Wie weiter mit Schloss Schwepnitz? - Oldtimer, offene Türen und Gespräche
Eine Reportage von Claudia Kaiser
Tag 1: Oldtimertrubel am Schloss
Am Samstagnachmittag machte die 8. Lions-Charity-Oldtimer-Ausfahrt Station auf Schloss Schwepnitz. Die Rallye unter dem Motto „Technik trifft Kunst“ war in Riesa gestartet. In Schwepnitz mussten die Teilnehmer mit ihren teilweise mehr als 70 Jahre alten Fahrzeugen vor dem Schloss eine Zeitfahrprüfung absolvieren. In manchem Fahrzeug wurde laut mitgezählt, um möglichst punktgenau ins Ziel zu kommen. Für die zahlreichen Besucher bot das Geschehen beste Unterhaltung und einen lebendigen Eindruck von der besonderen Atmosphäre der Veranstaltung.
Auf die Frage, wie der Lions Club auf Schloss Schwepnitz aufmerksam geworden sei, antwortet Steffen Währa (53), Mitgliedschaftsbeauftragter des Lions Club Riesa e. V.: „Ein Clubmitglied aus Zeithain ist auf der Suche nach neuen, interessanten Stopps für die Rallye im Café eingekehrt und hat so den Kontakt hergestellt. Bei der anschließenden Routenplanung über Google Maps wurde das Schloss in den Streckenverlauf aufgenommen. Wir können uns gut vorstellen, bei der nächsten Ausfahrt hier eine Station für eine längere Pause einzulegen. Das Café bietet dafür alle notwendigen Voraussetzungen.“
Neben den historischen Fahrzeugen waren es auch die kleinen Beobachtungen am Rande, die den Nachmittag besonders machten.
Im Becken des bereits sanierten Brunnens, der sich zwischen vier großen Linden vor dem Schloss befindet, glitzerten zahlreiche eingeworfene Münzen. Als zwei Kinder danach greifen wollten, hielt ihr Vater sie zurück: „Lasst sie bitte liegen – daran hängen Wünsche.“
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Schloss Schwepnitz mit Brunnen (links). |
Auf einer der Bänke am Brunnen saß ein älteres Ehepaar und verfolgte die Rallye mit großem Interesse. Als die beiden später an mir vorbeikamen, fragte ich sie, was sie nach Schwepnitz geführt habe.
„Ursprünglich stammen wir aus Schwepnitz und sind bereits 1969 weggezogen“, erzählten sie. Die Verbindung zu ihrem Heimatort sei jedoch nie abgerissen. Schmunzelnd ergänzten sie: „Unsere Kinder schimpfen mit uns, wenn wir uns als Schwepnitzer bezeichnen – schließlich leben wir schon lange in Dresden.“ Das Schloss, so erinnerten sie sich, wurde bis 1977 als Schule genutzt. Der ehemalige Schüler berichtete: „Damals gab es im Park einen Zuckertütenbaum, und in den Hofpausen war Bewegung an der frischen Luft Pflicht.“
Auch zu den sagenumwobenen Geheimgängen des Schlosses hatten die beiden eine klare Meinung. Diese hätten vom Schloss durch den Rhododendronpark bis zur Olgahöhe geführt – einem Triangulationspunkt nördlich von Grüngräbchen, der früher Vermessungszwecken diente.
Zum Abschied verriet mir die Wahldresdnerin noch etwas Persönliches: „Mein Mann ist inzwischen über achtzig und fährt kein Auto mehr. Für unseren Besuch in Schwepnitz sind wir mit der Bahn bis Königsbrück gefahren und anschließend mit dem Bus Richtung Hoyerswerda weitergereist.“ Der Besuch in ihrer alten Heimat ist für beide eine Gelegenheit, die sie sich trotz des langen Anfahrtswegs nicht entgehen lassen möchten.
Während die Oldtimer vor dem Schloss für Aufmerksamkeit sorgten, rückte zugleich auch die Geschichte des Gebäudes selbst in den Mittelpunkt.
Vor zwölf Jahren erwarb der gebürtige Sachsen-Anhalter Torsten Winger das Grundstück mit der Schlossruine, um sie wieder aufzubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Fotos aus dem Jahr 2014 zeigen eindrucksvoll, in welch desolatem Zustand sich das Gebäude damals befand. Erhalten waren lediglich die Außenmauern; Dach und Geschossdecken fehlten vollständig. Im Inneren lag noch immer der Schutt des Brandes vom November 1996, der nie vollständig beräumt worden war. Auf dem Schlosshof wuchs das Gestrüpp bereits aus dem beschädigten Brunnen.
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Schlosseigentümer Torsten Winger (Archiv). |
Seitdem wurde viel beräumt, gesichert, instand gesetzt und erneuert. Nach Angaben des Eigentümers flossen bislang rund 300.000 bis 400.000 Euro in den Wiederaufbau.
Im Gespräch erzählt Torsten Winger, wie seine Begeisterung für historische Gebäude entstand und welche Pläne er mit Schloss Schwepnitz verfolgt. Herr Winger, woher kommt Ihre Begeisterung für alte Häuser? „Schon seit meiner Jugend habe ich ein Faible für historische Gebäude. Mit Anfang zwanzig träumte ich davon, einmal ein Schloss zu besitzen – das fehlte mir noch in meinem Portfolio. Bereits bei der ersten Besichtigung faszinierte mich die Freitreppe, obwohl sich das Gebäude damals in einem erbärmlichen Zustand befand.“ Wie sind Sie auf Schloss Schwepnitz aufmerksam geworden? „Über einen Auktionskatalog der Treuhand bin ich auf das Schloss aufmerksam geworden. Beim Aufbau gab es allerdings zahlreiche Schwierigkeiten: Corona, Materialmangel und Preissteigerungen. Deshalb konnte ich das Schloss erst 2019 endgültig erwerben.“ Welche Erfahrungen bringen Sie in dieses Projekt ein? „In meinem Heimatort Chörau in Sachsen-Anhalt betreibe ich einen Museumshof. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, kommen nun auch Schloss Schwepnitz zugute.“ Welches Nutzungskonzept verfolgen Sie? „Künftig sollen hier Ferienwohnungen für Selbstversorger entstehen. Neben dem Café möchte ich weitere Freizeit- und Kulturangebote etablieren.“ Was bedeutet Schloss Schwepnitz für Sie persönlich? „Es wird mein Lebenswerk.“ Gleichzeitig, so erzählt Winger, sei er froh, bereits jemanden an seiner Seite zu haben, der das Projekt eines Tages weiterführen könne. „Bei einem jungen Mann aus meinem persönlichen Umfeld erkenne ich vieles von mir selbst wieder – Visionen, Tatendrang und Durchhaltevermögen.“ |
Tag 2: Park und Garten im Mittelpunkt
Auch an diesem Sonntag stand das Schlossgelände allen Besuchern offen, die mehr über die Geschichte des Anwesens und seine Zukunft erfahren wollten.
Im Eingangsbereich begrüßte Torsten Winger die Gäste persönlich und beantwortete ihre Fragen rund um das Schloss. Noch immer ist das Gebäude ohne Dach, auch die Geschossdecken fehlen größtenteils. Nutzbar ist derzeit lediglich der Keller.
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Vor dem Schloss sorgte eine Hüpfburg für Abwechslung. Kinder tobten auf der Wiese, während Erwachsene das Gelände erkundeten, Kaffee tranken oder miteinander ins Gespräch kamen.
Auch für das leibliche Wohl war gesorgt – unter anderem mit kühlen Getränken und einer Fassbrause aus Sachsen-Anhalt. Möglich werde der Betrieb vor allem durch sein kleines Team, sagt Winger. Ohne seine „zweieinhalb Mitarbeiter“ würde vieles nicht funktionieren.
Eine Mitarbeiterin beschreibt ihren Chef als einen Menschen, der stets nachfrage, wie es seinen Beschäftigten gehe, und immer ein offenes Ohr habe. Rund um das Schloss gebe es schließlich ständig etwas zu tun – vom Blumengießen bis zum Rasenmähen.
Im Café werden außerdem Souvenirs angeboten. Auch Schlosslikör und historische Dachziegel des Schlosses können dort erworben werden. Jeder Euro, den das Schloss-Café erwirtschaftet, fließt nach Angaben des Eigentümers in den weiteren Aufbau des Schlosses.
Die Schwepnitzerinnen und Schwepnitzer sind ausdrücklich eingeladen, eigene Ideen einzubringen und das persönliche Gespräch zu suchen. Kontaktdaten finden Interessierte auf den im Café ausliegenden Flyern sowie im Internet unter www.schloss-schwepnitz.de.
Viele Familien im Ort haben zudem einen persönlichen Bezug zum Schloss. Offenbar existieren noch zahlreiche private Fotografien, die weitere Erinnerungen und Geschichten dokumentieren könnten.
Als die letzten Besucher das Schlossgelände verlassen, bleibt vor allem ein Eindruck: Schloss Schwepnitz ist zwar noch immer eine Baustelle – aber längst keine Ruine mehr. Es ist ein Ort, an dem Geschichte bewahrt und Zukunft gebaut wird.
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de



