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Kein Umzug nach Klipphausen: Dresdner Mühle baut neue Silos

Kein Umzug nach Klipphausen: Dresdner Mühle baut neue Silos
Polier Ricco Kirchner weist seinen Baggerfahrer beim Einheben des neuen Kanalrohrs an der Dresdener Mühle ein. Dort muss ein neuer Kanal gebaut werden, da der über 150 Jahre alte dem geplanten Silobau auf dem Vorplatz im Wege wäre. Fotos: Peter Hilbert
Von: Meißen News
In Sachsens größte Getreidemühle werden jetzt Millionen für neue Silogebäude investiert. Warum deshalb eine Röhre von 1873 im Wege ist und ein neuer Kanal gebaut werden muss.

Langsam schwebt das eiförmige Rohr am Baggerarm über der tiefen Baugrube. Ein Stück nach rechts, signalisiert Polier Ricco Kirchner mit einem Fingerzeig dem Baggerfahrer. Jetzt ist der 3,5 Tonnen schwere Koloss in der richtigen Position und wird langsam in die sieben Meter tiefe Grube hinabgelassen, wo Vorarbeiter Maik Pirnke und Tiefbauer Bekir Güzel schon bereitstehen. Das ist mittlerweile Alltag für das fünfköpfige Team der Coswiger Tiefbaufirma Heinrich Lauber, das seit September vergangenen Jahres aus einem besonderen Grund am Rande des Geländes der Dresdener Mühle an der Bremer Straße einen neuen Abwasserkanal baut. 

Die Produkte von Sachsens größter Getreidemühle sind gefragt. Sie gehört zur familiengeführten Mühlengruppe Bindewald und Gutting, die neun Mühlen in ganz Deutschland besitzt. Weil immer mehr Mehlsorten gebraucht werden, für Croissants und Burger, für Pizzateig und Soßenbinder, geht dem Mühlenbetrieb am Alberthafen der Lagerplatz aus. Deshalb hat Firmenchef Michael Gutting bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass rund 40 Millionen Euro investiert werden.

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Der Bau des neuen Gebäudes für die Mehlsilos zwischen der Mühle und der Hafeneinfahrt geht jetzt bereits in die Höhe. 

Falls der Platz an der Dresdener Mühle nicht gereicht hätte, wäre ein Umzug ins Gewerbegebiet Klipphausen möglich gewesen. Doch der ist vom Tisch. Jetzt wird neben der Mühle unweit der Hafeneinfahrt bereits am Gebäude für Mehlsilos gebaut. Das Fundament steht. Jetzt ragen schon die ersten Bewehrungsstähle für den Hochbau nach oben. Ende Februar 2027 soll der Rohbau stehen, hatte Norman Krug, Geschäftsführer der Dresdener Mühle, angekündigt. Dann kommen Silos und Verladetechnik hinein.

Geplant ist ein weiteres Gebäude für 18 Getreidesilos auf dem Vorplatz der Mühle, auf dem jetzt noch etwa 60 Liefertransporter anrollen. Doch dort gibt es ein Problem.

„Auf rund 130 Metern Länge verläuft unter diesem Vorplatz der Dresdener Mühle ein Kanal von 1873, der Teile der Friedrichstadt entwässert“, erklärt Teamleiter Norman Wonka von der Stadtentwässerung Dresden. Damals habe es sich noch um ein unbebautes Grundstück gehandelt. Die Dresdener Mühle wurde erst 1913 errichtet. „Jetzt wäre unser Kanal dem Bau des Gebäudes mit den Getreidesilos im Wege“, stellt Wonka klar. Und das, obwohl er in einer Tiefe von 7,5 Metern unter dem Vorplatz verläuft. Denn die bis zu 35 Meter hohen Siloanlagen benötigen eine sehr tiefe Verankerung im Boden. Also wurde mit der Dresdener Mühle nach einer Lösung gesucht – und gefunden.

Gebaut wird ein neuer Kanal ebenfalls in einer Tiefe von über sieben Metern, der am Rande des Mühlengeländes parallel zur Bremer Straße verläuft und dem Silobau nicht im Wege ist. Damit können die Friedrichstädter Abwässer zum Altstädter Abfangkanal in Richtung Klärwerk Kaditz geleitet werden. „Die Dresdener Mühle investiert dafür rund eine Million Euro“, erklärt Teamleiter Wonka. „Wir als Stadtentwässerung haben die Planung übernommen und überwachen die Tiefbauarbeiten.“

Mittlerweile ist das neue Kanalrohr auf dem Grubenboden angekommen, wo Vorarbeiter Pirnke die Laser-Messscheibe hineinsetzt. „Damit können wir genau die Höhenlage und Richtung des Kanalrohrs ausrichten“, erläutert der 61-jährige Dresdner Fachmann. Indes hat sein 60-jähriger Kollege Bekir Güzel, ebenfalls ein Dresdner, zwischen der stählernen Verbauplatte, mit der die Grubenwand gesichert wird, und dem Rohr die Stockwinde angesetzt. Mit der wird das 2,5 Meter lange Rohr dann genau ausgerichtet.

„Für uns ist es schön, in unserer Heimatstadt arbeiten zu dürfen und auch etwas für sie tun zu können“, sagt der Vorarbeiter. Schließlich sind er und seine Kollegen oft in ganz Deutschland unterwegs. „So haben wir in München einen Hauptkanal neu abgedichtet, indem wir mit Pressen Kunststoffteile hineingeschoben haben“, berichtet er. Auch in Berlin oder in Schwerin haben sie gearbeitet, führt der Vorarbeiter weitere Beispiele an.

Täglich wird ein Grubenabschnitt ausgehoben, mit stählernen Verbauplatten gesichert, ein Kanalrohr eingebaut und die Grube dann wieder verfüllt, erläutert Polier Kirchner das Vorgehen. Der Kanal wird insgesamt 160 Meter lang. „Wir sind gut vorangekommen und schon fast am Ende“, sagt der 37-jährige Tiefbaufachmann, der in Höckendorf bei Dippoldiswalde wohnt. Mit seinen Leuten musste er nur eine kurze Winterpause von zwei Wochen einlegen. Für das Team komme es zudem besonders darauf an, mit den Baumaschinen dem ständig rollenden Lieferverkehr der Mühle nicht im Wege zu sein, sodass der Getreidenachschub gesichert ist. „Das haben wir bisher geschafft“, versichert der Polier.

Auch Projektleiter Erik Milde von der Stadtentwässerung ist zufrieden. „Wir liegen im Zeit- und im Kostenplan“, resümiert er. Gut sei zudem, dass die Bauleute trotz der Bautiefe von bis zu 7,5 Metern nicht auf Grundwasser gestoßen sind, dass man abpumpen müsste. Das sei wohl der Trockenheit und dem ausgebliebenen großen Frühjahrshochwasser zu verdanken. Ende kommenden Monats soll der neue Kanal in Betrieb gehen. Der alte, weit über 150 Jahre alte Kanal werde dann mit Flüssigbeton verfüllt. So werde es durch ihn bei den Tiefbauarbeiten fürs Fundament des neuen Silogebäudes auf dem Mühlenvorplatz keine Probleme geben.

Text: Peter Hilbert

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