder städtische Baum jährlich kontrolliert, nach Stürmen kommen zusätzliche Runden hinzu.

Eine Kontrolle ist dabei mehr als ein Blick in die Krone. Die Fachleute betrachten den Baum von unten nach oben: Umfeld, Wurzelbereich, Stamm, Krone und dokumentieren Auffälligkeiten digital. In einer mobilen Anwendung sehen sie frühere Kontrollen, festgestellte Schäden und geplante Maßnahmen ein.

Trockenheit setzt den Bäumen zu

Hitze und Trockenheit hinterlassen Spuren. Der Stadtstandort ist für Bäume ohnehin hart: wenig Wurzelraum, versiegelte Flächen, knappe Wasser- und Nährstoffversorgung, dazu Streusalz. Ein einzelnes trockenes Jahr steckt ein gesunder Baum meist weg. Zum Problem wird die wiederkehrende Belastung, die Bäume verlieren an Vitalität, ganze Kronenteile können absterben. Besonders ältere Exemplare leiden: Sie sind unter anderen klimatischen Bedingungen groß geworden und passen sich langsamer an.

Der steigende Pflegebedarf hat aber auch schlicht mit dem Alter zu tun. Wie bei Menschen häufen sich mit den Jahren die „Gebrechen"; Totholz gehört zum natürlichen Alterungsprozess und ist nicht allein eine Folge des Klimawandels. Im Schnitt müssen jährlich fünf bis zehn Prozent des Bestandes bearbeitet werden. Bei über 100.000 Bäumen sind das rund 5.000 bis 10.000 Stück.

Wenn die Sichtkontrolle nicht reicht: Schalltomografie am Rathaus

Häufigste Maßnahme ist das Entfernen von Totholz, bei jüngeren Bäumen kommt eine Kronenpflege hinzu. Reicht der bloße Blick nicht aus, kommen Spezialverfahren zum Einsatz. Mit einer Schalltomografie lässt sich feststellen, wie weit eine Fäule im Stamm fortgeschritten ist; eine Bohrwiderstandsmessung gibt Aufschluss über die Stabilität des Holzes.

Ein prominentes Beispiel steht direkt vor dem Rathaus: eine rund 150 Jahre alte Platane mit einer größeren Höhlung und Schäden im Stamm. Sie wurde mehrfach per Schalltomografie untersucht. Mit dem Ergebnis, dass der Zerfall des Holzes vergleichsweise langsam voranschreitet. Mehrere Kronensicherungen halten einzelne Äste: Bricht ein gesicherter Ast, fangen ihn die Seile auf, statt dass er auf die Straße stürzt.

Die Gefahr, die man nicht sieht

Besonders heikel ist der Wurzelbereich, denn dort sind Schäden von außen kaum zu erkennen. Werden etwa bei Bauarbeiten Wurzeln verletzt, können Pilze eindringen und das Holz über Jahre zersetzen. Ein Baum kann dann äußerlich vital wirken und trotzdem an Standfestigkeit verlieren. Die Kontrolleure prüfen deshalb auch den Wurzelanlauf, etwa mit einem Sondierstab. Nach Stürmen ist dieser Blick besonders wichtig – eine grüne Krone allein sagt nichts über die Verankerung im Boden.

Platz und Wasser: Vorsorge für die nächste Baumgeneration

Damit Bäume künftig besser mit Hitze klarkommen, beginnt vieles schon bei der Planung. Sie brauchen Raum für die Wurzeln und eine gute Wasserversorgung. An Straßen ist beides knapp. Das Amt für Stadtgrün will bei neuen Standorten deshalb größere Wurzelräume schaffen und sie über unterirdische Wurzelgräben verbinden.

Wichtiger wird auch die Bewässerung junger Bäume: Rund 6.000 Jungbäume gehören zum Bewässerungsbestand der Stadt und werden je nach Wetter im Schnitt sechsmal pro Saison gewässert. Eine einzige Bewässerungsrunde für alle kostet 40.000 bis 50.000 Euro. Unterstützung kommt von der Initiative „Dresden gießt" und von Bürgern, die bei großer Trockenheit selbst zum Eimer greifen. Wie sich Dresdnerinnen und Dresdner für die Stadtbäume engagieren können, zeigt die Stadt hier.

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