Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und Tesla ist sehr vorsichtig. Wer sich für eine Fahrt mit dem autonomen System FSD (Full Self Driving - supervised) anmelden möchte, der muss akzeptieren, dass er den Fahrer weder fotografieren noch mit ihm sprechen darf, solange seine Handy-Kamera läuft. Auch von außen darf ich das weinrote Model 3 nicht fotografieren. "Wir haben schon erlebt, dass wir von anderen Fahrzeugen verfolgt und gefilmt wurden", sagt Thomas, mein Fahrer. Er ist natürlich kein Fahrer, sondern sitz nur auf dem Fahrersitz. Ohne das Lenkrad zu berühren. Fahrer ist die KI.
Ein bisschen verrückt ist es schon, fast 200 Kilometer nach Berlin zu fahren und wieder 200 Kilometer zurück, nur um 30 Minuten autonomes Fahren zu erleben. Dabei ist das eigentlich gar kein so großes Erlebnis. Wir starten vom Hof des sehr nüchtern gehaltenen Tesla Centers in einem Gewerbegebiet in Berlin-Schönefeld. Der Tesla fährt los. 30 sind erlaubt, er pendelt sich bei 32 ein. An einer gleichberechtigten Kreuzung kommt ein Laster von rechts. Noch weit weg, aber ein sehr vorsichtiger Mensch hätte vielleicht sogar gebremst. Der Tesla nicht, er rollt souverän über die Kreuzung. Auch die Angst vor Fußgängern, die von US-Youtubern in der Vergangenheit oft thematisiert wurde, ist mit den neuen Softwareversionen augenscheinlich verschwunden. Der Tesla fährt an den Fußgängern ruhig vorbei. Im Zweifel lässt er ihnen den Vortritt, aber ohne übertriebene Vorsicht.