Feralpi-Stahlwerk in Riesa geht stundenweise vom Netz
Unter dem Titel „Energiewende gestalten“ wurde auf einer Tagung in Berlin die Umsetzung der Energiewende in den Regionen diskutiert. Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Kerstin Andreae betonte, die Frage sei nicht mehr, ob die Transformation gelinge, sondern wie.
Auf dem Podium saßen Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft und Finanzwelt, darunter Uwe Reinecke, General Manager von Feralpi Stahl Riesa, teilte das Unternehmen mit. Dr. Saskia Ludwig (Wirtschafts- und Energieausschuss) nannte als industrielle Zielgröße einen Strompreis von 5 bis 6 Cent je Kilowattstunde (all in). Die Energiewende habe Strom in Deutschland jedoch stark verteuert. Trotz 50 bis 60 Gigawatt zusätzlicher Erneuerbarer in den vergangenen fünf Jahren deckten diese die abendlichen Lastspitzen kaum. Der Preis werde dann über Redispatch subventioniert, nicht marktwirtschaftlich. Für den Kohleausstieg seien neue Gaskraftwerke nötig. Batteriespeicher seien sinnvoll, kosteten aber für eine Terawattstunde Kapazität – rechnerisch rund 17 Stunden deutschen Strombedarfs – 140 bis 170 Milliarden Euro. Entscheidend sei die Wirtschaftlichkeit der Energiewende.
Reinecke knüpfte daran an: Die Industrie dürfe nicht nur betroffen sein, sie müsse Teil der Lösungen sein. In der Praxis zeige sich das Gegenteil. Seit vergangener Woche gehe das Elektrostahlwerk in Riesa stundenweise vom Netz, weil die Marktpreise keine wirtschaftliche Produktion mehr zuließen. Ein Drittel des Strompreises entfalle inzwischen auf Netzentgelte. Der ermäßigte Industriestrompreis decke aktuell nur 50 Prozent der förderfähigen Kosten. Ein von der EU-Kommission beschlossene Instrument (METSAF) könnte die Entlastung auf bis zu 70 Prozent anheben – ohne zusätzliche Dekarbonisierungsauflagen. Deutschland habe es bislang nicht umgesetzt.
Für Feralpi bleibe die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff zentral. Grauer Wasserstoff sei keine Option. Die Tagung habe gezeigt: Die ökologische Transformation gelinge nur, wenn Politik, Wirtschaft und Energieunternehmen gemeinsam handelten.
Weitere Diskutanten waren unter anderem Anne Rethmann (Thüga AG), Matthias Belitz (VCI), Nicole Silberhorn (UniCredit) und Robert Freudenberg (Veolia Environnement Lausitz).
Veranstalter der Tagung war das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e. V. (KOWID) mit Sitz an der Universität Leipzig. Es ist ein interdisziplinärer Verein aus Professuren und Instituten, der zu öffentlicher Wirtschaft, Infrastruktur, Kommunen und Daseinsvorsorge forscht und Tagungen organisiert – oft mit Politik, Stadtwerken, Industrie und Finanzierern. Geschäftsführender Vorstand ist Dr. Oliver Rottmann.