Wacker Chemie will künftig schneller wachsen
Wacker Chemie hat am Donnerstag in London auf seinem Kapitalmarkttag neue strategische Ziele vorgestellt und will künftig schneller wachsen als die Weltwirtschaft. Der Münchner Konzern kündigte zugleich eine EBITDA-Marge von 15 Prozent plus/minus 2 Prozentpunkten sowie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von über 10 Prozent an, wie das Unternehmen mitteilte.
Grundlage des Plans sei das Programm „REFOCUS“, mit dem Wacker sein Geschäft stärker auf attraktive Märkte, effiziente Strukturen und nachhaltiges Wachstum ausrichten wolle. CEO Christian Hartel sagte, mit REFOCUS solle das Potenzial des Unternehmens voll entfaltet werden. Der Fokus liege auf selektivem Wachstum in differenziert bewerteten Märkten sowie auf einer nachhaltig höheren Profitabilität. Wacker stütze sich dabei auf bereits angestoßene Struktur- und Effizienzmaßnahmen.
Über das Kosten- und Effizienzprogramm PACE solle der Konzern ab 2028 jährlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen. Zugleich reagiere das Unternehmen damit auf die veränderte geopolitische und wirtschaftliche Lage. Hartel erklärte weiter, REFOCUS sei ein ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung von Arbeitsweise, Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung. Er baue auf drei strategischen Prioritäten auf: Das Geschäftsmodell werde geschärft, Prozesse und Strukturen sollten optimiert werden, und Mitarbeitende würden stärker gefordert und gefördert.
Für das laufende 3. Quartal rechne Wacker aktuell mit einem EBITDA auf dem Niveau des 2. Quartals. Das Chemiegeschäft entwickle sich stabil und etwas besser als im Vorquartal, während das Solar-Polysilicium-Geschäft herausfordernd bleibe. Nach Angaben von CFO Tobias Ohler sollen die Investitionen in den kommenden Jahren zwischen 300 und 400 Millionen Euro pro Jahr liegen und damit unter den Abschreibungen bleiben. Wacker habe sämtliche Produktgruppen nach globalen Marktbedingungen, Marktposition und Nachfrage bewertet und kategorisiert.
Künftig wolle der Konzern Investitionen, Innovationen und Ressourcen gezielt auf Geschäfte mit besonders attraktiven strukturellen Wachstumsperspektiven lenken. Genannt wurden vor allem Anwendungen in den Bereichen Elektronik, Gesundheit und Mobilität. In etablierten Geschäftsbereichen solle der Schwerpunkt auf operativer Exzellenz, höherer Kapitalrendite und besserer Nutzung vorhandener Anlagen liegen.
Mit der geringeren Kapitalintensität strebe Wacker eine nachhaltige Steigerung des ROCE auf über 10 Prozent an, sagte Ohler. Der Bereich Silicones solle sich künftig noch stärker auf Lösungen für schnell wachsende Endmärkte konzentrieren. Dazu zählten Anwendungen für die Elektromobilität, etwa für die Sicherheit von Batterien oder den Schutz von Sensoren, sowie Wärmemanagement-Lösungen für Halbleiter und optische Vergussmassen für Mini- und Mikro-LEDs. Zudem wolle Wacker die Kundennähe in den Regionen ausbauen; neue Kapazitäten seien dafür unter anderem im tschechischen Karlsbad und im indischen Panagarh geschaffen worden.
Der Geschäftsbereich Polymers wolle seine Position als Weltmarktführer bei Dispersionen und Dispersionspulvern auf Vinylacetat-Ethylen-Basis festigen. Ziel sei es, mit der technologischen Stärke maßgeschneiderte Lösungen für Kunden in allen Regionen zu entwickeln. Im Bereich Biosolutions liege der Fokus weiter auf Biopharmazeutika sowie Medizin- und Gesundheitsprodukten und auf Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln aus erneuerbaren Rohstoffen. Wacker wolle die eigene Biotech-Infrastruktur besser auslasten und die kommerzielle Exzellenz stärken.
Auch der Bereich Polysilicon - wie im Werk Nünchritz hergestellt - bleibt für den Konzern zentral. Nahezu jeder zweite produzierte Computerchip basiere bereits auf hochreinem Polysilicium von Wacker, hieß es. Der Konzern wolle seine Marktführerschaft bei hochreinem Polysilicium für Halbleiteranwendungen ausbauen. Eine Rolle spiele dabei die neue Fertigungslinie am Standort Burghausen, die im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen sei.
Beim Thema Nachhaltigkeit bekräftigte Wacker das Ziel der Klimaneutralität bis spätestens 2045. 2025 habe der Konzern seine CO2-Emissionen gegenüber 2020 bereits um 43 Prozent gesenkt. Dazu trügen unter anderem erneuerbare Energien, höhere Energieeffizienz und „grünes Silicium“ bei, das auf Basis von biogenem Kohlenstoff erzeugt werde.