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Großenhainer Tierschutzverein – 24/7 für die Notfellchen

Zwei Frauen mittleren Alters sitzen an einem kleinen Kaffeetisch
Ilona (rechts) und Jutta kennen sich gut. Foto: Ilona Brauner
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Der seit 2004 tätige Verein ist sehr engagiert, wenn es unter anderem um Tier wohl und/oder ‑leid rund um die Röderstadt und darüber hinausgeht. Dies ist mit ein Grund, warum der Verein seine Telefonnummer bis auf ganz wenige Ausnahmen immer besetzt hat. Die Vielzahl der eingehenden Anrufe macht einen regelmäßigen Austausch innerhalb des Vereins notwendig. Im Folgenden werden die letzten angenommenen Gespräche durch Ilona Brauner mit der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Jutta Wolff zusammengefasst.

Ein Gespräch von Ilona Brauner mit Jutta Wolff


Jutta: Hallo Ilona, wie war die Woche am Notfellchen-Telefon? War viel los? Gab es Schwerpunkte?

Ilona: Es ging eigentlich querbeet. Einige Meldungen zu mutmaßlicher, nicht artgerechter Haltung bis zu Funden von verletzten Wildtieren, wie Igel, Vögel und so weiter. Ich hab dann die jeweiligen Nummern weitergegeben, damit sich die richtigen Stellen und Behörden kümmern können. Außerdem gab es 2 Anfragen von sehr netten Leuten, die eine Katze adoptieren wollen.

Jutta: Oh, das ist schön, hoffentlich wird das was. Wie sieht’s aus mit Fundtieren, Streuner etc. War viel los in der Richtung?

Ilona: Der Jahreszeit entsprechend, würde ich sagen. Wir haben eine trächtige Streunerin in einer Pflegestelle unterbringen können. Außerdem wurden vier verwaiste Kitten (Anmerkung: junge Kätzchen) gefunden. Wir haben sie gesichert und untergebracht. Aber wir hatten auch diese Woche wieder zwei Anfragen, die mir wirklich Sorgen bereiten und mich auch emotional sehr beschäftigen…

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Jutta: Oha, was ist los, was Ernstes?

Ilona: Es riefen auch diese Woche zwei Mal ältere Leute an. Total verzweifelt, weil sie ihre Katze und eine ihren Hund unterbringen müssen. Die eine Frau aus Riesa muss ins Pflegeheim, bei der anderen ist der Partner verstorben und sie ist völlig überfordert mit dem Grundstück. Sie sucht wohl schon ewig nach einer Wohnung und findet nichts, wo sie den Hund mitnehmen kann. Die beiden Damen waren bitterlich am Weinen.

Jutta: Das ist echt hart, wenn man zum Schicksalsschlag auch noch sein geliebtes Tier abgeben muss. Konnte geholfen werden oder müssen wir noch was ankurbeln? Tierheim ist wohl keine Option gewesen?

Ilona: Das mit der Katze ist geklärt, der Hund ist noch offen, aber da ist noch Zeit bis Mitte Juni. Nun ja mit dem Tierheim ist so eine Sache, weißt‘ ja selber, die arbeiten auch am Limit, wenn sie nicht schon wieder überfüllt sind. Und ehrlich würde ich mir für mein Tier auch was Anderes vorstellen wollen, als das es seinen Lebensabend im Tierheim verbringen muss. Sind ja doch meist ältere Tiere. Angst macht mir einfach, dass genau diese Anrufe sich sehr häufen. Durch den demografischen Wandel habe ich die Befürchtung, dass da in den kommenden Jahren so einiges auf uns zukommt. Und dann wird es wirklich schwer alle Tiere so unterzubringen, wie sie es verdient hätten und von ihren kranken oder sogar verstorbenen Besitzern gewünscht. Diese Aussicht nimmt mich schon manchmal sehr mit.

Jutta: Ja, die Boomer machen sich so langsam auch bei unserer Arbeit bemerkbar. Die Jahrgänge 1946 bis 1964 sind ausgesprochen tierlieb. Ich habe gelesen: 41 Prozent würden sich wieder ein Haustier zu legen, wenn das jetzige versterben würde. Aber ab einem gewissen Alter ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken doch höher, da sollte man schon rechtzeitig Vorsorge treffen, was wird aus meinem Tier im schlimmsten Fall.


Eine Ältere Frau sitzt bequem zurückgelehnt, mit zwei Katzenbabys auf ihrem Bauch, und lächelt in die Kamera

Juttas Mutter heißt Erika. Die 78-Jährige möchte ihre
Leidenschaft für Katzen auch im Alter pflegen.

Foto: Jutta Wolff


Ilona: Schwierig! Herzinfarkt mit 55, Schlaganfall mit 62… Ist das schon das Alter in dem man Vorkehrungen treffen muss? Krankheiten kommen nicht automatisch mit 85. Unverhofft kommt oft.

Jutta: Das stimmt wohl. Dazu kommt noch, dass zum ersten Mal eine Generation altert, die, wie ich schon sagte, sehr viele Fellnasen besitzt. Erfahrungen in dieser Richtung gibt es keine, denn nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war das Thema „Haustier im Alter“ kein Thema. Gab es gar nicht, kam nicht vor. Auch durch Veränderungen in der Arbeitswelt wohnen Kinder und Verwandte nicht mehr automatisch um die Ecke oder im nächsten Dorf und könnten das Tier eventuell übernehmen. Wohnungen sind heute auch kleiner wie vor Jahren, so dass gar kein Platz für Omas Hund wäre. Ich glaube da könnte ganz schön was auf uns zukommen in den nächsten Jahren.

Ilona: Da bin ich mir sehr sicher. Es ist sehr schwierig die konkrete Problematik zu benennen, da es keine handfesten Zahlen gibt und auch niemand weiß, wann er gesundheitlich nicht mehr in der Lage sein wird, sich um sein Tier zu kümmern. Aber der Fakt ist, dass die Boomer eine zahlenmäßig große Gruppe ist, die im Worst Case einer mengenmäßig kleineren Generation Haustiere überlassen muss, die darauf gar nicht eingestellt ist.

Jutta: Verhindern kann man das nicht. Ich möchte auch nicht auf mein Tier verzichten nur weil ich alt bin. Aber Vorsorge und Aufklärung tun Not. Die Jüngeren sollten mit den Eltern und Verwandten sprechen, was mit dem Tier passieren soll, wenn es nicht mehr geht. Der Besitzer ist natürlich auch in der Pflicht über die eigenen Möglichkeiten hinauszudenken. Und natürlich unsere Politik mit dem Spar-Irrsinn in den sozialen Bereichen tut keinem einem Gefallen, wenn weiterhin Gelder gestrichen werden. Gelder, die in Tierheimen, Gnadenhöfen und entsprechenden Vereinen dringend benötigt werden.

Ilona: Ich denke wir könnten an unseren Infoständen und Schaukästen mehr auf das Thema eingehen und auch Beratung anbieten.

Jutta: Das ist eine gute Idee, da arbeiten wir was aus zu diesem Thema, damit Mensch und Tier solange zusammenbleiben können, wie es geht und dann auch würdevoll untergebracht werden. Denn wie sagt man so schön: Das letzte Kind hat Fell.


Dieser Beitrag erscheint zusammen mit einem Kommentar der Autorin: „Das letzte Kind hat Fell“.



Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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