Spionage, Widerstand und Kalter Krieg: 70 Jahre Stasi-Knast Bautzen II
Bautzen II als Ort politischer Haft
Vor 70 Jahren wurde Bautzen II zur Sonderhaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Der Ort steht bis heute für politische Verfolgung, Isolation und die Härte des DDR-Strafsystems. Am 12. September lädt die Gedenkstätte Bautzen um 18 Uhr zu einem Podiumsgespräch über Spionage, Widerstand und den Kalten Krieg ein. Der Eintritt ist frei.
Spione zwischen Bundesrepublik und DDR
Im Mittelpunkt des Abends stehen Sigurd Weber und Jens Leck, die in den 1960er- und 1970er-Jahren für den Bundesnachrichtendienst arbeiteten. 1978 wurden die Geschwister in der DDR verhaftet und wegen Spionage verurteilt. Sigurd Weber erhielt eine lebenslange Haftstrafe, Jens Leck wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Beide verbrachten ihre Haftzeit in Bautzen II.
Auf dem Podium berichten sie aus persönlicher Perspektive von ihrer Tätigkeit für den BND, von der Verhaftung und von den Bedingungen der Haft. Ebenso geht es um den späteren Agentenaustausch und die Frage, wie nach Jahren der Gefangenschaft ein Leben in Freiheit möglich wurde. Ihre Erinnerungen machen die politischen Fronten des Kalten Krieges ebenso greifbar wie die persönlichen Folgen einer Verurteilung.
Das Gefängnis im Sicherheitsapparat der DDR
Ergänzt werden die Zeitzeugenberichte durch die historische Einordnung von Dr. Ronny Heidenreich, einem Experten für Spionagegeschichte. Er erläutert die Entstehung von Bautzen II und seine besondere Funktion innerhalb des Sicherheitsapparats der DDR. Warum wurde ausgerechnet dieser Ort als Sonderhaftanstalt geschaffen? Welche Rolle spielte er für das Ministerium für Staatssicherheit? Und wer waren die Menschen, die hinter den Mauern verschwanden?
Geschichte aus persönlicher Perspektive
Moderiert wird das Gespräch von Silke Klewin, der Leiterin der Gedenkstätte Bautzen. Das Podium verbindet die große Geschichte des Kalten Krieges mit individuellen Schicksalen und fragt zugleich nach der Gegenwart: Was bedeutete Spionage im geteilten Deutschland? Wo verliefen die Grenzen zwischen Geheimdiensttätigkeit, Widerstand und politischer Verfolgung? Und welche Spuren hinterlässt politische Haft im Leben der Betroffenen?
Die Gedenkstätte Bautzen lädt zu einem Abend ein, der historische Einordnung und persönliche Erinnerung zusammenführt.