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Soll man oder soll man nicht?

05.08.2019 von

Foto: Pixabay
In der letzten Woche starb ein Junge auf dem Bahnhof von Frankfurt am Main. Er wurde auf das Gleis gestoßen und vom Zug überrollt. Der Täter wurde gestellt - zugewandert. Wenige Stunden später starb ein Familienvater vor den Augen seines Kindes, als er vom Streitgegner in Säbelhieben niedergeschlagen wurde. Auch hier war der Täter zugewandert.

Seitdem tobten mehrere Debatten in den Medien und den sozialen Netzwerken über das richtige Verhalten in der öffentlichen Darstellung. Soll man darüber berichten oder nicht? Soll man blutige Details zeigen oder nicht? Soll man die Nationalität der Täter nennen oder nicht?
Mich stört, dass die Debatte über die „richtige“ und „falsche“ Darstellung der Ereignisse wichtiger war als das Entsetzen über die Taten. Es sind ja keine Naturgewalten über uns, sondern Menschen mit einer bestimmten Biographie und aus einer bestimmten Erfahrungswert zu uns gekommen. Sie bringen einen Zugang zu Gewalt und Brutalität mit, den wir nicht (mehr) gewöhnt sind, der uns zutiefst erschüttert, der uns unserer Hilf- und Schutzlosigkeit dieser Brutalität gegenüber deutlich vor Augen führt.

Unser Wohlstand ist wie ein Kokon, in dem wir wie in unserer eigenen Welt leben. Diese eigene Welt prägt uns auch. Unser Sozialverhalten ist dem angepasst. Natürlich gibt es auch viele deutsche Täter. Und manche sind sehr brutal. Aber sie sind keine alltäglichen Erfahrungen. In der Berichterstattung aber so zu tun, als sei gar nichts Berichtenswertes vorgefallen (man könne nicht über alles berichten), als sei egal, aus welchem Hintergrund der Täter und seine Verhaltensweise stammt (als sei die Nationalität egal) oder was wirklich geschehen ist, indem man verharmlost (das Kind sei vom Zug erfasst worden), ist nicht angemessen. Ich finde das sogar suspekt. Wer Fakten berichtet, muss sich keine Gedanken darüber machen, ob er sie richtig oder falsch darstellt, wenn er sie ehrlich und genau darstellt. Fakten sind Fakten, erst unsere Bewertung macht sie zu Meinungen. Und die darf und soll sich in einer Demokratie jeder selbst bilden.

Noch mehr gestört hat mich übrigens, dass die Debatte über die richtige oder falsche Darstellung offenbar wichtiger war als die Empathie für die Opfer. Fast könnte man denken, es sei denen, die der freien Zuwanderung unbedacht das Wort reden, peinlich, wenn die Konsequenzen dieser Naivität derartig brutal völlig Unschuldige treffen und sie wollten davon ablenken. Vielleicht fällt ihnen dieser Zusammenhang aber auch nicht auf. Sich selbst gegenüber kann man Fakten ja immer „richtig“ darstellen.

Selbstbetrug ist gratis und nicht strafbar.

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