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Der Ikarus kehrt nach Meißen zurück – und nun?

Ein neuer Omnibus mit weißer Lakierung und schwarzen Türrahmen der Firma Ikarus steht in einer Halle
Traditionsmarke: Der elektrische Ikarus 120e. Foto: Ikarus
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Ein neuer Elektrobus rollt durch Meißen. Das ist eine gute Nachricht. Doch ein ehrlicher Blick auf den Stand der Dinge ist angebracht.

Ein Kommentar von Ostara Jasmin Hennig


Ikarus. Wer diesen Namen hört, denkt an dunkle Dieselwolken, schwankende Gelenkbusse und an Kindheitserinnerungen aus der DDR. Dass die ungarische Traditionsmarke nun elektrisch und flüsterleise durch Meißen fährt, hat etwas Versöhnliches: Vergangenheit und Zukunft müssen kein Widerspruch sein.

Die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) testet wieder einmal. Das ist grundsätzlich richtig und verdient Respekt. Denn ein Testbetrieb unter echten Bedingungen, mit echten Fahrgästen auf den Meißner Straßen, ist die richtige Form der Entscheidungsvorbereitung. Mit 422 Kilowattstunden Batteriekapazität und einer beachtlichen Reichweite ist der Ikarus 120e längst kein Prototyp mehr, sondern ein serienreifes Alltagsfahrzeug.

Die VGM hat den Worten bereits Taten folgen lassen. Seit April ergänzen sechs Elektro-Kleinbusse die regulären Flotten. Während vier Fahrzeuge des Herstellers Altas auf innerstädtischen Linien verkehren, sind zwei Mercedes-Benz-Modelle als Bürgerbusse in Käbschütztal und der Lommatzscher Pflege im Einsatz. Ermöglicht wurde die Anschaffung durch Fördermittel des Freistaates Sachsen. Damit ist die E-Mobilität hier längst keine Theorie mehr, sondern Realität.  Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Kann der Bus fahren? Sondern: Wie geht es weiter mit dem großen Fuhrpark, mit den Hauptlinien, mit der gesamten Flotte?

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Denn Praxistests haben einen Haken: Sie kosten Ressourcen, erzeugen Erwartungen und enden manchmal ergebnislos. Man hat „wichtige Erfahrungen gesammelt", heißt es dann oft floskelhaft. Und weiter? Die Fahrgäste in Meißen erleben, wie die Elektromobilität Schritt für Schritt Einzug hält. Was jetzt fehlt, ist der nächste große Schritt: ein klarer, verbindlicher Fahrplan für die Elektrifizierung der gesamten Flotte – nicht nur der Kleinbusse.

Zugegeben, ein nüchterner Blick auf den Kontext ist Pflicht. In Deutschland ist der Ikarus bisher fast nur als Vorführwagen gereist. Fest im Fuhrpark integriert ist er bislang nur bei den Meininger Busbetrieben. Hinzu kommt ein echtes Problem: Der deutsche Vertriebspartner Trasco Bremen hat die Zusammenarbeit mit Ikarus Ende 2024 beendet. Die Frage, wie künftige Wartung und Ersatzteilversorgung im Ernstfall garantiert werden, muss die VGM vor einer Kaufentscheidung zwingend beantworten.

Aber genau dafür ist dieser Test da: um solche Hürden zu analysieren und zu nehmen, statt sie als Ausrede für den Stillstand zu nutzen. Die VGM hat bewiesen, dass sie es ernst meint. Meißen muss das Rad der Mobilitätswende nicht neu erfinden. Es muss sich nur trauen, es dauerhaft zu drehen.

Bis dahin gilt: Schön testen. Aber bitte mit dem Ziel, anzukommen.



Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
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